[HoI II AAR] The guilty have no pride

AARs zum Zeitpunkte der beiden Weltkriege

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[HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon xxHyFoxx » 23. August 2012 21:46

Freundschaft!

Da das alte Paradox-Forum nun verschollen ist und ich hier einige bekannte Namen aus der dortigen Gemeinschaft gefunden habe, moechte ich hier nun meinen HoI II AAR einstellen und fortsetzen.

Begonnen habe ich den AAR im Jahre 2007 und bis zum vorgesehenen Ende auch regelmaeßig fortgesetzt. Als Ende hatte ich die Kapitulation der Sowjetunion per Bitter Peace Event fest gelegt.
Da mir das reine wiedergeben des Spielgeschehens allerdings zu langweilig war, habe ich irgendwann begonnen verschiedenen neue Charaktere mit einzufuegen und eine Hintergrundgeschichte entwickelt die ich weder aufgeben wollte, noch will. In Folge dessen wurde der AAR auch nach dem Jahre 2009(?) bis heute fortgesetzt. Viel Spaß beim lesen.

Anmerkungen:
1. Die Eintraege werde ich haeppchenweise wieder einfuegen. In meiner Sicherheitskopie sind viele grammatische/Rechtschreib Fehler noch enthalten welche ich fuer gewoehnlich erst in der "Vorschau-Funktion" gefunden und beseitigt hatte. Das ganze muss ich nun noch ein zweites Mal machen.
2. Was mir heute an textlicher Wortwahl nicht mehr gefaellt wird ueberarbeitet. Inhaltlich aendert sich nichts.
3. Der AAR wurde zu einem erheblichen Teil aus der Ich-Perspektive geschrieben und soll ohne altkluge Besserwisserei auskommen (Gelingt mir zugegebener Maßen nicht immer). D.h. die wiedergegebenen Inhalte sollten einem Offizier der Jahre 1933-4x entsprechen. Das schließt auch verschiedene damalige Sitten und Gebraeuche ein. Das bedeutet aber nicht das hier nun mit jedem Gespraechsbeginn einen gewissen unbekannten Kuenstler gehuldigt wird. Dererlei Spaeße sind nicht in meinem Interesse, noch bekommen sie den Forumsbetreibern oder meinem Account.
4. In HoI II werden die Einheitenverbaende (Ansatzweise) historisch benannt. Wenn man also eine Reihe Panzerdivisionen produziert ist es nur eine Frage der Zeit bis z.B. eine ZZ / Waffen-ZZ Division dabei heraus kommt. Diese Einheiten haben im Spiel keine Bonis und werden von mir wie jede andere Division behandelt. Die Geschichte der 12 deutschen Jahre findet in dem Zusammenhang keine Verwendung, noch wird sie durch mich beruecksichtigt. Der AAR entwickelt eine eigene Geschichte. Das bitte ich zu respektieren.
5. Spiel: HoI II Doomsday, Version: 1.3, Ja, das Spiel ist alt.
6. Ist mir jetzt eingefallen. Das Alter-Ego um das es in diesem AAR geht ist Fenix Nachtwandler. Es handelt sich um einen ahistorischen Offizier der Wehrmacht. Sein Hintergrundgeschichte wird im Laufe des AAR naeher beleuchtet. (Nachtrag v. 16. September 2012)
7. Fallt mir bestimmt auch noch was ein. (Nachtrag v. 16. September 2012)

aufzaehlend,
xxHyFoxx


Inhaltsverzeichnis


1936
1937
1938
1939
1940
1941
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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon xxHyFoxx » 23. August 2012 21:58

The guilty have no pride.

Die Ju 52/3m schuettelte sich ob der Luftturbulenzen leicht und ich wurde unsanft aus meinen Traeumen empor gerissen. Das erste was ich sogleich zu sehen bekam war dann das „Eurasia“ Logo der Fluggesellschaft das mir unwirklich entgegen leuchtete. Noch zweimal wurde das Flugzeug heftig durchgeschuettelt ehe es wieder zur Ruhe kam und seinen Flug fortsetzte als ob nichts gewesen waere.
Wo wir jetzt wohl waren? Ein Blick rueber zu dem Tisch mit dem ausgelegten Kartenmaterial eroeffnete mir die Moeglichkeit die Flugroute ansatzweise zu bestimmen. Unter zu Hilfe nahme der angegebenen bisherigen Flugzeit und der durchschnittlichen Geschwindigkeit muesste auch zu ermitteln sein wo wir uns genau befaenden. Allerdings verließ mich da das Interesse auch schon wieder. Es wuerde den Flug weder beschleunigen noch in die Laenge ziehen. Ob ich nun herum rechnete oder nicht.

Ich war auf dem Rueckflug nach Deutschland und hatte auf meinem Schoß eine eine zwei Wochen alte, aufgeschlagene, englische Zeitung liegen. Auf der ersten Seite wurde darin groß ueber die kommenden Olympischen Spiele in Deutschland berichtet, inklusive einer Zusammenstellung ueber die Siegchancen der antretenden Athleten Groß Britanniens. Dazu fand sich dann noch, sozusagen als Einstimmung, eine kleine Auflistung ueber die ganzen „Verstoesse“ der Deutschen (liebevoll Hunnen oder Krauts genannt) gegen den „Vertrag“ von Versailles. Jenem Machwerk, das nur durch den rhetorisch geschickt formulierten Punkteplan des amerikanischen Praesidenten Woodrow Wilson zustande kommen konnte und in dessen Quintessenz angeblich alle Voelker gleichberechtigt aus dem 1. Weltkrieg treten sollten.

Unter dem Strich war es nichts anderes als eine Demuetigung der deutschen Nation gewesen. Volksabstimmung ueber strittige Gebiete bezueglich des Verbleibs im Reich... pah. Da wo eine Mehrheit fuer den Verbleib im Reich stimmte wurde bei Bedarf das Votum ignoriert und das Gebiet einfach trotzdem aus dem verwesendem Reichskoerper heraus gerissen.
Wenn ich heute den Geburtsort meiner Mutter besuchen wollte, muesste ich bei der polnischen Botschaft einen Antrag stellen. Danke Woodrow.

Aber es war ja nicht mein Freund Woodrow oder das Ausland allein an unserer Misere Schuld. Nicht weniger sollten die Bestrebungen der mannigfaltigen Regierungen der Weimarer Republik gewuerdigt werden. Anstatt dem deutschen Volke zu dienen machten Sie sich zum Buettel der Alliierten und der angol-amerikanischen Wirtschaftsinteressen. Sogar die Reichsbahn haben sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und meistbietend verkauft. Immer unter dem Mantra das man ja nichts dagegen tun koenne. Man koenne ja nichts dagegen tun das die Banken sich an dieser Verkapitalisierung des Volksvermoegens dumm und dusselig verdient haben. Doch genug davon, ich rege mich schon wieder auf.

Ich legte die Zeitung auf den Sitz neben mir und blickte aus dem Fenster nach draußen. 1933 war ich dem Ruf von unserem geschaetzten ehemaligen Chef der Heeresleitung Generaloberst Hans von Seeckt gefolgt und war nach China, genauer in das Gebiet der Kuomintang, zu Generalissimus Chiang Kai-shek gegangen um die deutsche Militaermission beim Aufbau einer neuen chinesischen Armee zu unterstuetzen. Dies sollte der chinesischen Republik die Moeglichkeit geben der japanischen Aggression und auch den Einflussnahmen anderer westlicher Staaten Einhalt zu gebieten.
Trotz des Verlustes der Mandschurei 1931 kamen wir bei unseren Bemuehungen ganz gut vorran.

Zwar wuerde es noch gut drei Jahre dauern bis die chinesische Wirtschaft stark genug waere den Japanern zu trotzen und auch war das Gro der chinesischen Armee immer noch schlecht ausgebildet und ausgeruestet, aber zumindest ein Anfang war gemacht. Die Waffen, samt der Industrie die sie herstellte, wurden zunehmend vereinheitlicht und auch einige wenige Elite-Divisionen waren voll ausgebildet und stellten schon den Kern der neuen chinesischen Armee dar. Meine Aufgabe war es dabei gewesen ein Regiment Gebirgsjaeger nach deutschen Stoßtruppentaktiken auszubilden.

Ende des Jahres 1935 erhielt ich dann meine Versetzung in den deutschen Generalstab und musste China verlassen. General Alexander von Falkenhausen, der Nachfolger von Generaloberst Hans von Seeckt, mit seinem Stab blieben unterdessen vor Ort und unterstuetzten die Chinesen weiterhin bei ihrer Modernisierung. Zu beneiden waren Sie um Ihre Aufgabe wahrlich nicht. Die Japaner achten sehr darauf das ihnen die Chinesen in Ostasien nicht gefaehrlich werden. Der ganze Aufbau musste heimlich erfolgen und nach Außen mussten die Chinesen Schwaeche zeigen. Davon wiederum aber auch nur soviel das die Japaner sich nicht befaehigt fuehlten China gefahrlos anzugreifen zu koennen.

Die Chinesen haben ein Vabanquespiel mit ungewissen Ausgang vor sich. Sie waren durch innere und außere Interessen in einer prekaeren Lage und wuerden alle Schlaeue ihrer Fuehrer benotigen um gestaerkt aus der jetzigen Situation hervor zu gehen. Nach den Planungen brauchen sie noch drei Jahre um Kriegsbereit zu sein. Drei Jahre... das war zumindest ein Ziel.
Danach wuerden Sie ein sehr stacheliges Ziel sein. Nur ein Igel zwar, aber die Igel stoeren sich an den Stacheln ihrer Artgenossen nicht. Das sahen die Fuechse natuerlich anders, aber mit den Fuechen spricht man nur wenn man selber einer ist.
In einiger Zeit werden die Chinesen stark genug dazu sein weitere Versuche von Landnahme zu unterbinden. Dann wuerde man mit ihnen verhandeln muessen und die Zeiten, in denen die Chinesen in der Presse auch noch Schuld an den Militaeraktionen fremder Maechte auf ihrem Staatsgebiet waren, waeren endgueltig vorbei.

Ich blickte noch einmal kurz auf die englische Zeitung und las unter dem Versailles Artikel den Satz: „The guilty have no pride!“

Wie wahr, wie wahr...

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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon xxHyFoxx » 24. August 2012 15:00

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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon Löschzement » 24. August 2012 15:58

Der erste rübergerettete :strategie_zone_11:
Freu mich!

PS: Gelesen Ardrianer!
Sorry...ab jetzt weiß ichs.
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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon Ardrianer » 24. August 2012 16:04

xxHyFoxx hat geschrieben:
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ihr solltet Kommentare nur hier posten. das ist hier so üblich und dient der Übersichtlichkeit
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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon xxHyFoxx » 27. August 2012 19:58

Nach der Landung auf dem Berliner Flughafen Tempelhof und den peniblen Kontrollen meiner Person, sowie des Gepaecks, gelangte ich durch mehrere Gaenge in die provisorische Haupthalle des Flughafens. Dort waren große Teile der Halle mit Trennwaenden abgesperrt, um die Besucher vor Staub, Dreck und dem allgegenwaertigen Laerm der laufenden Bauarbeiten zu schuetzen. Doch schon die Dimension des Innenausbaus machten deutlich, das es sich bei der neuen Haupthalle um ein sehr wuchtiges Gebaeude mit einer klaren Linienfuehrung handelte. Spaeter fand ich heraus das der Architekt Ernst Sagebiel, offensichtlich ein Intimus von Hermann Goering, den Auftrag erhalten hatte ein neues Flughafengebaeude zu entwerfen. Hauptziel dabei, Durchsatzkapazitaet des Flughafens erhoehen!
Meinen persoenlichen, architektonischen Geschmack traf das ganze nicht gerade. In meiner Wahlheimatstadt Stralsund dominierte der gotische Baustil des Mittelalters das Stadtbild. Das Streben nach Hoehe, zu Gott und die gleichzeitige Verspieltheit der Backsteingotik in den Fassadenelementen empfinde ich als wesentlich individueller als diesen neuen Baustil. Aber die Hauptsache ist eigentlich, das ueberhaupt wieder gebaut wird.

Vor dem Gebaeude lief ich dann einem Faehnrich in die Arme, der mich genauso begrueßte wie ich es es auf einigen Filmaufnahmen zuvor in China gesehen hatte. Donnernd grueßte er dabei unser Staatsoberhaupt, also sah ich mich einen Moment suchend um, grueßte ihn dann militaerisch zurueck und fragte ihn ob der auch hier sei.
Die Frage beantwortete er allerdings nicht. Statt dessen grueßte er dann ebenfalls militaerisch zurueck und stellte sich mir als „Walter Hildebrandt“ vor. Er hatte die Aufgabe mich am Flughafen abzuholen und in einem Hotel einzuquartieren. Nachdem er mir das erlaeutert hatte versuchte er mir mein Gepaeck abzunehmen, was ich aber mit der Bemerkung: „Sie tragen hier schon die Last der Verantwortung.“ energisch zrueckwies. Also blieb ihm nichts anderes uebrig als mich zu einem etwas abseits stehenden Horch 20 100 HP zu bringen. Mit diesem bahnten wir uns anschließend einen Weg durch Berlin.

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Berlin ist fuer mich eine Stadt, die sich durch einen tiefen innere Zwiespalt auszeichnete. Einerseits war das kulturelle Angebot mehr als beachtlich und in vielen Dingen auch sehr interessant. Hier gab es Dinge zu sehen und zu kaufen die sich nie nach Stralsund verirren wuerden. Andererseits empfand ich aber die puren Menschenmassen hier abstoßend. Das soll nun aber nicht bedeuten das ich die Berliner nicht mochte, nein, ihre etwas kaltschnaeuzige Art wirkte oft auflockernd und Gastfreundlich waren sie auch, aber die pure unkontrollierte Masse an Menschen schlug mir einfach auf das Gemuet. Das waren einfach Nachwirkungen meiner Kindheit.
Die habe ich naemlich zu einem nicht unerheblichen Teil auf dem flachen Land verbracht. Es gab dort keine Pfuetze durch die ich nicht getraempelt und kein Waldstueck in dem ich keine Spuren hinterlassen habe. Ich war in Mitten von großen weiten Feldern und dunklen undurchdringen Waeldern aufgewachsen. Das praegt einen Menschen einfach und genau darum habe ich auch Stralsund zu meiner Wahlheimat gemacht. Zugegebenermaßen, es gibt auch dort Orte an denen das Leben tobt, aber ich habe da die Moeglichkeit mich innerhalb von 15 Minuten in menschenleeres Gebiet zu begeben wenn es mir zu bunt wird.

Waehrend unser Fahrt durch das Berliner Straßengewirr erzaehlte mir Faehnrich Hildebrandt derweil in kurzen Stichpunkten was sich seit dem Jahre 1933 so alles zugetragen hatte. Alles in allem schien es in erster Linie wieder wirtschaftlich vorwaerts zu gehen, was er sehr begrueßte. Denn eben dies zog auch eine Reihe weiterer Verbesserungen nach sich. Leute die Arbeit haben pruegeln sich nicht aus Langeweile auf Straßen umher, muessen ihren Lebensunterhalt nicht erbetteln und koennen sich zudem auch wieder etwas leisten, was ganz allgemein die Stimmung hebt. Weniger begruessenswert waren da die Einschraenkungen welche bestimmte Minderheiten in wirtschaftlicher wie auch persoenlicher Sicht bisher erlitten hatten. Allerdings war der Faehnrich der Ansicht das sich das ganze schon wieder entspannt habe, jetzt wo die Olympischen Spiele in Deutschland ausgetragen werden.
Man stehe jetzt schließlich im Mittelpunkt des Weltinteresses und da muesse man sich schließlich benehmen. Die Frage, wie es aussieht wenn das Weltinteresses wieder erlischt, verkniff ich mir in dem Zusammenhang.

Nach der Ankunft im Hotel erklaerte mir der Faehnrich das ich in zwei Tagen, um 9 Uhr morgens, beim Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Werner von Fritsch, vorzusprechen habe. Der Faehnrich wuerde mich um 8 Uhr im Foyer des Hotels erwarten. Was der Grund dieser Einladung war, konnte oder wollte mir der Faehnrich nicht mitteilen. Ich entschied mich dazu einen Barbier aufzusuchen und in den naechsten beiden Tage meine angefertigten Unterlagen von der deutschen Militaermission in China noch einmal durchzusehen. Einen Besuch meiner Wahlheimat rueckte dementsprechend noch einmal in die Ferne.



Generalmajor Werner Freiherr von Fritsch war ab 1. Februar 1934, als Nachfolger des Generaloberst Kurt von Hammerstein-Equord der im Dezember des Vorjahres um seine Entlassung gebeten hatte, Chef der Heeresleitung. Berufen wurde er durch den Reichspraesidenten Hindenburg und galt allgemein als Vertreter des alten, preußischen Konservatismus. Eine politische Einflussnahme auf die Reichswehr bzw. Wehrmacht war von ihm nicht erwuenscht, was ihn oft in Konflikt mit dem General der Infanterie Werner von Blomberg brachte. Dieser zeigte sich naemlich als offener Bewunderer des Reichskanzlers und dessen Vorstellungen.

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Nach der formalen Begruessung und dem ueblichen Austausch gingen wir in einen Vortragsraum in dem ich mich mehrere Stunden mit ihm allein ueber das Wirken der deutschen Militaermission in China unterhielt. Nachdem ich auch meine Bedenken ueber Chinas derzeitige Staerke vorgetragen hatte, eroeffnete mir von Fritsch das die Reichsregierung sehr an China als Rohstofflieferant interessiert sei. Insbesondere die militaerisch wertvollen Stoffe Wolfram und Antimon sollten in Massen aus China importiert werden. Hierzu seie es allerdings notwendig das die Abbaugebiete besser erschlossen werden, d.h. das die entsprechenden Gebiete eine Eisenbahnanbindung erhielten.
Ich merkte an, das dies von den Japanern nicht unbemerkt bleiben wuerde und diese ebenfalls Rohstoffe aller Art benoetigten. Weiterhin wuerden die Japaner nicht davor zurueck schrecken ganze Schiffsladungen seltener Rohstoffe zu konfiszieren und, wenn moeglich, gut erschlossenen Abbaugebiete samt neuen Transportwegen militaerisch besetzen. Eine vollendete Erschliessung der Rohstoffgebiete konnte nach meiner Auffassung erst nach Herstellung einer abschreckenden Wehrmacht der Chinesen in Angriff genommen werden.

Von Fritsch machte sich waerend des Gespraechs ein paar Notizen und fertigte im Anschluss an unser Gespraech ein Protokoll an welches meinen eingereichten Unterlagen beigefuegt wurde.
Zu einem spaeteren Termin in den Abendstunden desselben Tages eroeffnete mir von Fritsch dann den wahren Grund meiner Abberufung aus der Militaermission in China. Ich sollte als Militaerbeobachter nach Aethiopien reisen und den dortigen Abessinienfeldzug der Italiener dokumentieren. Es war einer der Ersten, uns relativ problemlos zugaenglichen, Konflikte in dem moderne Waffen, Infanterie, Panzer und Flugzeuge, eingesetzt wurden. Mein Hauptaugenmerk sollte dabei auf der angewandten Infanterietaktik liegen.
Wie ich den weiteren Erlaeuterungen entnehmen konnte war ich allerdings ein Nachzuegler, denn der Großteil unserer militaerischen Beobachter hatte schon vor Wochen seine Reise angetreten. Um nun nicht voellig allein zu reisen, und um meine sprachenlichen Defeizite auszugleichen, soll mich noch jemand als mein Adjutant begleiten. Es handelte sich hierbei um keinen geringeren als den Faehnrich Walter Hildebrandt, der einerseits fließend italienisch sprach und andererseits Erfahrungen in Punkte Lagebeurteilung und dergleichen sammeln sollte.

Die Einreise in das Kriegsgebiet stellte sich allerdings als nicht zu unterschaetzendes Problem dar. Es bestand zwar eine Luftverbindung von Frankreich aus nach franzoesisch Somalia(Dschibouti), allerdings war es aeusserts unwahrscheinlich das die Franzosen zwei Angehoerige der Wehrmacht einfliegen wuerden. Eine Tarnung als Zivilpersonen kam auch nicht in Betracht, da selbige fuer gewoehnlich via Schiff nach Dschibouti gebracht wurden.
Kolonien besaßen wir dank Versailles nicht mehr und die Italiener waren nicht gerade daran interessiert die Einreise von fremden Militaerbeobachtern zu unterstuetzen.
Von daher hatte man fuer mich einen „sonderbaren“ Plan fuer die Einreise nach italienisch Somalia vorbereitet. Faehnrich Hildebrandt und ich sollten per Flugzeug nach Izmit in die Tuerkei fliegen und von dort aus mit einer umgebauten Junkers 52, das heißt alles was nicht zum fliegen oder dem Komfort benoetigt wurde war ausgebaut worden, in Richtung Suez Kanal fliegen und per Fallschirm auf einem deutschen Frachter landen, welcher uns bis nach Massawa bringen sollte. Von da aus sollten wir uns zum Hauptquatier des Marschalls von Italien Pietro Badoglio begeben und unsere offizielle Beobachtertaetigkeit aufnehmen.

Da allein die Einreise nicht ohne persoenliches Risiko und Gefahr fuer Leib und Leben war, stand es mir, genauso wie dem Faehnrich Hildebrandt, frei diesen Einsatz ohne (offizielle) Beeintraechtigungen einer moeglichen weiteren Karriere im Generalstab abzulehnen. In mir ueberwog allerdings klar das Interesse daran die neuen technischen Moeglichkeiten des Kriegshandwerks und der sich daraus ergebenden taktischen Moeglichkeiten und Strategien zu studieren. Zudem hatte ja schon Clausewitz darauf hingewiesen das in Friedenszeiten das Offizierskorps darauf erpicht sein muesse Konflikte fremder Maechte vor Ort zu beobachten um dort Rueckschluesse auf die eigene Wehrfaehigkeit zu ziehen. Ich stimmte dem Unterfangen vorbehaltlos zu,

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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon xxHyFoxx » 3. September 2012 19:43

Nach einer nervenaufreibenden Anreise und mehreren Wochen zwischen verschiedenen italienischen Verbaenden tingelnd, befinden wir uns nun in der Stadt Desé welche rund 300 km nordoestlich von der aethiopischen Hauptstadt Addis Abeba liegt. Wir haben hier Quartier in einem verlassenem eingeschossigen Haus am Stadtrand bezogen. Wobei Haus fuer europaeische Verhaeltnisse wohl eine sehr wohlwollende Beschreibung ist. Es erinnert von der Groesse her eher an die Gebaeude in einer Kleingartenkolonie. Die Waende sind aus Lehmziegeln hochgemauert und verputzt, eine raeumliche Unterteilung gibt es nicht. Das Dach besteht aus einer einfachen abgewinkelten Holzkonstruktion aus ungeschliffenem Holz, auf dem getrocknetes Laubwerk und eine Art Stroh liegt um der Witterung zu trotzen.
Obschon dieses Gebaeude sehr primitiv konstruiert ist, muss ich ihm zugestehen sehr gut an die vorherrschenden klimatischen Bedingungen angepasst zu sein. Am Tage kann es derzeit bis zu 25°C warm werden und die Lehmziegel speichern die Waerme sehr gut fuer die wesentlich kaelteren Naechte. Wenn in den Naechten dann die Waerme abgeben ist, braucht es bis zum Mittag des Folgetages ehe die Umgebungstemperatur sich im Haus einstellt.
Eine Moeblierung gibt es in der Huette so gut wie gar nicht, zumindest nichts womit wir etwas anzufangen wissen. Schlafen tun wir derzeit auf, auf dem Fußboden ausgebreitetem, Stroh. So gesehen erfuellt hier alles seinen Zweck. Uns geht es also gut.

Weniger gut geht es den aethiopischen Verbaenden welche von den italienischen Truppen vor sich her getrieben werden.
Dabei sah die Lage fuer die Italiener unter General Emilio de Bono vor ein paar Wochen noch sehr blamabel aus. Die Aethiopier waren zum Gegenangriff angetreten und warfen einen Teil der italienischen Verbaende sogar wieder aus ihren Stellungen. Unter anderem da wo wir unsere Beobachtertaetigkeit aufnehmen sollten. Aufgrund dieser unerhoerten Misserfolge wurde Emilio de Bono 45 Tage nach Kriegsbeginn abgesetzt und Marschall Pietro Badoglio uebernahm das Kommando. Dieser gruppierte daraufhin den Großteil seiner Verbaende um und befahl nach einer Phase der Reorganisation pausenlos Angriffe gegen die Aethiopier. Diese wehren sich nun mit Verbissenheit und Opfermut gegen die Italiener, gleichwohl ohne großen Erfolg. Denn den aethiopischen Soldaten fehlt es an modernen Waffen bzw. wirksamen Bekaempfungsmitteln gegen Panzer und Flugzeuge. Darum nimmt man das was man hat, Menschen.

Kurzprotokoll:

Die italienischen Verbaende (teilweise Askaris darunter) sind sehr modern, und dem Kriegsschauplatz entsprechend, ausgeruestet. Zum Einsatz kommen durch die Italienische Seite Maschinengewehre, leichte und mittlere Artillerie, Panzerwagen, Lastkraftwagen und verschiedene Flugzeugtypen. Auf Kavallerie wird ganz verzichtet.
Dieser modernen Ausruestung steht aber das Fuehrungskonzept diametral entgegen. Ohne die Strategie genauer zu kennen muss die Gefechtsfeldtaktik als nicht zeitgemaeß qualifiziert werden. Die von uns im 1. Weltkrieg entwickelte Stoßtrupptaktik, die Alliierten nennen sie heute Infiltrationstaktik, wird von ihnen nicht angewendet. Eine Schwerpunktkonzentrierung findet ebenso nicht statt.
Die Infanterie traegt die Hauptlast der Angriffe und wird von italienischen Panzern unterstuetzt. Da die Aethiopier auch einige Maschinengewehre im Einsatz haben sind, gerade im offenen Gelaende, die Verluste teilweise erschreckend. Insbesondere dann wenn die Panzer nicht wirksam eingreifen koennen oder wegen technischer Defekte ausfallen.
Von besserer Qualitaet ist die italienische Artillerie. Wo diese ins Gefecht eingreift erzwingt sie schnell Entscheidungen und schaltet gegnerische Wiederstandsnester schnell und effizient aus. Noch aber ist die Kommunikation zwischen Infanterie und Artillerie zu langsam, was bedeutet dass, das Feuer nur verspaetet angefordert und korrigiert werden kann.
Dank der besseren Ausruestung und dem besseren Nachschub gelingt es den Italienern das Heft des Handelns zu behalten.


Eingesetzte Panzer: Fiat 3000
Erinnert vom Design her stark an die franzoesischen Renault FT 17. Zwei Mann Besatzung, recht langsam, also gut fuer Infanterieunterstuetzung geeignet, haben aber Probleme bei steilem Gelaende.
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Carro Veloce L.3, CV.33, CV.35 L.3/35Lf
Ist als Tankette zu qualifizieren und wurde offensichtlich zur Infnaterieunterstuetzung in unebenen Gelaende konzipiert. Es gibt Ausfeuhrungen mit einem MG, einem Flammenwerfer mit Gasolinanhaenger und mit 20mm Kanone und einem MG. Kommen im uneben Gelaende besser zuruecht als die Fiat 3000, kranken aber an technischen Problemen.

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Aufgrund von fehlenden wirksamen Panzerabwehrwaffen geraten die Aethiopier spaetestens mit dem Eintreffen der Panzer auf dem Schlachtfeld unter Druck. Da sie nichts gleichwertiges besitzen, bleiben ihnen nur ihr Mut und primitive Hilfsmittel zur Bekaempfung.
Stumme Zeugen davon sind zwei zerstoerte Panzer am Stadtrand von Desé. Diesen wurden Holzbalken in die Laufraeder getrieben, wodurch selbige brachen und die Panzer bewegungsunfaehig liegen blieben. Im Anschluß wurde bei den Panzern ein Feuer entfacht und die Besatzung vor die Wahl gestellt zu ersticken oder die Panzer zu verlassen.
Die Wirksamkeit dieser Methode kann im urbanen Gelaende nicht bestritten werden. Im freien Feld unterliegen die Aethiopier allerdings hoffnungslos.

Eingesetzte Flugzeuge: Savoia-Marchetti SM.81

Ist eine dreimotoriges Flugzeug aehnlich der Ju 52. Wird als normaler Hoehenbomber gegen Feindstellungen und auch urbanes Gelaende eingesetzt. Zielgenaue Bombardierungen sind nicht unbedingt die Staerke des Flugzeuges. Allerdings kann dieser Nachteil durch die Wahl der Bewaffung wieder wet gemacht werden. Wird nur in geringen Stueckzahlen eingesetzt.

Fiat CR.32

Einsitziger Doppeldecker welcher offensichtlich als Luftkampfflugzeug konzipiert wurde. In Ermangelung potentieller Gegner greifen die Flugzeuge oft in den Bodenkampf ein. Dies haelt die aethiopischen Soldaten oft von koordiniertem Widerstand ab. Die Schadenswirkung ist aber eher moralischer Natur.

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Zusatz zum Protokoll: Durch Mitglieder des roten Kreuzes wurden uns mitgeteilt das die italienischen Streitkraefte Giftgas einsetzen. Einen finalen Beweis konnten aber weder Sie noch wir diesbezueglich finden. Allerdings erscheint es seltsam das die Italiener als Eroberer ganze Ortschaften samt der Toten darin nieder brennen. In der Naehe bombardierter Verteidigungsstellungen habe ich mehrfach, mir sehr bekannten, Schwefelgeruch vernommen, welcher von dem Einsatz von Losten herruehren kann. Beweise gibt es bisher keine. Zusatz Ende.


Ich schloss meine Notizmappe und dachte unwilkuerlich noch einmal an den 1. Weltkrieg. Der Einsatz von Giftgas war damals aus der Not heraus geboren worden und damals so ziemlich das schlimmste was wir an Waffen so hatten. Aufgrund der verfahrenen Lage sowie der matieriellen und personellen Ueberlegenheit unserer Gegner war der Einsatz dieser Mittel nachzuvollziehen. Wenn man sich aber in einem Giftgasangriff mittels Phosgen oder Lost wiederfand und mitansehen musste wie Kameraden die nicht schnell genug waren elendig an dem Zeug verreckten, dann fehlt einem das Verstaendniss fuer den Einsatz solcher Mittel. Lieber durch einen Artillerieeinschlag oder einen Kopfschuss sterben. Aber wer hat schon so ein Glueck?

Sollten die italienischen Streitkraefte an diesem Ort, bei diesem Gegner, tatsaechlich solche Kampfstoffe einsetzen so waehre das ein Armutszeugniss fuer ihre Fuehrung und ein Verstoß gegen das Genfer Protokoll. Die Aethiopier sind in der Masse teilweise noch mit Vorderladern und Speeren bewaffnet. Schon der Einsatz von Panzern erinnert eher an Toeten durch Technik als ritterlichem Kampf. Ein Einsatz von Kampfstoffen gegen einen Gegner wie die Aethiopier es sind, die vermutlich weder die Chemkalien noch Abwehrmittel dagegen kennen, ist in meinen Augen der blanke Mord.
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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon xxHyFoxx » 3. September 2012 20:57

Am 6. April 1936 fiel die Athiopische Hauptstadt Addis Abeba nach schweren, und erbittert gefuehrten, Kaempfen. Fast ein Viertel der Wohngebaeude wurde dabei zerstoert und weite Teile des urbanen Gebiets waren mit Geschossen und Sprengkoerpern verseucht. Die Aufraeumarbeiten wuerden noch Monate dauern und auch der aethiopische Widerstand war noch nicht gebrochen worden. Zwar hatte die regulaere Armee die Waffen gestrecktm aber der Widerstand in der Bevoelkerung war damit noch nicht gebrochen. Zudem hatte sich ein Teil der aethiopischen Truppen der drohenden Einschließung in das schwer zugaengliche Bergland entzogen. Dort wuerden die modernen italienischen Waffen an ihre Grenzen stoßen. Die Folge davon koennte ein Abnutzungskampf sein in dem die Seite die Oberhand behaelt welche das laengere Durchhaltevermoegen besitzt.

Mein Begleiter, Faehnrich Hildebrandt, und ich blieben noch bis zum 16. April in Addis Abeba, ehe wir uns zusammen mit Angehoerigen des Internationalen roten Kreuzes zur Hafenstadt Assab, nahe franzoesisch Dschibouti, aufmachten. Die Stimmung bei den Mitgliedern das internationalen roten Kreuzes war sehr gedrueckt. Einige von ihnen hatten in provisorischen Krankenhaeusern gearbeitet, welche teilweise durch die italienische Luftwaffe bombardiert worden waren. Dies erhoehte die Mortalitaetsrate bei den Patienten und gleichzeitig wurden auch viele Helfer verletzt oder getoetet.
Die militaerische Fuehrung der Italiener sprach von versehentlichen Bombardierungen was die Mitglieder des IRK zu der zynischen Bemerkung veranlasste: „Man sollte die großen roten Kreuze auf den Daechern und Zelten besser durch Zielscheiben ersetzen.“. Ein baerbeißiger Schotte aetzte gar man koenne ja Dienstanweisungen fuer die italienischen Piloten auf die Daecher schreiben. „Place bomb here!“ oder „Hospital! Please use mustard gas or fragmantion bombs.“

Bei unser Ankunft in Assab am 28. April 1936 gingen wir an Bord des des deutschen Frachters „Uhlenfels“ (7603 BRT) welcher mit einer unuebersichtlichen Anzahl von Colonialwaren beladen war. Unsere Rueckreise traten wir ueber den Suezkanal, kurzem Zwischenstop in Tripoli, Straße von Gibraltar und letztem Zwischenstop in Lissabon nach Bremen an. Dort gingen wir am 2. Juni von Bord.
Wir wurden von einer Abteilung des Bremer Wachregimentes empfangen und traten nach einem kurzen Aufenthalt in Bremen dann unsere Rueckreise nach Berlin an.

Nach kurzer, gemeinsamer Aufbereitung der angefertigten Unterlagen fand am 7. und 8. Juni eine erste Besprechung ueber den italienischen Abessinienfeldzug statt.
Hierbei war auffaellig das im Hauptquartier eine sehr unuebliche Betriebsamkeit herrschte und man uns auch nur mit einem Ohr so richtig zuhoerte. Ursache des Ganzen war die Remilitarisierung des Rheinlandes welche die Reichsregierung im Fruehjahr befohlen hatte. Obschon dies ein klarer Verstoß gegen das Diktat von Versailles war, begrueßten gerade juengere Offiziere diesen Schritt sehr. Zudem musste man der Reichsregierung zugestehen den Zeitpunkt hierfuer sehr geschickt ausgewaehlt zu haben. Die veroeffentlichte Weltmeinung arbeitete sich an dem Abessinienkonflikt ab, in Frankreich herrschte Wahlkampf und in England starb der alte Monarch, wodurch Edward VIII auf den Thron kam.
Was uns durch diesen Schritt nun an außenpolitischen Problemen mangelte, bekamen wir dafuer an militaerischen Problemen doppelt und dreifach herein. Im Rheinland waren die Kasernen schließlich auf Kabinettsbeschluss seinerzeit abgeschafft worden. Dementsprechend musste die Wehrmacht die Nachnutzer nun ausquartieren und die Kasernen an die Erforderlichkeiten anpassen. Dazu kam noch Nachschub, Einbindung der Kommunikation, Ausbau der Eisenbahntrassen und der ganze sonstige Rattenschwanz an logistischen Problemen.
Die Wehrmachtsfuehrung selber hatte von einer Besetzung des Rheinlandes abgeraten, da bei wirklichem Widerstand der Westmaechte ein umgehender Abzug notwendig geworden waere. Die Wehrmacht war fuer einen ernsthaften Konflikt immer noch zu schwach.

Nach Abschluss aller Besprechungen und Auswertungen ueber den Abessinienfeldzug, erhielt ich vier Wochen Urlaub, welche ich im Ostseebad Heringsdorf und in Stralsund verbrachte. Danach wurde ich in die Abteilung Beschaffung und Nachschub versetzt, welche ihren Sitz ebenfalls im Hauptquartier hatte. Ein Quartier erhielt ich in einer nahe liegenden Kaserne und trat anschließend am 17. August 1936 meinen Dienst an. In meine neue Taetigkeit eingearbeitet wurde ich durch den Oberstleutnant von Biewalski. Dieser erschien mir zuerst wie ein sehr konservativer, disziplinierter Mensch dem Verwaltungstaetigkeit in die Wiege gelegt worden war. Je besser wir uns aber kennen lernten, desto deutlicher traten seine kreative Arbeitsweise und seine unkonventionellen Loesungsansaetze hervor. Dumm nur das man eben hier all sein Talent in stupider Erbsenzaehlerei erstickte und ihn mit logistischer Versorgung quaelte. Dementsprechend empfand er sein Wirken hier auch als Strafversetzung, zumal er vor seiner Versetzung in einem Kavallerieregiment gedient und eigentlich eine Versetzung zur neu entstandenen Panzertruppe beantragt hatte.
Mit von Biewalski verband mich, trotz seiner adligen Herkunft, schon bald eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und ein Einblick in seine bisherige Geschichte.
Er hatte im ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich gefochten und war anschließend Teilnehmer an der zwoelften Isonzoschlacht. Von den Italienern respektierte er nur die einfachen Alpinieri und Soldaten. Den italienischen Offizieren beschied er hingegen: „Unfaehigkeit zur Innovation“, da sie es in den elf Schlachten zuvor zu keinerlei Aenderung ihrer Strategie oder Taktik brachten. Dabei kamen selbst Reporter und militaerische voellig Unbedarfte schon nach ein paar Tagen auf den Gedanken das dort etwas total aus dem Ruder lief.


Derweil geschah außer der Rheinlandbesetzung noch folgendes:

26. Februar 1936, in Japan gibt es Unruhen die aber unterdrueckt wurden. Was genau geschah ist aber noch nicht bekannt.

11. Maerz 1936, Xi'an Zwischenfall, die Kuomintag schließt mit der KPCh einen Waffenstillstand. Fuer die Modernisierungsbemuehungen der Kuomintang ist das sicher positiv. Wie lange dieser Waffenstillstand allerdings haelt ist aber ungewiss.

29. Juni 1936, Guangxi erklaert Nat. China den Krieg. Die Kuomintang kommt nicht zur Ruhe. Bei den zu erwartenden Kraefteverhaeltnissen ist allerdings zu erwarten das die Kuomintang siegreich aus dem Konflikt hervorgeht.

18. Juli 1936, Spanien, es hat offenbar einen Putschversuch seitens der konservativen Kreise und der politisch Rechten gegen die im Fruehjahr gewaehlte Volksfrontregierung gegeben. Nichts genaues weiss man nicht

23. Juli 1936, Spanien, der Putschversuch ist gescheitert aber der Konflikt nicht beendet. Statt dessen stehen sich jetzt zwei Lager, die Nationalisten und die Anhaenger der Republik, gegenueber. Da es trotz Vermittlungsversuchen zu keiner friedlichen Loesung kam, driftet Spanien zusehends auf einen Buergerkrieg zu. Die Italiener engagieren sich schon auf Seiten der Nationalisten. Heraus gekommen ist das ganze durch eine etwas unglueckliche Verlegung von mehreren Bombern nach Spanien. Einer der Savoia-Marchetti SM.81 Bomber ist naemlich in frz. Algerien notgelandet, was die Presse derweil genussvoll ausschlachtet.

In Folge dieser Ereignisse entschloß sich die italienische Regierung reinen Tisch zu machen und bestaetigte offiziell die Entsendung des „Corpo Truppe Volontarie“, angeblich alles Freiwillige, nach Spanien zur Unterstuetzung der Nationalisten. Dazu kommt dann noch die „Aviazione Legionaria“, natuerlich auch alles Freiwillige, die fuer die noetige Luftunterstuetzung sorgen sollen. Schlußendlich kommen dazu noch umfassende Materiallieferungen welche die Nationalisten erhalten sollen. Man fragt sich woher die Italiener das alles nehmen wollen und woher die ganzen Freiwilligen alle kommen. Gibt es in Italien nichts zu tun?

24. Juli 1936, Spanien, in Anbetracht der offenen italienischen Unterstuetzung der Nationalisten hat die Sowjetunion sich dazu entschieden den Republikanern umfassende militaerische Hilfe zu gewaehren. Frankreich und Groß Britannien erklaeren hingegen offiziell, das sie nicht daran denken in den Buergerkrieg einzugreifen.

25. Juli 1936, Deutschland – Spanien, Die Reichsregierung hat sich nun ebenfalls entschlossen auf Seiten der Nationalisten in den spanischen Buergerkrieg zu intervinieren.

Der Oberkommandierende der Wehrmacht, inzwischen Generaloberst, Freiherr von Fritsch und der Chef der Heeresleitung, General der Artillerie Ludwig Beck, riefen daraufhin zu einer Streitkraftuebergreifenden Lagebesprechung, in welcher den Leitern der verschiedenen Staebe der Entschluss der Reichsregierung mitgeteilt wurde.
Nach spaeteren Aussagen meines Vorgesetzten war ein Eingreifen deutscher Truppen von der Wehrmacht bisher entschieden abgelehnt worden. Dementsprechend machten von Fritsch und Beck bei dieser Lagebesprechung wohl keinen sonderlich gluecklichen Eindruck.
Von Biewalksi und meine Wenigkeit erfuhren kurz darauf von dem Umfang der Forderungen die die Reichsregierung an uns stellte und konnten unseren Zynismus nur mit Muehe verbergen. Wenn wir die Wehrmacht aufloesen wuerden koennten wir die geforderten Materiallieferungen schon aus dem Bestand erfuellen. Nachdem unser Vorschlag mit einem Grinsen zurueck gewiesen wurde, selbst unserem Vorgesetzten war klar das eine Lieferung im geforderten Umfang unmoeglich ist, wurden wir mit der Losung entlassen das unmoegliche Moeglich zu machen.

Die gesamte Abteilung Beschaffung und Nachschub hing in den Folgetagen an den Telefonen und besorgte Bestandslisten oder bearbeitete alle moeglichen Offiziere sich von ihren eisernen Reserven zu trennen. Nach ein paar Tagen hatten wir ueber den Generalmajor Guderian zudem Kontakt zur schwedischen Armee herstellen koennen, welche uns wiederum Kontakte in Schweden vermittelte. Diese Kontakte sollten dabei in der Lage sein Dinge zu „beschaffen“ welche wir zu beschaffen nicht in der Lage waren. Nach einer laengeren Ruecksprache mit dem Reichsfinanz- und dem Reichswirtschaftsministerium gelang es einen Handel vorzubereiten der beinahe vom Bevollmaechtigten des Vierjahresplanes, in Person des Herrn Goering, vereitelt wurde. Diesen hatten wir in unseren Bemuehungen naemlich straeflich uebergangen, was der ueberhaupt nicht schaetzte. Nur durch den persoenlichen Einsatz der Wehrmachtsfuehrung konnte Goering umgestimmt werden, sodass der Handel zu Stande kam. General Ludwig Beck sah nach dem Gespraech trotzdem nicht gerade gluecklich aus.

Bis zum 30. Juli 1936 gelang es uns das Problem zu loesen. Das deutsche Reich lieferte den spanischen Nationalisten 800.000 Tonnen Nachschub, wovon 350.000 Tonnen aus Schweden und Ungarn zugekauft wurden. Der Wehrmacht verblieb durch diesen Schritt nur ein Restbestand von 150.000 Tonnen Nachschub. Die Wehrmacht war durch diesen Schritt stark in ihrer Wehrfaehigkeit eingeschraenkt. Ueber das Reichswirtschaftsministerium und den Bevollmaechtigten des Vierjahresplanes wurde daher angeregt in uns wohlgesonnen Staaten weite Gueter einzuhandeln und nach Spanien weiter zu leiten. Unsere Hoffnung dabei war, das unsere heimischen Gueter durch diesen Schritt in der Heimat bleiben koennten. Was sollen wir mit Patronen aus Brasilien anfangen?

Achja, ganz nebenbei wurde ein Sonderstab „W“ gebildet welcher auf der Suche nach „Freiwilligen“ fuer den Einsatz in Spanien war. Eine freiwillige Meldung meinerseits wurde zurueckgewiesen. Man suchte eher nach Flugzeugpiloten und dazugehoerigem Bodenpersonal. Federfuehrend im Stab „W“ war das Reichsluftfahrtministerium.

10. September 1936, Argentinien, nach monatelangen Verhandlungen schließt Argentinien ein Buendnissabkommen mit Deutschland. Was wohl dahinter steckt?

29. September 1936, Spanien, Sevillia ist in die Haende der Republikaner gefallen. Somit wurde die gesamte Suedfront in Spanien eleminiert. Die Nordfront erstreckt sich von Saragossa bis Bilbao. Wie stark die Nationalisten dort sind ist nicht zu erfahren, allerdings draengt die Fuehrung der Wehrmacht auf ein Ende des spanischen Abenteuers. Dies wird von der Reichsregierung zurueck gewiesen, statt dessen gibt es Forderungen nach weiteren Materiallieferungen die wir dank unserer Netzwerke bis zum 2. Oktober 1936 erfuellen koennen.
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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon xxHyFoxx » 6. September 2012 21:57

7. Oktober 1936, China

Guangxi schließt Frieden mit der Kuomintang. Guangxi erleidet dabei nicht unerhebliche Gebietsverluste.

4. November 1936, USA

Nach oeffentlicher Bekanntmachung der Wahlkomission wird Franklin D. Roosevelt im Amt, und damit auch seine Politik des New Deal, bestaetigt. Damit beginnt seine zweite Amtszeit.

Unabhaengig davon sind von Biewalski und ich heute auf ein paar Unregelmaessigkeiten bei den Nachschubsdepot der Truppe gestossen. Bei oertlichen Kontrolle eines Nachschubdepots des Heeres in Vorpommern, wurden wir vom Standortkommandanten auf einen Haufen Belege von an- und abtransportierten Ausruestungsguetern, unter anderem Waffen, Munition und Verpflegung hingewiesen. Wir ließen uns eine Kopie der Ein- und Ausgabeliste mitgeben und glichen sie im Heerestruppenamt mit den vorhandenen Listen ab. Dabei wurde festgestellt das siebzig Prozent(!) der Materialbewegungen nicht an das Heerestruppenamt, geschweige denn an die Abteilung fuer Beschaffung und Nachschub, gemeldet worden waren.
Wir haben unsere Vorgesetzten ueber die Unregelmaessigkeiten in Kenntnis gesetzt und wurden damit beauftragt weitere Nachschubdepots zu pruefen.

10. Dezember 1936, Deutschland

Da wir bei unseren fortgesetzten Pruefungen zwar weitere Unregelmaessigkeiten feststellen, aber keine Verantwortlichen finden konnten, wurden wir durch uebergeordnete Stellen an die Abteilung „Abwehr“, deren Chef Konteradmiral Canaris war, verwiesen.
Unser Eintreffen ebenda wurde aber von sonderbaren Erscheinungen flankiert. Entgegen unserer Erwartungen begrueßte uns naemlich nicht der uebliche Bueromuff, sondern ein paar Leute mit ausgelassener Stimmung, Sektglaesern und einer kraeftigen Fahne. Als wir bei einer vorbeiziehenden Schreibkraft nachhakten was es denn zu feiern gebe, teilte uns diese mit einem charmanten Laecheln mit, das es der „Abwehr“ gelungen sei britische Blaupausen fuer einfache Flugzeugtraeger zu stehlen.

Bild

Von solch offener Arbeitsatmossphaere tief beeindruckt, deuteten von Biewalski und ich uns gegenseitig an, die „Abwehr“, wieder ueber das Treppenhaus zu verlassen. Zwei Etagen tiefer wurden wir dabei aber Zeugen einer lautstarken Konversation in der Gruppe III F. Irgendjemand groehlte etwas unflaetiges, bezeichnete seinen Gegenueber als “Nachschubsphantomjaeger“ und wurde anschließend lautstark des Raumes verweisen. Nachdem sich die Lage etwas beruhigt hatte entschlossen wir uns dem „Nachschubsphantomjaeger“ mal einen Besuch abzustatten, um heraus zu bekommen warum er so tituliert worden war.
Wir betraten anschließend ein Zimmer welches aussah als haette dort eine Bombe eingeschlagen. Ueberall waren Unterlagen auf dem Fußboden ausgebreitet, die Waende mit Notizen beheftet und auf dem Schreibtisch stapelten sich Aktenordner lustig in die Hoehe. Dahinter sahen wir eine zusammengekauerte Gestalt welche wir anhand ihrer Schulterstuecke als Feldwebel identifizierten. Noch ehe wir sie allerdings begrueßen konnten fuhr uns diese Person, mit hoch rotem Kopf und ueberschlagener Stimme, an. Auf uns ging ein wutgeladener Wortschwall nieder der allerdings, mit dem Moment wo der Mann den Dienstgradunterschied erkannte, zunehmend leiser und langsamer wurde. Irgendwann erstarb er dann ganz, sah uns noch einen Moment unsicher an, ehe er mit einem leisen: „Scheiße“ in seinen Sessel zurueck fiel.

Von Biewalski raeumte anschließend seelenruhig einen Ledersessel im Buero frei, nahm darauf Platz und begutachtete dann ein paar Papiere die hier umher lagen. Der Feldwebel Blechschmidt, so hieß der Mann, protestierte daraufhin leise weil diese Papiere ihn nichts angingen. Doch davon ungeruehrt ueberflog von Biewalski diese weiter und erwiderte hernach nur knapp: „Ich fuerchte doch.“
Ich ueberflog zwischenzeitlich ein paar der Wandnotizen und kam dabei zum gleichen Ergebnis wie von Biewalski. Feldwebel Blechschmidt beschaeftigte sich intensiv mit verschwundenen Nachschub und Ausruestungsgegenstaenden und war in diesem Augiasstall unser Mann. Wir horchten ihn also eine ganze Weile ab, was dieser wohl ziemlich schnell mitbekam, und entschlossen uns dann dazu ihn in unsere Erkenntnisse einzuweihen. Bei dem sich nun entwickelndem Gespraech wurde mir klar das der Mann keineswegs Phantome jagte. Bei seinen Untersuchungen hatte er klare Hinweise und Indizien fuer massive Hehlerei innerhalb des Nachschubsystems der Wehrmacht gefunden. Sein Problem war aber, aehnlich wie bei uns, das die Dinge einfach „verschwanden“. Es war ihm zwar gelungen Gueter teilweise bis zu den Zugnummern der Reichsbahn nachzuverfolgen, doch ebenda verschwanden die Zuege einfach ins nichts. Wir schlugen ihm daraufhin eine Projekt zum auffinden der Zuege vor, indem wir seine Hilfe benoetigen wuerden. Da ihm wirklich an der Sache gelegen war nahm er dieses Angebot unter einer Bedingung an, es durften keine weiteren Mitarbeiter der Abwehr in dieses Projekt eingeweiht werden, „da man das ganze sonst auch gleich auf das Dach des Hauses schreiben koenne“.
Wir stimmten vorbehaltlos zu.

11. Dezember 1936, Groß Britannien

Edward der VIII erklaert seinen Thronverzicht. Der lakonische Kommentar von Biewalski zu dieser Neuigkeit: „Deren Probleme moechte ich haben.“.

Deutschland

Aehnliches duerften sich wohl auch die Mitarbeiter des Sonderstabes „W“ denken. In Spanien hat sich die militaerische Lage sehr zu Ungunsten der Nationalisten gewandt. Die Front im Norden verlaeuft inzwischen nur noch von Ovideo bis La Coruna.
Als Reaktion darauf hat die Wehrmachtsfuehrung nochmals bei der Reichsregierung interveniert und auf ein Ende des spanischen Abenteuers gedraengt. Dies wurde nach heftigen Widerstand aus dem Reichsluftfahrtministerium und dem Sonderstab „W“ abgelehnt.

20. Dezember 1936, Deutschland

Durch die Abwehr haben wir erfahren das die Reichsregierung eine geheime Haushaltsperre verhaengt hat. Derweil nehmen die Unregelmaessigkeiten in den Nachschubdepots weiter zu. Unser Vertrauensmann im Nachschubdepot in Vorpommern berichtete zwischenzeitlich von erneuten Abtransporten, allerdings gelang es uns nicht die Zugnummern der Reichsbahn zuzuordnen. Es gab fuer diese Abtransporte auch keine Anzeige in unseren Ein- und Ausgangslisten. Aergert mich diese Ergebnislosigkeit doch sehr, so macht von Biewalski die Arbeit inzwischen richtig Spaß. Er hat eine Mitarbeiterin im Reichswirtschaftsministerium betoert und dort eine weitere Quelle angeworben. Von dort haben wir dann erfahren das auch Kohle- und Stahlvorraete spurlos auf Zuegen verschwunden sind. Feldwebel Blechschmidt prueft dies jetzt ebenfalls.
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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon xxHyFoxx » 8. September 2012 08:54

10. April 1937, Deutschland

In diesem Fruehjahr erreichte der Diebstahl von diversen Nachschubguetern und Kohle seinen Hoehepunkt, danach flaut das ganze mit einem Male ab. Blechschmidt hat derweil heraus bekommen dass, das Reichsluftfahrtministerium bei der Reichsbahn seit geraumer Zeit dafuer sorgt das Zugnummern aus den Listen gestrichen werden. Von da aus spannt sich dann ein Bogen zur Sondergruppe „W“. Offensichtlich wird von beiden Organisationen eine geheime Spanienhilfe zum Schaden der Wehrmacht und des deutschen Reiches betrieben. Dank diverser Zutraeger haben wir einen erheblichen Teil unserer Anschuldigungen inzwischen mit Fakten untermauern koennen und diese heute an das OKW weiter geleitet.

28. April 1937, Deutschland

Die Reichsregierung hat mit Japan und Italien den Antikominternpakt geschlossen.

3. Juni 1937, China – Japan

Nach einem Zwischenfall an der Marco Polo Bruecke erklaert Japan der Kuomintang/Nat.China den Krieg. Jetzt ist also das passiert was ich vorher schon befuerchtet habe. Ein lausiger Vorwand, viele Rohstoffe und eine verbesserte Infrastruktur zum Abtransport derselben haben Japan eine Versuchung geboten derer sie nicht widerstehen konnten. Fraglich ist ob die Kuomintang nun in der Lage ist diesen Krieg zu gewinnen. Den Zeitplan zur Aufruestung des Heeres haben die Japaner auf jeden Fall schon einmal durcheinander gewirbelt.

5. Juni 1937, Spanien – La Coruna, Straße: Juan Ficxer,

Die halbe Straße war nun schon in den Haenden der Republikaner die unter der Deckung eines sowjetischen T-26 Panzers weiter vorrueckten. Aber dieses Vordringen war teuer erkauft worden. Entlang der Straße lagen weit ueber dreißig Gefallene, wobei ein Großteil der Toten auf das Konto der Franzosen vom Battalion Jeanne d'Arc gehen duerfte. Diese hatten sich im großen Gebaeude, welches das Ende der Straße bildete verschanzt und somit ein sehr gutes Schussfeld. Allerdings war dieser Vorteil spaetestens seit dem Eingreifen des T-26 in die Kaempfe erheblich zusammen geschmolzen. Das staehlerne Ungetuem auf der Straße war fuer die Franzosen naemlich nahezu unverwundbar und dazu in der Lage sie mit seiner Feuerkraft nieder zu halten.

Ploetzlich war das dumpfe Grummeln der Artilleriegeschuetze zu hoehren und der deutsche Obergefreite Heinz Dengelmann, welcher sich in einem Gebaeude in der Mitte der Straße befand, machte sich so klein wie er nur konnte. Die Einschlaege kamen nur wenige Sekunden spaeter und die Mauern des Gebaeudes wankten bedrohlich unter den nahe liegenden Treffern, hielten aber stand. Feiner Staub wehte danach wie Schnee durch die zerstoerten Fenster in den Raum hinein und legte sich auf das Inventar. Alles sah jetzt ein bisschen aus als waere es mit Puderzucker zugedeckt worden. Der Obergefreite Dengelmann hatte dafuer aber kein Auge. Statt dessen wischte er sich kurz den Staub aus dem Gesicht und robbte anschließend zu der kleinen Oeffnung, unter dem Fenster zur Straße, hin um einen kurzen Blick auf die Straße zu erhaschen.
Der T-26 war sein Ziel, doch er musste enttaeuscht feststellen das dieser seit ca. fuenf Minuten keinen Meter mehr vorgerueckt war. Heinz zog seinen Taschenspiegel zurueck und kroch anschließend wieder zurueck in sein Versteck. Dort angekommen pruefte er noch einmal kurz seine Mauser und zaehlte die Munition durch die er noch besaß. Das war an und fuer sich sinnlos, weil er das in den letzten Minuten schon sechs oder sieben mal gemacht hatte, aber es half ihm sich zu beschaeftigen und zu beruhigen. Seine Gedanken schweiften kurz ab und er dachte ploetzlich an seine Eltern und an seine Freundin Ursula. Was zum Teufel hatte ihn nur geritten hierher zu fahren? Er hatte seinen Liebsten versprochen bald wieder da zu sein. Er wollte nur seine Wehrzeit verkuerzen, hoeheren Sold erhalten und auch ein bisschen Abenteuer erleben.

Doch das hier war kein Abenteuer mehr. Das war die Hoelle auf Erden und das in Quadratur. Dabei hoerte es sich damals so schoen einfach an. Er sollte nur Wachsoldat sein, Wachsoldat fuer die Flugzeuge der Legion Condor. Doch die hatten in dem Konflikt nie viel zu melden gehabt. Die deutschen Jaeger waren den sowjetischen I-16 Ratas nicht gewachsen und die Einsaetze mussten in sichere Bereiche verlegt, am Schluss sogar ganz abgebrochen werden. Modernere Flugzeugmuster waren zwar entwickelt und getestet, aber niemals in Serie produziert worden. Vom regulaeren Einsatz dieser Flugzeuge ganz zu schweigen. So waren die deutschen „Freiwilligen“ gezwungen von hinten dabei zusehen wie die Republikaner die Nationalisten zurueck warfen. Auch den wenigen Panzer I war es nicht besser ergangen. Sie erwiesen sich den T-26 als unterlegen und konnten selten effektiv in die Kaempfe eingreifen.

So wurden sie im Verlauf der Kaempfe bis nach La Coruna getrieben und nun, wo alles am Ende und verloren war, kaempften nur noch die „Freiwilligen“ und die Fanatiker. Die einen fuer ihr Leben, die anderen fuer ihre Ueberzeugung und die Ehre. Hier, in diesem Ort herrschte Endzeitstimmung.
Einfach aufgeben und hoffen das der Sturm vorrueber geht wahr aber auch keine Option. Was den „Freiwilligen“ bei der Kapitulation bluehte hatte man sich schon in den rosigsten Farben ausgemalt und die Republikaner trugen das ihre dazu bei dies zu bestaetigen. Nun ruhte seine letzte Hoffnung auf den deutschen Handelsschiffen im Hafen. Trotz der Bombardierung der Hafenanlagen loeschten diese immer noch ordnungsgemaeß ihre Ladung, hauptsaechlich Nahrungsmittel und Muntion, um im Anschluß alle moeglichen Rohstoffe an Bord zu nehmen. Wenn dann noch Platz war nahmen sie noch Verwundete auf, von einer generellen Evakuierung hatte man bisher aber abgesehen. Auf was warteten die denn noch?

Kettenrasseln... der Hafen, der letzte Fluchtpunkt... ging es Heinz durch den Kopf... Kettenrasseln ... Kettenrasseln? Der T-26, schoss es Dengelnmann durch den Kopf. Er hastete aus seinem Versteck, warf sich auf den Boden und kam kurz vor der Maueroeffnung zum stehen, ein kurzer Blick mit dem Taschenspiegel und tatsaechlich, der T-26 rollte die Straße hinauf. Das war seine Chance, eine zweite gab es nicht. Dengelmann richtete sich auf und verließ das Zimmer in Richtung des Flures. Dort stieß er nach zwei Schritten im Halbdunkeln mit etwas harten zusammen und viel der Laenge nach hin. Er vernahm eine fluchende Stimme neben sich: „Gowna, Pjotr...“, russisch, haemmerte es durch seinen Schaedel und er griff instinktiv nach seinem Klappspaten. Im naechsten Moment stand er schon und schlug sofort zu, traf irgendetwas festes, riss sich los und holte erneut aus. Ein markerschuetternder Schrei gellte auf und wieder schlug Dengelmann zu, nochmal, nochmal, nochmal... „hoer doch auf zu Schreien du Idiot“ dachte Dengelmann waerend seine Hiebe auf das unbekannte Opfer nieder prasselten. Ploetzlich ging eine Tuer nur einen Meter vor ihm auf und in ihr stand ein republikanisch uniformierter Soldat. Dieser schien noch gar nicht zu realisieren was er dort vor sich sah und zoegerte einen Moment in seinem Handeln.
Einen Moment zu lange, denn Dengelmann stuerzte sich stumm mit seinem Klappspaten auf den Soldaten. Dieser konnte dem Hieb zwar ausweichen wurden aber mit Heinz zu Boden gerissen. Im Zuge dessen ließ der Republikaner seine Waffe los und diese fiel krachend zu Boden, wobei sich ein Schuss loeste. Ungeruehrt davon rangen Heinz und der Republikaner um den Klappspaten. Der Republikaner klammerte sich mit beiden Haenden an dem Griff des Klappspatens und da Heinz nichts dagegen auszurichten vermochte, ließ er den Klappspaten ploetzlich los nur um dann seine beiden Faeuste in den Brustkorb des Soldatens zu rammen. Dies keuchte unter dem Hieb auf und loeste seine Umklammerung des Klappspatens. Ohne zu zoegern ergriff Heinz daraufhin irgendetwas was neben ihm lag und schlug sofort zu. Splitternd zerbrach eine Porzellanlampe im Gesicht des Republikaners und erst jetzt konnte Heinz sich von ihm loesen und richtete sich zur gaenze auf. Einen Moment lang wollte er dem Wehrlosen in das Gesicht treten doch dann fiel ihm die zweite Person im Flur wieder ein und er wirbelte herum. Aber ebenda lag nur ein toter Soldat, ohne Unterschenkel, in einer Blutlache, und dessen Kopf durch etwas in Stuecke gerissen worden war.

„Wir muessen alle Wahnsinnig sein.“ dachte der Obergefreite und hoerte hinter sich dann ein schlurfen. Der verletzte Soldat hatte sich halb aufgerichtet und taumelte in Richtung des Fensters. „Dem geb ich den Gnadenschuss...“ dachte Dengelmann nur um dann festzustellen das seine Mauser noch im Flur liegen musste. Er stuerzte aus dem Raum, griff in der Blutlache nach seiner Mauser und sah dann die geballte Ladung im anderen Ende des Flures. Die Republikaner hatten Sie also schon gefunden und der Panzer war ja auch noch da. Nach nur kurzem Zoegern ergriff er die Ladung und ging zurueck in das Zimmer mit seinem Versteck. Er naeherte sich langsam dem Fenster und erspaehte dann den T-26 Panzer welcher nur noch 10 Meter von ihm entfernt war und langsam weiter rollte. Aus dem Augenwinkel konnte er noch erkennen wie etwas, oder jemand, ein Zimmer weiter aus dem Fenster fiel und dumpf auf dem Straßenpflaster aufschlug. Doch ihm blieb keine Zeit mehr, er entsicherte die geballte Ladung und schleuderte diesen dann auf die Straße nur um selber in Richtung des Treppenhauses zu stuerzen.

...

Fuer die republikanischen Soldaten, welche in der Deckung des Panzers vorrueckten war alles zu spaet. Sie hatte nicht mitbekommen wie einer der Ihren und ein weiterer Gegenstand aus einem Fenster viel. Der Panzerbesatzung erging es nicht besser und so rollte das staehlerne Ungetuem ueber den besagten Gegenstand ehe es zur donnernden Explosion kam. Ungezaehlte Splitter wirbelten durch die Luft und zerfetzten den folgenden Soldaten die Beine. Schreie gellten die Straße entlang und ueber allem bildete sich erneut eine enorme Staubwolke die den sonstigen Beteiligten die Sicht auf das Geschehen nahm. Eine weitere Explosion wenige Sekunden darauf machte dann klar das der Panzer mit Erfolg vernichtet worden war. Diese Explosion war naemlich auf die in Brand geratene Panzermunition zurueck zu fuehren.

...

Dengelmann war durch die Wucht der ersten Explosion zu Boden gegangen, richtete sich stumm wieder auf und stob anschließend die Treppe in Richtung des Erdgeschosses hinab. Er musste raus aus dem Haus denn er wusste nicht wie weit die Republikaner schon vorgerueckt waren. Vielleicht war er schon der Letzte in dieser Straße? Er erreichte das Erdgeschoss und konnte einen Blick auf den Panzer in der Eingangstuere erhaschen. Verbogenes und loechriges Metall bog sich in alle Richtungen und Flammen brachen aus dem inneren hervor. Er rannte in Richtung des Panzers, erreichte den Vordereingang und stellte fest das die Straße in weißem Staub eingehuellt war. „Jetzt oder nie!“
Heinz stuerzte aus dem Eingang und rannte in Richtung des Gebaeudes in dem die Franzosen sich verschanzt hatten, doch da war kein Gebaeude mehr. Er konnte in all dem Staub nur die Reste einer Fassade ausmachen durch dessen Fenster ihn der Himmel entgegen leuchtete. Doch das loeste in ihm keine andere Reaktion aus. Unablaessig rannte er weiter die Straße entlang, als ihn die Druckwelle der zweite Explosion zu Boden riss. Er wurde die Straße entlang geschleudert, kollidierte mir Gegenstaenden und blieb schließlich liegen. Der Versuch sich aufzurichten scheiterte, der zweite ebenfalls. Der Koerper des Obergefreiten gehorchte ihm nicht mehr, doch sein Gehirn trommelte unablaessig weiter den Befehl aufzustehen durch seine Gedanken. Er versuchte sich umzusehen und aufzustehen, doch es gelang ihm nicht. Alles was er sah war eine alte, sich rot einfaerbende Zeitung, unter seinem Kopf und dieser eine Satz in Großbuchstaben.

„The guilty have no pride!“

Ihm wurde schwarz vor Augen und zum ersten Mal nahm er wieder die Kampfgeraeusche war welche die Luft erfuellten. MG-Feuer, Gewehre, Granaten ein riesiges Abenteuer und du bist dabei. Irgendwoher drang eine Frauenstimme und rief seinen Vornamen: „Heinz... Heinz... Heinz...“

7. Juni 1937, Deutschland

In verschiedenen Zeitungen wurde bekannt gegeben das die Republikaner den spanischen Buergerkieg gewonnen haben. Die Reichsregierung werde mit der spanischen Regierung in Verhandlungen treten um den Verbleib der deutschen Freiwilligen, welche auf Seiten der Nationalisten gefochten haben, in Erfahrung zu bringen.

2. Juli 1937, China

Die Japaner sind durch Shanxi nach China vorgestossen und stuerzten dort die Regierung. Die verbleibenden Gebiete Shanxi's wurde durch die Kuomintang besetzt.
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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon xxHyFoxx » 16. September 2012 20:35

3. Juli 1937, Deutschland

Ich wurde heute meines Postens enthoben. Unsere geheim gefuehrten Ermittlungen bezueglich der verschwundenen Nachschubsgueter und Rohstoffe sei nicht dass, was man von Offizieren erwartet die in der Abteilung Beschaffung und Nachschub arbeiten. Ist das allein schon eine harte und unerwartete Maßnahme, so muss ich mit noch groeßerem Missfallen zur Kenntnis nehmen das mein Freund Biewalski nicht nur auch seines Postens enthoben wurde, sondern gleich noch eine Degradierung oben drauf bekam. Ursaechlich hierfuer war seine Ermittlungs und Konspirationsarbeit in anderen Ministerien plus der Tatsache das er sich Standhaft weigerte Namen zu nennen. Nun ist er wieder Major.
Unseren Feldwebel Blechschmidt in der Abwehr hat es selbstverstaendlich auch erwischt. Er verlor seinen Posten in der Abwehr und wurde zur einer Instandsetzungsabteilung der 1. Panzer-Division versetzt.

Mit diesen Maßnahmen ist die Sache allerdings noch nicht durchgestanden. Man hat mich darueber informiert das ich am 5. Juli 1937 bei der Heeresleistung zu erscheinen habe.

5. Juli 1937, Deutschland

Im Beisein des frisch gebackenen Marschalls Hermann Goering, welcher die Katastrophe der deutschen Legion Condor im Gegensatz zu unseren Soldaten wohl recht gut verkraftet hat, und dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht wurden von Biewalksi und ich von dem Chef der Abteilung Beschaffung und Nachschub persoenlich zusammen gestaucht. Hauptsaechlich warf er uns vor Mittel der Wehrmacht zweckentfremdet und falsch eingesetzt zu haben. Streng genommen konnte ich dem nicht einmal widersprechen, aber die Tatsache das unser Chef das Treiben zuvor ausdruecklich gebilligt hatte trieb meinen Blutdruck schon in die Hoehe. Aber so ist das eben bei uns Deutschen. Heiliger Sankt Florian zuend das Haus vom Nachbarn an.
Danach meldete sich der Adlatus von Hermann Goering zu Wort, ließ das militaerische trotz seiner Uniform voellig außen vor und warf uns vor eine Intrige gegen den Marschall geplant zu haben. Was wir von dieser Intrige haben sollen verschwieg der gute Mann aber. Goering selber schien mit seinem Mann allerdings sehr zufrieden zu sein und verließ nach der Degradierung von Biewalski mit seinen Mannen den Raum. Anschließend wurde das Procedere noch bis zum Ende durchgezogen.

Gerade als man im Begriff war die Veranstaltung zu beenden ergriff ich aber noch einmal das Wort und erklaerte das ich nicht bereit sei nochmal in der Abteilung fuer Beschaffung und Nachschub Dienst zu tun. Es gebe kein Vertrauensverhaeltnis zwischen mir und meinen Vorgesetztem und so man mich ohnehin nicht aus der Wehrmacht entlaesst, so wuerde ich zurueck in die deutsche Militaermission in China gehen wollen. Dort koenne ich mehr erreichen und habe es zudem mit Leuten zu tun die zu ihrem Wort stuenden.
Noch ehe sich dann die Empoerung ueber mich ergießen konnte griff von Fritsch kurz ein und erklaerte knapp das ueber meine „Weiterverwendung“ schon laengst entschieden worden seie. Die Tonlage machte klar das sich hinter dieser Formulierung nichts angenehmes versteckt.

7. Juli 1937, Deutschland

Ich hatte heute Nacht einen Alptraum. Ich habe getraeumt das die Welt untergeht. Als ich aufwachte war es noch viel schlimmer, sie stand ja noch! Dazu habe ich heute erfahren das man mich in die Abteilung Abwehr, Amtsgruppe Ausland, Abteilung. I: Militärpolitische Unterrichtung versetzt hat. Ausgerechnet die Abwehr! Diesen Lampenladen konnte ich schon bei meinem ersten Besuch nicht ausstehen.
Aber es hilft ja nichts, mein neuer Chef heißt folglich Konteradmiral Wilhelm Canaris. Antreten muss ich am 1. August 1937, daher entschließe ich mich dazu ein paar Tage Berlin zu verlassen und nach Stralsund zurueck zu kehren.

1. August 1937, Deutschland

Man hat an wirklich alles getan um mir die Sache so unangenehm wie moeglich zu machen. Mein Buero liegt im Kellergeschoss, am Ende des letzten Ganges und ist ein Raum ohne Fenster. Dazu habe ich noch jemanden mit im Buero der Hausintern als besonders uebellaunig gilt.
Beim Betreten meines Bueros furzte mich sogleich eine Stimme an: „Tuer zu! Es kommt frische Luft rein!“. Zu meiner persoenlichen Aufheiterung durfte ich allerdings feststellen das mir der Besitzer dieser Stimme wohl bekannt war. Es ist kein Geringerer als von Biewalski!
„Was laest den Herrn Major erwarten das ich die Tuere schließe?“ gab ich ihm daher im Scherz sofort contra, doch die Antwort war eben so bissig wie versoehnlich: „Ich bin hier Stubenaeltester!“. Danach folgte eine freudige Begrueßung mit einer kurzen Erklaerung bezueglich unserer weiteren Taetigkeit. Wir sollen die Dossiers fuer das OKW noch einmal Korrektur lesen. Wir beide sind uns einig das dies eine Strafversetzung ist.

Aber warum sollen wir uns allein graemen? Nach dem Motto geteiltes Leid ist halbes Leid ging Biewalski schon bald ans Telefon und brachte nachrangige Abteilungen auf Trab. Er forderte zu unseren ersten Dossiers eine Reihe von Unterlagen ab die wir so nach und nach sogar bekamen. Politische Protokolle sind genauso darunter wie Informationen ueber den Chinesisch-Japanischen Krieg. Unsere anfaengliche Enttaeuschung wich alsbald einer geschaeftigen Betaetigung, da wir fast unbegrenzten Zugang zu allen Informationsbereichen bekommen. Die Korrekturleserei betreiben wir daher nur noch nebenher. Ich nenne unsere Beschaeftigung jetzt nur noch „bezahlten Bildungsurlaub“.

21. September 1937, Deutschland

Einer der Helden des ersten Weltkrieges, General Erich Ludendorff erlag heute einem Krebsleiden. Von der Reichsregierung wurde eine dreitaetige Staatstrauer angeordnet.

30. Oktober 1937, Deutschland

Der Abteilung Abwehr, Abteilung I: Geheimer Meldedienst (Auslandsspionage), gelang heute ein Coup gegen Groß Britannien. Es konnten Teile der britischen Heeresanweisungen entwendet werden. Ich stelle dafuer ein Dossier zusammen und beschaeftige mich eingehend mit den Unterlagen. (Massenangriffsdoktrin)

10. November 1937, Deutschland

Erneuter Erfolg der Abwehr, Abteilung I. Es konnten Konstruktions- und Einsatzplaene fuer Flugzeugtraeger aus Groß Britannien entwendet werden. (frueher Flugzeugtraeger)

21. November 1937, Deutschland

Die Abteilung I wird mir unheimlich. Es wurden Konstruktionsplaene von einem neuen englischen Flugzeugtyp erbeutet. (einfacher Mehrzweckjaeger)

Weiterhin schließt die Reichsregierung mit der schwedischen Regierung einen Nichtangriffspakt.

10. Dezember 1937, Deutschland

Abteilung I ist wieder erfolgreich. Ein Teil er amerikanischen Heeresanweisung konnte entwendet werden. Ich habe mich eingehend damit beschaeftigt und muss feststellen das ein Teil der Fuehrungsanweisungen fast wortgleich mit den deutschen Fuehrungsanweisungen ist. Habe diesbezueglich das Dossier ergaenzt und die Abteilung III informiert. Die Amerikaner scheinen auf eine sehr zentralistische Armeefuehrung zu bauen. (Feuerkraft Fokus Doktrin)

20. Dezember 1937, Deutschland

Wieder die Abteilung I, diesmal gelang ihnen ein Doppelschlag gegen Frankreich und Amerika. Erneut gelang es Teile der Heeresanweisungen zu entwenden. (Schlachtflotten Konzentration, Verzoegerungsdoktrin)
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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon xxHyFoxx » 16. September 2012 21:38

9. Januar 1938, Deutschland

Der Verteidigungsminister Generalfeldmarschall Blomberg wurde beinahe Opfer einer Intrige seitens Marschall Goerings. Allerdings hat irgendjemand Blomberg ein Dossier zugespielt ueber die Aktivitaeten Hermann Goerings im spanischen Buergerkrieg. Die Schnueffelversuche seitens der GeStaPo im Privatleben Blombergs konnten sich daher nicht so recht entfalten. Generalfeldmarschall Blomberg trat trotzdem aus „gesundheitlichen Gruenden“ vom Amt des Verteidigungsministers zurueck. Neuer Verteidigungsminister ist Hjalmar Schacht.

10. Januar 1938, Deutschland

Abteilung I gelingt es aus Groß Britannien militaerische Aufmarschplaene zu entwenden. (Vorhandene Flotte Doktrin)

20. Januar 1938, Deutschland

Was braucht man zur U-Boot bekaempfung? Zerstoerer. Wo bekommt man neue Plaene fuer Zerstoerer her? Aus Groß Britannien. Wer hat sie besorgt? Die Abteilung I. (Einfacher Zerstoerer)

1. Februar 1938, Deutschland – Japan – China

Japan draengt Deutschland zur diplomatischen Anerkennung Manchukos und auf ein Ende der deutschen Militaermission in China. Die Reichsregierung lehnt dies ab. Ein entsprechendes Dossier als Entscheidungsgrundlage ging durch meine Haende. Die Lage fuer die Kuomintang ist ziemlich angespannt.

(Anmerkung: Bild ist floeten)

Ein weiteres Dossier ist zudem auf meinem Tisch gelandet. Es beschaeftigt sich mit der allgemeinen Lage in Europa, der wirtschaftlichen Leistungsfaehigkeit der europaeischen Staaten und Deutschland. Dazu ein weiteres Dossier ueber die militaerische Staerke Deutschlands und seines Verbuendeten Argentiniens. Deutscherseits hat sich da aber seit Jahren nichts mehr veraendert. Nur die Nachschublage in Deutschland scheint sich stabilisiert zu haben.

(Anmerkung: Bild ist floeten)

8. Februar 1938, Deutschland

Der Oberbefehlshaber der Wehrmacht von Fritsch ist von Seiten der Abwehr auf einen moeglichen Komplott der Reichsregierung und der GeStaPo hingewiesen worden. Noch erstaunlicher ist das der alte Preuße sich tatsaechlich bewegt hat, naemlich zum Reichskanzler. Offensichtlich wollte man dem OB die Schuld fuer das Debakel der Legion Condor in die Schuhe schieben und ihn persoenlich diskreditieren. Seit dem Treffen verhaelt sich die GeStaPo sehr ruhig und auch die Kritik aus der Reichsregierung ist verstummt.

10. Februar 1938, Deutschland

Von Biewalski und ich muessen in den naechsten Wochen keine Korrektur mehr lesen sondern sind stattdessen mit der Auswertung der franzoesischen Aufmarschplaene am Westwall beauftragt worden. Auf Basis dieser Auswertung sollen wir dann ein Dossier mit entsprechenden Verteidigungsempfehlungen erstellen. In der Abteilung I feixt man derweil ueber unsere neue Aufgabe. (Grabenkriegsdoktrin von FRA)

12. Februar 1938, Deutschland – Österreich

Der oesterreichische Bundeskanzler Schuschnigg trifft sich mit dem deutschen Reichskanzler und Teilen der Reichsfuehrung auf dem Obersalzberg. Geruechten zufolge, und davon gibt es in der Abwehr viele, soll es wieder um eine moegliche Aufhebung des Parteiverbotes fuer die oesterreichischen Nationalsozialisten und ihre Einbindung in die Regierung gehen. Oder um einen moeglichen Anschluss Oesterreichs an das Reich.

Aber was sind Geruechte ohne Beweise? Mir sind bisher keine Plaene fuer einen moeglichen Anschluss in die Haende gekommen. Eine solche Aktion muesste militaerisch, einmal in Oesterreich selber und auch an der Westgrenze gedeckt werden. Dafuer ist die deutsche Wehrmacht aber nicht geruestet, weder Qualitativ noch Quantivativ. Selbst die Lehren, die man aus dem missglueckten Spanien-Abenteuer gezogen hatte waren noch nicht umgesetzt worden. Noch immer ist der Standard Bomber der Luftwaffe die JU 52 und noch immer ist der Standardjaeger der deutschen Luftwaffe die Heinkel HE 51, obwohl sich gezeigt hatte das diese Flugzeuge den modernen sowjetischen Flugzeugmustern nicht gewachsen waren.

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Bei den Panzerstreitkraeften sieht es genauso finster aus. Die deutschen Panzer I waren in der Panzerschlacht bei Santiago de Compostella nicht in der Lage die T-26 Panzer der Republikaner aufzuhalten. Weder konnte die Panzerung ueberzeugen noch die Hauptwaffe des Panzers. Der Reichskanzler machte, in einer Rede nach der Katastrophe der Legion Condor, der Wehrmachtsfuehrung das Versprechen innerhalb eines Jahres die Wehrkraft der Wehrmacht massiv zu erhoehen. Dazu sollten umfangreiche Geldmittel und Industriekapazitaeten in die Aufruestung der Wehrmacht gesteckt werden.
Dort kommentierte man das ganze mit einem Schiller Zitat: „Stets ist die Rede kecker als die Tat.“ denn zu oft ist man von den Zusagen der Reichsregierungen enttaeuscht worden.

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Die Aufruestung ist bis heute ausgeblieben, allerdings muss man zur Ehrenrettung der Reichsregierung sagen, das zumindest die Entwicklung neuer Waffen voran getrieben worden ist. Nur mit imaginaeren Waffen kann keiner kaempfen.

16. Februar 1938, Oesterreich

Arthur Seyß-Inquart ist in Oesterreich zum Innenminister ernannt worden.

2. Maerz 1938, Sowjetunion

Einige markante politische Persoenlichkeiten und Generaele sind verschwunden. Die Abteilung Abwehr kann nur Fragmente zusammen setzten, denn auch unsere Quellen sind versiegt. Das Botschaftspersonal aus Moskau hingegen meldet eine Art „Grosse Saeuberung“.

9. Maerz 1938, Oesterreich

Bundeskanzler Schuschnigg hat fuer den 13. Maerz 1938 eine Volksabstimmung ueber die Unabhaengigkeit Oesterreichs anberaumt. Unsere Reichsregierung fuehlt sich brueskiert und beginnt massiven Druck auf Schuschnigg auszuueben.

11. Maerz 1938, Oesterreich

Bundeskanzler Schuschnigg bricht die Vorbereitungen fuer die Volksabstimmung ab und tritt daraufhin zugunsten Arthur Seyß-Inquarts zurueck. Die militaerischen Mitarbeiter der Abteilung Abwehr muessen in Bereitschaftsraeumen im Hauptquartier verbleiben. Offensichtlich trifft das auch auf andere Abteilungen zu.

Abteilung I scheint von den Wirren nicht betroffen zu sein und vermeldet den erfolgreichen Diebstahl von Einsatzplaenen fuer die taktischen Bomberstreitkraefte der Amerikaner. Was verstehen die unter taktischen Bombern? (Beschuss Doktrin)

12. Maerz 1938, Deutschland

„Unternehmen Otto“ ist ausgeloest worden. Vier Divisionen unter dem Kommando von Generaloberst Ritter von Epp, bewegen sich auf die Oesterreichische Grenze zu und ueberschreiten diese an mehreren Punkten. An der Westgrenze wurden keine Divisionen mobilisiert. Allerdings sind ueber Berlin permanent Jagdflugzeuge am Himmel.

1. April 1938, Deutschland

Die Reichsregierung vollzieht offiziell den Anschluss der Ostmark an das deutsche Reich. Aus dem Westen kommt nur maeßige Kritik. Einzig Mexiko verurteilt im Voelkerbund das deutsche Handeln. Die Reichsregierung hat fuer den 10. April 1938 eine Volksabstimmung ueber den Anschluß Oesterreichs an das deutsche Reich angesetzt. In den Medien wird jetzt rund um die Uhr Stimmung fuer einen Anschluß Oesterreichs gemacht und es werden Wahlzettel gedruckt die, wie ich finde, ein etwas seltsame Optik haben.

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Die Ausgangssperre fuer alle Mitarbeiter im Hauptquartier ist aufgehoben worden, allerdings schlafen die meisten Mitarbeiter trotzdem in den Raeumen, weil wir jetzt vor der Mammutaufgabe stehen eine komplette Wehrmacht in die Bestehende zu integrieren.

Das oesterreichische Wehrmacht besteht aus 15 Infanterie Divisionen mit moderner Ausruestung, einer Gebirgsjaeger- und Kavalleriedivision. Dazu kommt noch ein voll ausgeruestetes bewegliches Hauptquartier und ein Geschwader Bomber von modernerem Typ Dornier Do 17 F, mit Begleitflugzeugen vom Typ BF Me 110, von denen ein zweites in der Aufstellung begriffen ist.
Die Aufstellung von vier weiteren Infanterie Divisionen wird von der Wehrmacht uebernommen.

Bild

Als letztes ist zu vermelden das die Reichsregierung in Argentinien ein komplettes Geschwader Abfangjaeger vom Typ ME BF 109 D gekauft hat. In Berlin werden derzeit Piloten ausgebildet welche die Maschinen spaeter fliegen sollen.

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10. April 1938, Deutschland

Die deutsche und oesterreichische Bevoelkerung stimmen dem Anschluss der Ostmark zu.

30. April 1938, Deutschland

Die Abteilung I hat wieder zugeschlagen. Die USA trennen sich von einem weiteren Teil ihrer Flottendoktrin. (Stuetzpunkt Angriffsdoktrin)

29. Mai 1938, Japan – China – Menguko

Japan erschafft im Norden Chinas eine neue Marionette, den Staat Menguko. Einen militaerischen Durchbruch koennen die Japaner damit allerdings nicht verzeichnen.

30. Mai 1938, Deutschland

Mir ist jetzt klar was die Amerikaner unter taktischen Bombern verstehen. Aus Groß Britannien hat die Abteilung I Plaene von strategischen 4 mot. Bombern besorgt, die an Zuladung alles bisher dagewesene uebertreffen. (einfacher strategischer Bomber)

9. Juni 1938, Deutschland

Aufgrund der Enttaeuschung der Wehrmachtsfuehrung durch die Reichsregierung in Punkto der versprochenen Aufruestung, versucht man die Schwaeche der deutschen Wehrmacht durch eine neue Gefechtsfeldtaktik zu kompensieren. Generalmajor Guderian hat der Wehrmachtsfuehrung dahingehend ein neues Konzept vorgestellt das auf Schwerpunktkonzentrierung basiert und mittels gepanzerter Streitkraefte und Zusammenwirkung der Luftwaffe einen Frontdurchbruch mit anschließender Tiefeninfiltration vorsieht. Jetzt brauchen wir nur noch gepanzerte Streitkraefte und eine Luftwaffe.

27. Juni 1938, Deutschland

Unter Verwendnung der amerikanischen Vorlage der Einsatzplaene fuer taktische Bomber hat die deutsche Luftwaffe ein eigenes Konzept entwickelt, das sich besonders in der Einsatzfuehrung stark von dem amerikanischen unterscheidet. (Beschuss Doktrin)

30. Juni 1938, Deutschland

Die Abteilung I hat Einsatzanweisungen fuer taktische Bomber der englischen Flugstreitkraefte besorgt, welche sofort der Luftwaffe zur Verfuegung gestellt wurden. (Schlachtfeld Abriegelungsdoktrin)

10. Juli 1938, Deutschland

Die Abteilung I hat einen neuen englischen Panzertyp identifiziert und entsprechende Plaene besorgt. (verbesserter leichter Panzer)

Weiterhin kam heute erneut ein Dossier ueber die Staerke der Wehrmacht und der argentinischen Streitkraefte auf den Tisch. Dazu die Meldungen von Falkenhayns ueber den Kriegsverlauf in China.

(Anmerkung: Bilder sind floeten)
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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon xxHyFoxx » 24. September 2012 20:18

Von Biewalski ist heute nicht zum Dienstantritt erschienen. Das ist fuerwahr sehr ungewoehnlich und widerspricht seinem Pflichtverstaendnis zu tiefst, aber es beschaeftigt mich doch nur nebenbei. Zu meiner eigenen Schande muss ich gestehen, das all meine Kraft nur fuer mich selber reicht. Fuer mich und die ganzen elendigen Buecher die gelesen werden wollen. Ich lese ohnehin schon viel zu viel. Kaum vorstellbar das es sowas gibt, aber ich komme deswegen abends zu spaet zu Bett und morgens nur unter zuhilfename von drei Weckern aus den Federn. Lesen ist in den letzten Monaten zum Hauptinhalt in meinem Leben geworden und ich verliere in gleichem Maße die Faehigkeit dieses einigermaßen zu organisieren. Mein Zimmer in der Mietskaserne wuerde jeden Gefreiten einen ordentlichen Anschiss mit anschließender Urlaubssperre bescheren. Es liegt Schriftverkehr ungeordnet umher, dazu Kleidungsstuecke und oben drauf, dazwischen und untendrunter Buecher, Buecher und nochmals Buecher.

Seit um Seit lese ich mir durch, quaele mich durch ellenlange Elaborate und doch: „Was nutzt die Weisheit wenn sie keine Kraft gibt?“.
Durch die Leserei und die neuen Gedanken wird das Bild nicht klarer. Statt klarer Entscheidungen, also einem „Ja“ oder „Nein“, bin ich nur noch in der Lage ein schwammiges „Vielleicht“, „Eventuell“ oder „unter Beruecksichtigung der Umstaende...“ abzugeben. Auf jede neue gewonnene Erkenntniss folgen drei neue Zweifel die mich in der Entscheidungsfindung behindern.
Unter diesem Einfluss neuer Gedanken beginne ich die wichtigste militaerische Faehigkeit zu verlieren. Die Faehigkeit zu fuehren. Wie soll ich mir unterstellte Soldaten begeistern, zu herausragenden Leistungen ermutigen, wenn ich mich selbst nicht mehr von etwas ueberzeugen kann?

Was habe ich ueber die Amerikaner gelacht, ihre Rankings, ihre Auswahlverfahren und ihr bestreben nur Hochgebildete in den Offiziersrang zu erheben. Nichts gegen Hochgebildete, nur sind diese oft anfaellig fuer Zweifel. Wo sie Zaudern und Zagen treffen Menschen mit Erfahrung, mit Begabung und Mut wie Clausewitz es nannte, eine Entscheidung. Noch ehe der Hochgebildete seine Berechnungen zu Ende gebracht, das fuer und wieder einer Option zu Ende gedacht hat, wurde durch einen Menschen mit Begabung, Faehigkeit und Mut eine Entscheidung getroffen, die dem hochgebildeten Offizier, der saemtliche Fehlentscheidungen wichtiger Schlachten der letzten 100 Jahre rekapitulieren kann, eine neue Ausgangslage aufzwingt.
Der hochgebildete Offizier wird durch Entschlossenheit und Mut der gegnerischen Seite in einen Ohnmaechtigen verwandelt der hilflos dem eigentlichen Geschehen hinterher rechnet. Man beschaeftigt sich mit der Vergangenheit, wohingegen andere mit Mut und Selbstvertrauen die Zukunft gestalten.

Und genauso fuehle ich mich derzeit, mit Ausnahme der Tatsache das ich nicht hochgebildet bin. Ich komme mit der Masse der Informationen die auf mich einschlagen nicht mehr klar. Es gelingt mir nicht mehr das Unwichtige vom Wichtigen zu trennen. Alles haengt mit allem zusammen und gerade diese Erkentniss hindert mich daran die einfachen Antworten zu geben. Ich wuerde einen Zuhoehrer mit persoenlichen Erkentnissen, Umwegen ueber Fallbeispiele und vergleichbarem erschlagen anstatt klar und praezise zu Antworten. Ich benehme mich wie ein verdammter Demokrat! Stets um eine Entscheidung verlegen!

Da haetten wir nun den Bogen zur Politik geschlagen, denn damit fing alles Unglueck an. Generaloberst Von Seeckt wusste sehr genau warum er die Reichswehr unpolitisch hielt. Er vermied das sich die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften im politischem Wirrwarr zerrieben. Die Reichswehr wurde unsere Heimat, nicht die Weimarer Republik. Was konnte uns diese schon bieten?
Parteiengezaenk, ungezuegelten Kapitalismus, die willentliche Zertruemmerung des sozialen Gefueges, ausufernde Medienhetze und ein politisches Personal das jeder Beschreibung spottet. Weh uns, immer waren es die selben Ungluecksraben die ueber das Wohl und Wehe des deutschen Volkes entschieden. Der einfache Bueger wurde von den politischen Fuehrern beschimpft und zum Dank dafuer war er noch nicht einmal in der Lage die Unfaehigen aus ihren Aemtern zu waehlen. Die Unfaehigen standen ja schließlich wieder auf den Listen ihrer Parteien. Alles dreht sich wie in einem Karussell und man selbst saß hilflos in einer Gondel, mit einem Programm das man weder mochte noch bestellt hatte und konnte das ganze einfach nicht anhalten. Die Folge daraus? Erst Zorn, dann Wut, richtige Wut die anfing sich ihre Ventile zu suchen.
Gewiss die politischen Morde sind auch nur Morde und juristisch nicht zu entschuldigen. Aber fuer den Erkennenden, der in bebendem Zorn ohnmaechtig mit ansehen muss wie sein Land, sein Volk und seine Nation ruecksichtlos vor die Wand gefahren werden, weil die Unfaehigen sich aus ihren persoenlichen Kleinkriegen heraus staendig gegenseitig in den Arm fielen, dem mag der Griff zur Waffe als probates Mittel erschienen sein die Unfaehigen zu beseitigen. Vielleicht als das Einzigste.
Was nutzt ein ellenlanger Redetext wenn sich 10 Gramm Blei auf deinen Kopf zubewegen?

Mit stiller Sehnsucht blicke ich auf das Kaiserreich zurueck. Wenn die Demokraten genug in ihren Parlamenten geschwaetzt hatten und mal wieder zu keiner Einigung fanden, fiel der Kaiser eine Entscheidung. Zack, da geht’s lang!
Er fuehrte, er besaß die Faehigkeit, den Mut und die Popularitaet zu fuehren. Ob er dabei immer die richtigen Entscheidungen traf ist dabei nicht von Relevanz. Hauptsache ist, das er Entscheidungen auf Grundlage der ihm zur Verfuegung stehenden Informationen traf.
Im nach hinein kann man immer klug einherschwaetzen, wie man was haette wann tun koennen. Das haben unsere Demokraten auch zur genuege getan, ohne dabei die begrenzte Anzahl an Informationen zu beruecksichtigen und ohne zu beruecksichtigen das sie es ohnehin nicht besser koennten. Denn statt Entscheidungen kam am Ende bei Ihnen nur noch unfoermiger Brei heraus. Den Eimer her, ich muss kotzen!

Das hat die Nationalsozialisten an die Macht gebracht. Die Unfaehigkeit der Demokraten gepaart mit der Faehigkeit der Nationalsozialisten zu fuehren.
Hierfuer seie der Elsäßer Julius Leber (SPD) mein Zeuge. Zitat:
"Die alte SPD (...) hatte die Kunst der großen Volksrede ganz und gar verloren. Sie hatte fast keine Redner mehr, die imstande waren, Massen zu mobilisieren. Es gab in ihren Reihen nur noch Referenten. Während die NS-Redner ihre Anhänger bis zur Weißglut erhitzten und aufpeitschten, quälten die der SPD ihre Zuhörer so lange mit Zahlen, Statistiken und Beweisen, bis auch die letzte Begeisterung eingefroren war. (Zu Aufmärschen waren ihre Anhänger) marschiert, um dann stehend ein stundenlanges Referat anzuhören, von dem sie wenig verstanden und das in nichts jene innere Bereitschaft, die sie mitgebracht hatten, berührte. (...) In den Versammlungen redeten die Sprecher der SPD wie in einen Sack, ohne jede Resonanz. Mit Ausnahme weniger Städte, wo die Partei bis zuletzt stark und lebendig blieb, strömten die jungen Arbeiter scharenweise zu den Kommunisten, aber auch teilweise zu den Nationalsozialisten. (...) Die SPD hat die Wichtigkeit der Stimmung (...) unterschätzt. Als sie sich umstellen wollte, ging es nicht mehr, es war zu spät. Und bald wurde der Fatalismus weiter Parteikreise das Spiegelbild der Passivität der Führung."

Und doch, was nutzt die Weisheit wenn sie keine Kraft gibt? Dann fangen wir von vorne an!
Ich habe um Versetzung gebeten. Ich will Soldaten fuehren, egal wo. Ob in China oder in Deutschland, es ist mir gleich. Ich habe die Gruende fuer mein Gesuch zusammen gefasst und an die zustaendigen Stellen weiter geleitet. Sogar an Stellen wo sie eigentlich nicht hingehoehren. Das Gesuch liest sich wie ein Hilferuf, aber so wie jetzt kann es nicht weiter gehen. Von mir aus kann die Abteilung I die geheimen Archive des Vatikan stehlen, ich kann und will diesen Laden hier nicht mehr sehen.

Doch zuvorderst muss ich heraus finden was mit Biewalksi los ist. Es ist 10.24 Uhr und er ist immer noch nicht im Buero erschienen. Das ist weder seine Art noch wuerde er dies bei anderen Personen entschulden...
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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon xxHyFoxx » 24. September 2012 21:55

Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die anderen. Biewalksi hatte heute morgen einen schweren Verkehrsunfall. Er wurde gegen 6.50 Uhr in der Lettow-Vorbeck Straße mit hoher Geschwindigkeit von einem Pferdefuhrwerk erfasst und fuenf Meter weit ueber die Straße geschleudert. Er liegt nun mit einer Unterarmfraktur und geprellten Rippen im Militaerhospital und wird dieses vermutlich erst in einer Woche wieder verlassen. Ich habe ihn selbstverfreilich besucht und beste Genesungswuensche ueberbracht. Ich setzte ihn auch ueber meine Absichten und Beweggruende die Abwehr zu verlassen in Kenntnis.
Er selber denkt aber offenbar nicht ueber einen solchen Schritt nach. Nach seiner Aussage gefaellt ihm die Arbeit und er hatte noch nie soviel Zeit fuer seine Familie wie jetzt. Wenn ich eine haette wuerde ich vielleicht aehnlich denken, so aber fehlt mir der Bezug dazu.

18. Juli 1938, Sowjetunion – Japan

Zwischen beiden Staaten ist offensichtlich ein Konflikt um den Chasan See entbrannt. Das einzige was man genau weiss ist, das man nichts genaues weiss. Aus Sicht der Kuomintang-Chinesen koennte ihnen nichts besseres passieren als ein ernsthafter militaerischer Konflikt zwischen Japan und der Sowjetunion. Japan wuerde in einen Zweifrontenkrieg verwickelt werden und muesste Einheiten und Nachschub an eine zweite Front leiten. Ihre Position im Hauptkriegsschauplatz China wuerde daher betraechtlich leiden. Im Anbetracht der, im Vergleich zu Chinas Groeße, eher geringen Gelaendegewinne der japanischen Armee und der Heftigkeit der Kaempfe in Nordchina muss Japan bestrebt sein einen groesseren militaerischen Konflikt mit der Sowjetunion zu vermeiden.

19. Juli 1938, Deutschland – Tschechoslowakai, Geschichtliches.

So die Westalliierten im ersten Weltkriege im Felde auch nichts Gescheites oder Geniales zu Wege gebracht haben, so muss jeder ehrliche Mensch neidlos anerkennen das sie in der Propaganda unvergleichliches geleistet haben. Ein herausragendes, wenn nicht gar das groeßte Husarenstueck war dabei das legendaere „14 Punkte Programm“ des amerikanischen Praesidenten Woodrow Wilson. Geschickt verstand er es mit seiner Rhetorik das deutsche Volk zu spalten, umhuelte uns mit luftigen Begriffen wie „Selbstbestimmung der Voelker“ und brach damit endgueltig den Kriegswillen der deutschen Bevoelkerung.
Offiziell blies man uns mit dem „14 Punkte Programm“ das Versprechen ins Ohr das alle am Kriege beteiligten Voelker ohne Gesichtsverlust aus dem Kriege treten sollten. Das klang zu schoen um wahr zu sein und genauso war es dann ja auch. Nach dem Waffenstillstand 1918 litten die Westalliierten naemlich unter leichter Amnesie. Zwar konnten sie sich noch an die 14 Punkte erinnern, dafuer hatte man nun wirklich zu oft gelogen, aber ihnen entfiel das die 14 Punkte alle Voelker betreffen sollten. Der Club der Dementen war viel eher der Meinung dass das „14 Punkte Programm“ nur fuer das deutsche Reich gegolten habe, es habe schon immer nur fuer Deutschland gegolten. Am Ende des Verhandlungsweges schieden die „Siegermaechte“ dann ein Pamphlet aus das sie Vertrag von Versailles nannten, was aber im deutschen Sprachraum als „Diktat von Versailles“ in die Geschichte einging. Erstaunlicherweise sogar quer durch alle Parteien, wenn auch folgenlos.

Auch der Praesident der Luegner und Dementen, Woodrow Wilson zeigte 1919 sein wahres Gesicht. Zitat: „Wir versuchten, zu Deutschland gerecht zu sein, und als wir seine Argumente angehört und alle Einzelheiten der Gegenvorschläge, die es gemacht hatte, geprüft hatten, schrieben wir den Vertrag in seiner endgültigen Form nieder und sagten: ‚Unterzeichnen Sie hier‘. Für was sonst waren unsere Jungs gestorben? Starben sie, damit wir Deutschlands Genehmigung dafür einholen würden, unseren Sieg zu vervollständigen? Sie starben, damit wir Deutschland sagen könnten, was die Bedingungen des Sieges im Interesse von Gerechtigkeit und Frieden sind, und wir waren berechtigt, die Richtung einzuschlagen, die wir nahmen. Alles andere wäre unerträglich gewesen. Was sich nicht ins Bewusstsein einiger unserer Leute eingegraben hat, ist, dass, obwohl ein Großteil des Vertrags der Abrechnung mit Deutschland gewidmet ist, der größere Teil der Bedeutung der Vorkehrungen der Abrechnung der Welt gilt.“

Woodrow Wilsons „14 Punkte Plan“ war eine simple Kriegslist um die Moral der deutschen Bevoelkerung zu brechen und sie ist vortrefflich geglueckt. Hut ab.
Aber zu einer Luege gehoeren immer Zwei. Einer der luegt und einer der es glaubt. Da haben wir Deutschen uns wieder genauso bloede gezeigt wie Bismarck uns charakterisiert hat.

Mit dem Diktat von Versailles war die Sache aber noch nicht ausgestanden. In der Folge kam es noch zu einer Reihe weiterer „Vertraege“. Zum Beispiel den Vertrag von St. Germain, in dem sudetendeutsche Gebiete dem neu entstandenen Staat Tschechoslowakai zugeschlagen wurden. Auf die „Selbstbestimmung der Voelker“ also die versprochene Volksabstimmung ueber den Verbleib im Reich verzichtete man vorsorglich. Das haette wohl der Friedenssicherung im Weg gestanden und fuer das große Ganze muss man schon mal Opfer bringen. Außerdem hat man nichts versprochen, man hat sich nur versprochen. Oder wir haben es nur wieder falsch verstanden, passiert uns ja dauernd.
Im Ergebnis dieses Vertrages bildete sich dann die Tschechoslowakei, mit einer den Alliierten wohlgesonnenen Regierung, welche allein durch ihre geographische Lage und Ausdehnung friedenssichernd als Stachel im deutschen Reich saß und betraechtlichen Schmerz verursachte.

Die Tschechen wiederum hatten es nicht so gut getroffen. Zwar war man sehr erfreut ueber den vertraglichen Gelaendegewinn, allerdings wurde die Freude auch gleich wieder durch die deutsche Bevoelkerungsmehrheit getruebt. Diese zeigte, undankbarerweise, wenig Interesse daran sich in einem tschechisch dominierten Vielvoelkerstaat zu integrieren. Also versuchte man mit verschiedenen Repressionen und Progromen in der Sache Abhilfe zu schaffen.

Die Demokraten der Weimarer Republik waren, wie so oft, nicht in der Lage das geschehene Unrecht zu revidieren und so fiel diese Aufgabe den Nationalsozialisten zu. Die neue Reichsregierung ging dieses Problem dann auch mit Elan an und tat im weiteren Verlauf alles nur denkbare um die Krise um die sudetendeutsche Gebiete weiter anzufachen. Zum Beispiel war am 28. Maerz 1938 Konrad Henlein von der Sudetendeutschen Partei beim deutschen Reichskanzler und begann von da an eine Politik zu verfolgen die immer etwas mehr forderte als die Tschechen wirklich zugestehen konnten. So wurde eine Einigung der Sudetendeutschen mit der tschechischen Regierung wirkungsvoll verhindert.
Als Reaktion darauf hatte die tschechoslowakische Regierung am 21. Mai 1938 eine teilweise Mobilmachung vorgenommen um die vom 22. Mai bis 12. Juni stattfindenden Gemeindewahlen „abzusichern“. Merke, wenn bewaffnetes Militaer in befreundeten, demokratischen Staaten Wahlen begleitet so ist dies eine Sicherungsmaßnahme um Unregelmaeßigkeiten zu verhindern. Wenn hingegen uns unfreundliche, demokratische Staaten Wahlen mit Militaer begleiten, so ist dort grundsaetzlich eine Wahlmanipulation zu behaupten.

Im Verlauf dieser sich immer weiter zuspitzenden Krise und der drohenden Gefahr eines Waffenganges hatte der Generalstab im Fruehjahr 1938 mit der Ausarbeitung von Plaenen zur Besetzung der sudetendeutschen Gebiete begonnen. Diese Plaene wurden unter dem Sammelbegriff: „Fall Gruen“ zusammengefasst und staendig weiter entwickelt.

Jetzt, am 19. Juli 1938, wurde durch die Reichsregierung und den Generalstab die Mobilisierung fuer den „Fall Gruen“ eingeleitet. Die Truppe wird mobil gemacht und in Bereitstellungsraeumen zusammen gefasst. Das Gesamtkonzept ist mir zwar nicht bekannt, allerdings halte ich das ganze fuer ein sehr gefaehrliches Vabanquespiel.
Aber da ist noch etwas anderes in dieser Sache, etwas das mich persoenlich betrifft. Ich wurde in der Abwehr beurlaubt und mit sofortiger Wirkung Divisionskommandeur der 1. Alpenjaegerdivision welche im Wehrkreis XVIII ihre Heimat hat.

Ich bin hin und her gerissen, ich habe endlich wieder ein Kommando inne und stehe sogleich vor einem moeglichen neuen Krieg. Ich kann nun einer von denjenigen sein, die einen Teil der deutschen Beveolkerung aus der Fremdherrschaft befreit und bestehendes Unrecht revidiert. Ich kann aber auch Teil derjenigen sein, die in Kenntnis der Kraefteverhaeltnisse das Grab fuer die deutsche Nation schaufeln. Doch dazu spaeter mehr, ich muss meine Abreise vorbereiten.
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Re: [HoI II AAR] The guilty have no pride

Beitragvon xxHyFoxx » 4. Oktober 2012 22:04

Ein Preuße in Oesterreich

Wohl aufgrund von Dringlichkeit wurde mir keinerlei Aufschub gewaehrt. Ich musste mich daher noch am 19. Juli von Biewalksi und den anderen Mitarbeitern in der Abteilung verabschieden. Danach holte ich meine persoenlichen Sachen ab und fuhr am folgenden Tage mit einem Schnellzug der Reichsbahn nach Salzburg. Die ereignislose Zeit der Zugfahrt nutzte ich dazu mich tiefer in die Gliederung, Organisation und Geschichte der 1. Alpenjaegerdivision einzuarbeiten. Eingegliedert war der Verband in den Wehrkreis XVIII und auf mehrere Standorte ebenda verteilt. Das Hauptquartier der Division war in der Franz-Josef-Kaserne in Salzburg untergebracht.
Mein neuer Vorgesetzter im Wehrkreis XVIII war Generalleutnant Paul Hausser, der dort die Eingliederung der oestereichischen Divisionen in die Wehrmacht koordinierte. Was mich ein wenig stutzig machte war die Tatsache das Generalleutnant Paul Hausser nebenher noch Inspekteur der ZZ-Verfügungstruppe war und somit zwei Aufgaben zugleich erfuellte, die gerade in ihrer Mischung ein gewisses „Geschmaeckle“ hatte.
Schließlich achtete die Wehrmachtsfuehrung normalerweise doch sehr darauf das sie der einzige Waffentraeger im deutschen Reich bleib und mit eben jener ZZ-Verfuegungstruppe nicht in Verbindung gebracht wurde.

Bei meiner mitternaechtlichen Ankunft in Salzburg wurde ich weder erwartet noch war sonst eine Menschenseele auf dem Bahnsteig zu sehen. Zu sehen gab es hier ohnehin nicht viel. Die Beleuchtung des Bahnhofes war nur noch in den Hauptgaengen aktiviert und tauchte den Rest der Umgebung in eine Schwaerze, die man mit den Fingern meinte greifen zu koennen. Ich sah mich daraufhin eine Weile hilflos um, in der stillen Hoffnung das irgendwo jemand auf mich warten wuerde. Doch weder konnte ich jemanden finden noch waren Stimmen, Schritte oder gar eine Person zu vernehmen. Nachdem das akademische Viertel verstrichen war schnappte ich mir dann meine beiden Koffer und ging den Niedergang in Richtung des Hauptgebaeudes entlang.
Im Empfangsgebaeude sah es auch nicht besser aus. Dafuer war aber das rhytmische schnarchen eines Bahnbeamten zu vernehmen. Dieser, ca. 60. jaehrige Mann mit gepflegtem Rauschebart, hatte sich hinter einem Schalter verschanzt und schlief dort selig den Schlaf des Gerechten. Da ich allerdings nicht beabsichtigte bis zur Morgendaemmerung zu warten um eine Auskunft zu erhalten, trommelte ich mit meinen Haenden heftig gegen die Scheibe woraufhin der alte Bahnbeamte verstummte. Nach einem kurzen Moment oeffnete er dann sein rechtes Auge und sah mich stumm an. Ich fragte ihn nun wie ich auf schnellstem Wege zur Franz-Josef-Kaserne gelangen koenne, doch statt einer Wegbeschreibung vernahm ich nur ein Gemurmel das wie „Sauprueß“ klang und der Alte schloss sein rechtes Auge wieder. Auf mehrmaliges Ansprechen und Trommeln reagierte er nicht mehr.

Da ich meinen Kredit hier offensichtlich verbraucht hatte wandte ich mich vom Schalter ab und suchte einen ausgehaengten Stadtplan, den ich nach ein wenig ziellosem umher irren auch fand. Das Register des Stadtplanes war eher unvollstaendig, da ich zwar alle anderen Kasernen darin finden konnte nur eben nicht die Franz-Josef-Kaserne. Da stand ich also nun um Mitternacht, Mutterseelenallein in Salzburg. Mutterseelenallein?
Nicht ganz, noch jemand war Anwesend und fand scheinbar an mir großes Interesse. Ein herum streunender Dackel hatte mich wohl schon eine ganze Weile beobachtet und war nun der Meinung mir in die Hacken beißen zu muessen. Er kam durch die Laenge der Empfangshalle auf mich zugefegt was auf mich, der ich notorische Angst vor Hunden hatte, nicht gerade ermutigend wirkte. Ich gab also Fersengeld und hastete schnaufend aus dem Bahnhofsgebaeude hinaus in die Salzburger Nacht, in jeder Hand einen Koffer, ohne eine Ahnung wohin und mit einem beißwuetigen Dackel an den Fersen.

Willkommen in Oesterreich! Irgendwie verspuerte ich tiefe Sehnsucht nach meinem ruhigen Sessel in der Abwehr.

Da ich mit der Konstitution des Dackels nicht mithalten konnte ging ich nach knapp hundert Metern zum Gegenangriff ueber. Ich macht mit meiner ganzen Masse eine 180° Drehung und jagte anschließend mit lautem: „Hurrah!“ auf den Dackel zu. Diese ploetzliche Wendung verschreckte ihn dann so sehr das er vorsorglich die Flucht ergriff. Ein nicht unerheblicher Nachteil meines abrupten Manoevers war allerdings das der Verschlussriemen meines rechten Koffers den Dienst quittierte und mein Sammelsurium von Unterwaesche sich auf die Straße ergoss. Eine schlimme, gotteslaesterliche Bemerkung gellte anschließend durch die Salzburger Luft.
Ich begann fluchend meine Sachen wieder zusammen zu suchen und bemerkte dabei dass, der Dackel wieder zurueck gekehrt war und offensichtlich seine naechste Offensive plante. Um dies zu vereiteln feuerte ich ihm aus der Hocke die Reste meines Proviants entgegen, zu meinem Leidwesen auch meine leckere pommersche Hartewurst. Der Dackel befand diese wohl als besondere Leckerei und zog, mit der Wurst im Maul, ab. Heut war nicht mein Tag.

Nachdem ich alles wieder zusammen gesammelt hatte begann ich eine ziellose Wanderung in Salzburg und schaute mir nebenher die Altstadt ein wenig an. Von der Architektur her war man hier wesentlich verspielter als in Stralsund mit den Fassaden umgegangen. Der Barock praegte an vielen Haeusern das Stadtbild und wirkte ebenso pompoes wie auch erdrueckend. Es war ein klares Bekenntnis zum Wohlstand der Stadt und seiner Buerger. Der Barock mit seiner klaren Formensprache war zwar nicht gerade mein Fall, aber die Detailverliebtheit, ja fast schon Manie, war ein beeindruckendes Zeugnis seiner Erschaffer und Financiers.
Als ich nun, mit meinem Blick nach oben zu einem der reichhaltig verziertem Giebel, in eine weitere Straße einbog rannte ich unversehens eine weitere Person ueber den Haufen. Das Schoene daran war das mich eben jene Person ganz in Hochdeutsch als Idioten titulierte. Endlich jemand der mit mir sprach und dazu noch Hochdeutsch, dieser Tag hatte jetzt wieder eine erfreuliche Wendung genommen.
Nachdem wir uns beide, aus dem Unrat welcher die Straße bedeckte und sich als mein Kofferinhalt entpuppte, aufgerappelt hatten verstummte mein Gegenueber abrupt und begann sich dann fuer seine Unachtsamkeit zu entschuldigen. Ich begriff so richtig noch nicht was hier los war, bis ich nach einigen Sekunden anhand der Schulterstuecken einen Unteroffizier identifizieren konnte. Ich beendete das Gestammel mit dem Hinweis das ich „Idiot“ nicht aufgepasst haette und ich eigentlich zur Franz-Josef-Kaserne will. Nach einem Moment der Stille stellte mir der unbekannte Unteroffizier die Frage ob ich der neue Divisionskommandeur Generalmajor Fenix Nachtwandler seie. Wahrheitsgemaeß verneinte ich und wies daraufhin das ich nur Oberst sei.

Der Unteroffizier stellte sich daraufhin als Heinz Dengelmann vor und erklaerte mir das er mein Adjutant seie und begann sich abermals zu entschuldigen. Nun aber dafuer das er mich nicht vom Bahnhof abgeholt haette. Nach einigem hin und her stellte sich heraus das ich zwar neuer Divisionskommandeur war aber niemand eigentlich wusste woher bzw. wann ich in Salzburg eintreffen wuerde. Nachdem das geklaert war drueckte ich meinem Adjutanten den defekten Koffer in die Hand und wir marschierten dann zur Franz-Josef-Kaserne. Dort eingetroffen weckten wir den eingeschlafenen Posten am Haupteingang auf, wiesen ihn auf die einsetzende Daemmerung hin und deutetem ihn dann, nachdem er wieder Luft bekam, an die Landesfahne zu hissen. Da er nur alleine war wollte er diesen Befehl wohl nicht ausfuehren und neigte dazu sich Verstaerkung zu holen was ich mit dem Kommentar: „So schwer ist die nicht und nu ziehens den Lappen hoch, Soldat.“ abwuergte.

Ziemlich nervoes ging unser tapferer Posten nun ans Werk. Das loeste aber wohl auch anderenorts reges Interesse aus. Im gegenueberliegenden Kasernengebaeude oeffneten sich die Fenster und nach ein paar Minuten, als die Flagge schon halbmast und richtig herum war, kam der Unteroffizier vom Dienst angefegt und fuhr unseren wackeren Recken an, wer ihm denn ins „Hirn geschisse habe“. Die Antwort des Postens, der nun Vollends im Chaos gelandet war, war goldig. „Melde gehorsamst, das ich den Befehl erhalten habe, zitiere woertlich „den Lappen hoch zu ziehen“.“ Der Gesichtsausdruck des UvD auch, besonders dann als er meinen Adjutanten und mich erblickte. Ich entschaerfte die Situation dann mit dem Hinweis doch dem Posten beim hochziehen der Fahne zu helfen. Unter dem Gejohle von Soldaten aus dem gegenueber liegenden Kasernengebaeude vollendeten dann der UvD und sein Posten ihr Werk.

Nach diesem, fuer den Posten im weiteren folgenlosen, Intermezzo lieferte mich mein Adjutant dann in der Kommandantur ab. Dort bezog ich dann ein Zimmer richtet mich kurz ein und genehmigte mir dann noch etwas Schlaf. Als ich gegen 7.00 Uhr mein Zimmer verließ stieß ich unverrichteter Dinge auf einen Dackel welcher in seiner Schnauze einen grauen Wollsocken hatte und anfing mit dem Schwanz zu wedeln als er mich erblickte. Die Liebesbekundungen von meiner Seite hielten sich dagegen eher in Grenzen. Mein Adjutant hatte sich inzwischen zu mir gesellt und nahm dem Dackel die vollgesabberte Wollsocke ab. Dabei stellte er fest das der Dackel kein Halsband hatte und von mir doch adoptiert werden koennte. Ich lehnte dies rundheraus ab und ließ den Dackel vor die Tuere setzen.

Der Entschluss hielt allerdings nicht lange da der Dackel auf Schritt und Tritt folgte. Beim Fruehstueck in der Kantine setzte der Hund sich dann auf den Rasen vor dem Fenster und blickte mit einem Hundegesicht ins Gebaeude hinein. In der Folge verging mir der Appetit und ich teilte dann die Wurtsscheiben mit dem Dackel. Am Nachmittag des selben Tages erhielt der Dackel dann ein Halsband und wurde von mir auf den Namen „Hund“ getauft.

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Widerstand ist echt mein Ding! - S. Tapir