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Königreich Kastilien
Gedanken König Alfonsos IX., des Rächers von Borgonha, beim Lesen des BriefesToledo, im Frühjahr 1345
Vatermord. Das Wort brennt sich in meine Gedanken, noch ehe ich das Siegel des Ordensmeisters von Avis vollständig erbrochen habe. Alfonso IV., mein Vetter, mit dem ich das Blut derselben burgundischen Ahnen teile, tot durch die Hand seines eigenen Sohnes. Welch ein Zeichen muss dies sein, dass Gott solches
Unheil über ein
christliches Königshaus kommen lässt, während wir uns noch mühen, den Halbmond aus Iberien zu vertreiben.
Und doch, so sehr mich der Verlust meines Vetters schmerzt, so klar erkenne ich auch, was dieser Brief mir bietet. Portugal, unser
Brudervolk, liegt nun führerlos und in Gefahr, sich selbst zu zerfleischen, während Pedro, dieser vatermörderische Prinz, durch Coimbra zieht wie ein tollwütiges Tier. Man bittet mich um Ritter, um Beistand, um meinen Namen vor dem
Heiligen Stuhl. Das will ich gerne geben - doch nicht ohne Lohn. Ein Portugal, das mir zu
ewigem Dank verpflichtet ist, ein Orden von Avis, der meiner Gunst mehr verdankt als der eigenen Krone, das sind Dinge von großem Wert, wenn ich dereinst meinen Blick nach Aragon und Catalunya richte und einen ruhigen Rücken im Westen brauche oder später
meine eigene Linie als Großmeister wissen könnte. Der Allmächtige schickt selten eine Gelegenheit ohne einen Preis, doch dieser Preis, so scheint mir, ist gering gegenüber dem, was zu gewinnen ist.
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Antwortschreiben König Alfonsos IX. an den Großmeister Gonçalo VasquesGegeben zu Toledo, im Jahre des Herrn 1345
Dem ehrwürdigen und gottesfürchtigen Herrn Gonçalo Vasques, Großmeister des Ordens von Avis, und dem Rat der Orden von Portugal, entbietet Alfonso IX., von Gottes Gnaden König von Kastilien und León, der Rächer von Borgonha, seinen brüderlichen Gruß.
Mit tiefer Trauer und aufrichtigem Schmerz haben Wir von dem Unglück vernommen, das über das Haus meines verstorbenen Vetters Alfonso IV. hereingebrochen ist. Kein christliches Herz kann unberührt bleiben von solcher Untat, und Wir erkennen in ihr eine Prüfung, die der Allmächtige über unsere beiden Königreiche gemeinsam verhängt haben mag, auf dass wir in dieser Stunde umso fester zueinanderstehen.
So sei Euch versichert: Wir werden dies Schreiben ungesäumt an den Legaten Seiner Heiligkeit weiterleiten und mit Unserem eigenen Namen und Siegel für die Erhebung des Ordens der Ritter unseres Herrn Jesus Christus über die anderen Orden Portugals bitten, auf dass eine feste Hand über das Reich wache, bis rechtmäßige Ordnung wiederhergestellt ist.
Auch sollen Euch nicht wenige unserer Ritter von Calatrava fehlen, die wir Euch zum Beistand entsenden werden, denn was Portugal bedroht, bedroht auch den Frieden an unseren gemeinsamen Grenzen. Wir erwarten von Eurem Reiche, dass es sich Uns in kommenden Tagen als ebenso verlässlicher Freund erweist, wie Wir es Euch in dieser Stunde der Not sind, und dass die Bande zwischen unseren Häusern und Reichen durch diese Hilfe nur fester geknüpft werden.
Der Herr behüte Euch und schenke Portugal bald wieder Frieden und rechtmäßige Ordnung.
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Gesuch an den Papst
Toledo, im Jahre des Herrn 1345
Seiner Heiligkeit, dem Stellvertreter Christi auf Erden, entbietet Alfonso IX., von Gottes Gnaden König von Kastilien und León, in tiefster Demut und kindlichem Gehorsam seine Grüße und seinen Kuss auf den heiligen Fuß.
Mit schwerem Herzen bringen Wir Eurer Heiligkeit zur Kenntnis, welch entsetzliches Unglück über das Königreich Portugal gekommen ist: Der fromme König Alfonso IV. ward von der Hand seines eigenen Sohnes Pedro erschlagen, und nun droht das Land, in blutigen Bruderkrieg zu versinken, während der junge Prinz, von Wahnsinn und Zorn getrieben, durch Coimbra zieht.
Der ehrwürdige Orden von Avis und die Ritterschaft Portugals haben sich in dieser Stunde der Not an Uns gewandt und Uns gebeten, Eure Heiligkeit anzuflehen, dem Orden der Ritter unseres Herrn Jesus Christus die Oberhoheit über alle anderen Orden des Landes zu verleihen, auf dass eine feste und gottgefällige Hand das Reich vor weiterem Verfall bewahre, bis rechtmäßige Ordnung wiederhergestellt werden kann.
So bitten Wir Eure Heiligkeit inständig, diesem Ansinnen Gehör zu schenken und den Orden Christi mit Eurer apostolischen Autorität zu bestätigen, auf dass Portugal, dies fromme Königreich am Rande der Christenheit, nicht dem Chaos anheimfalle, sondern gestärkt aus dieser Prüfung hervorgehe - zum Wohle der gesamten Christenheit und zur weiteren Vollendung des heiligen Werkes der Reconquista auf iberischem Boden.
Der Herr erhalte Eure Heiligkeit noch lange zum Wohle Seiner Kirche.
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Zur Herrschaft über Granada – Gedanken am Hofe
Toledo, 1349
Granada ist unser, seit geraumer Zeit nun schon, und die Fahnen Kastiliens wehen über den Türmen, wo einst der Halbmond stand. Doch Eroberung ist nicht dasselbe wie Herrschaft, und dies lehrt uns die Erfahrung in den besetzten Landen nur zu deutlich. Die alten Wege der Verwaltung, die Kenntnis der Bewässerungssysteme, der Steuerlisten, der Gepflogenheiten dieses Landes – all dies lag einst in den Händen der maurischen Beamten, die seit Generationen kaum etwas anderes kannten. Sie zu ersetzen durch kastilische Männer, die weder Sprache noch Sitte des Landes verstehen, hat manchen Unmut und manche Verwaltungsnot gebracht, die dem Frieden in der Provinz wenig zuträglich sind.
So mehren sich am Hofe die Stimmen, man solle erwägen, jene früheren maurischen Verwalter, deren Loyalität sich als verlässlich erwiesen hat, wieder in ihre Ämter einzusetzen – doch nicht ohne eine Bedingung, die keinem Zweifel offenlässt, wem ihr Herz fortan zu dienen hat: Sie sollen fortan unserem Herrn Jesus Christus gedenken und sich taufen lassen, ehe sie das Siegel der Krone wieder in Händen halten. Ein Verwalter, der Christus dient, mag seine alte Kenntnis des Landes ebenso gut nutzen wie zuvor dem Halbmond, doch nun zum Wohle der Krone und der wahren Kirche. So ließe sich Ordnung und Ertrag der Provinz sichern, ohne dass man der Krone Verrat oder Untreue fürchten müsste.
Zugleich bleibt der Blick des Hofes nach Osten gerichtet, wo mit Aragon und Catalunya die größeren Ziele unserer Politik liegen. Solange die Piraten der Berber aus Marokko sich von unseren Küsten
fernhalten, mag man erwägen, ob nicht auch mit ihnen ein
gemeinsames Interesse zu finden wäre; Handel oder stillschweigendes Einvernehmen, das uns die Ruhe im Süden sichert, während Aragon und die Ordnung in Portugal unsere volle Aufmerksamkeit fordern.
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Der Schwarze Tod im Norden
Aus einem Bericht an den Hof, 1349
Aus den nördlichen Landen Kastiliens, von den Häfen an der Kantabrischen See und den Handelsstädten, die mit den Schiffen aus Genua und den fernen Levanteküsten Verkehr treiben, erreichen Uns dunkle Nachrichten. Eine Seuche, wie man sie noch nicht gesehen hat, rafft dort ganze Familien und Dörfer dahin, mit schwarzen Schwellungen und einem Sterben, das binnen weniger Tage ganze Gemeinden entvölkert. Die Priester sprechen von einer Geißel Gottes, die Gelehrten von verdorbener Luft, doch keiner weiß Rat, wie ihr zu begegnen sei.
Man fürchtet am Hofe, dass dieser Schwarze Tod, wie ihn das Volk bereits nennt, sich nicht auf den Norden beschränken wird. Die Straßen, die Pilgerwege, die fahrenden Händler und Soldaten, die zwischen den Provinzen ziehen, tragen die Seuche wohl unweigerlich weiter, und mancher Rat mahnt bereits, dass auch Toledo und der Süden sich auf ihr Kommen rüsten müssten. Zu allem Unglück, das über Portugal und die Frage Aragons auf uns lastet, mag nun auch noch dieses Sterben treten; eine Prüfung, die kein Schwert und keine Diplomatie abzuwenden vermag.
Möge Gott uns alle schützen, das Ende ist nah.~~~~~