Kimi Ga Yo

AARs zum Zeitpunkte der beiden Weltkriege

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Kimi Ga Yo

Beitragvon Taras » 2. Oktober 2014 16:46

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Ich habe mich entschlossen einen AAR anzuschieben.

HoI III - For the Motherland; Walküremod
Land: Japan 1936
Schwierigkeit: normal



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Re: Kimi Ga Yo

Beitragvon Taras » 2. Oktober 2014 17:03

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Morgendämmerung


In grauer Vorzeit stiegen Izanagi und Izanami aus dem Himmelsgefilde herab und erschufen - indem sie die himmlische Juwelenlanze in das Meer tauchen und darin rühren - das Festland aus dem uranfänglichen Chaos.

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Aus der Vereinigung der beiden entstanden auch die vielen Inseln des japanischen Archipels. Schließlich gebar Izanami den Feuergott und wurde dabei so schwer verletzt, dass sie starb.

Verzweifelt über den Tod seiner Gemahlin, stieg Izanagi in das Totenreich hinab. Doch sein Versuch war vergeblich. Izanami war nicht mehr zu retten und er selbst entkam nur unter großen Mühen.

Dem Totenreich entronnen war er befleckt und um sich zu reinigen, wusch er sich in einem Fluss auf der Insel Kyūshū. Von der Schönheit des Landes betört, geschah es, dass aus seinem linken Auge Amaterasu geboren wurde.

Sie war dazu auserkoren die Herrschaft des Himmels von ihrem Vater zu übernehmen und die Ahnherrin des Tenno Geschlechtes zu werden. Ihr Enkel Ninigi übernahm die Herrschaft auf der Erde und wiederum dessen Enkelsohn Jimmu wurde der erste Tenno.

Und damit begann die 2.596 jährige Geschichte Japans.
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Re: Kimi Ga Yo

Beitragvon Taras » 2. Oktober 2014 17:21

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Nippon - Das Land der aufgehenden Sonne


Die japanische Geschichte liegt im Spannungsfeld von Isolation und kultureller Beeinflussung. Die Insellage gewährte Schutz vor dem pulsierenden chinesischen Reich und vor dem Mongolensturm. Geprägt durch die Landschaft und das Meer, bedroht durch Vulkane, Erdbeben, Tsunamis und Taifune entwickelte sich die eigene japanische Kultur.

In der Expansion des ursprünglichen Reiches Yamato und besonders im Zuge der kolonialen Unterwerfung des Nordens, bildete sich der besondere Kriegerstand der Bushi. Aus Ihnen ging der Schwertadel der Samurai hervor. Die Samurai fühlten sich einem strengen Verhaltenskodex – dem Bushido – verpflichtet. Der Weg des Kriegers bestimmte ihr Leben und ihr Sterben.

Den Anführern der Samurai - den Shogunen gelang es im ständigen Widerstreit das Inselreich zu einen. Die Kaiser blieben der spirituelle Mittelpunkt Japans aber sie verloren für mehr als 200 Jahre die Macht in ihrem Reich.

Als sich die europäischen Kolonialmächte Amerika, Afrika und Indien mit Schwert, Feuer und Kreuz unterwarfen, stießen sie in Japan auf entschlossenen Widerstand. Um der Bedrohung durch die Europäer zu begegnen, unterwarf sich Japan ab 1580 einer zunehmenden Isolation.

Die Sokaku – Abschließung – sorgte dafür, dass Japan nicht das gleiche Schicksal ereilte, wie so viele andere Reiche. Selbst das riesige Kaiserreich China musste sich 1842 im Opium Krieg dem europäischen Expansionsstreben beugen und demütigende Verträge akzeptieren.

Doch auch Japan konnte sich nicht auf Dauer von der immer schnelleren Entwicklung der Welt abschotten. Auf der anderen Seite des Pazifiks erhob sich eine neue Macht. Die Händler der USA verlangten Zugang zu den japanischen Häfen und Märkten. Da sich das Shogunat den diplomatischen Bedrängungen nicht beugen wollte, lief 1853 daraufhin eine kleine US-amerikanische Flotte unter Commodore Matthew Perry in die Bucht von Edo ein und erzwang die Öffnung des Landes.

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Der Eindruck der völligen militärischen und industriellen Unterlegenheit erschütterte das Shogunat in seinen Grundfesten und sorgte schließlich dafür, dass in der Meiji-Restauration die Macht des Kaisers wieder hergestellt wurde.

Anders als in China führte die erzwungene Öffnung nicht zu Verfall und kolonialer Unterdrückung sondern zur Freisetzung einer umfassenden Reformierung, die das Land innerhalb von 40 Jahren vom Mittelalter in die industrielle Moderne schleuderte.

Japanische Gesandtschaften wurden zu allen Industrienationen geschickt. Sie nahmen die Kenntnisse auf, die ihnen in England und Frankreich in einem herablassenden Gefühl der westlichen Überlegenheit vermittelt wurden. Sie kauften Maschinen und westliche Ingeneure. Die neue kaiserliche Armee wurde mit amerikanischen Waffen ausgerüstet, ihre Uniformen wurden nach französischem Vorbild geschnitten und die Soldaten nach dem preußischen Exerzierreglement gedrillt.

Bereits 1894 konnte sich das kaiserliche Japan in das imperiale Gedränge der Großmächte einreihen und im Krieg gegen China, Taiwan und Korea an sich reißen.

Ein weiteres Vordringen nach China wurde durch das zaristische Russland verhindert, das sich in die Mandschurei ausweitete. Die westliche Welt war geradezu schockiert, als das kleine asiatische Japan das mächtige Russland 1904-05 in den Schlachten von Mukden und Port Arthur und in der Seeschlacht von Tsushima besiegte. Das Zarenreich musste den Anspruch Japans auf die Mandschurei und auf Korea akzeptieren.

Im ersten Weltkrieg hielt sich Japan zurück. Es drängte die Entente zu Zugeständnissen und übernahm die deutschen Pazifikkolonien.

1921 übernahm – nach dem Tod seines Großvaters Meiji - Kronprinz Hirohito die Regentschaft. Am 10. November 1928 bestieg er als 124. Tenno den Thron. Seine Herrschaft stand unter dem Motto ‚Weg des Friedens’. Doch Frieden sollte seinem Land nicht beschieden sein.

Starke nationalistische Kräfte in Militär und Industrie trieben die Politik vor sich her. Das rohstoffarme Land sollte sich Quellen sichern die bereits von anderen besetzt waren.

Die Versuche der Westmächte, die Flottenrüstung zu begrenzen konnte Japan nur als Besitzstandswahrung begreifen. Für eine aufstrebende Macht waren solche Forderungen unannehmbar. Japan geriet damit zunehmend in Konflikt mit England und den USA.

Die Mandschurei wurde 1932 endgültig von China abgetrennt und der Vasallenstaat Kaiserreich Mandschuko gebildet. Die USA erklärten, dass sie diese Okkupation niemals anerkennen würden und der Völkerbund verurteilte die Verletzung des Völkerrechtes. Auch dies konnte Japan nur als Affront begreifen. Frankreich, England und die USA hatten überall auf der Welt Gebiete militärisch an sich gerissen und verurteilten nun Japan, wenn es das Selbe tat. Das Kaiserreich verließ den Völkerbund.

Bei der erneuten Londoner Flottenkonferenz, die 1935 begann, war Japan nur noch als Beobachter anwesend.

Doch vielen Militärs handelte die Regierung nicht entschlossen genug. China sollte in die japanische Einflusssphäre einbezogen werden, bevor sich die Unruhen dort wieder legen würden. Dass dies eine direkte Konfrontation mit den Großmächten bedeuten würde, nahm die Strategen als unvermeidlich hin.

Und wenn die zwischen Aggression und Ausgleich lavierende Regierung nicht im Interesse der Bestimmung Japans handeln wollte, musste sie beseitigt werden. Notfalls mit Gewalt!
Zuletzt geändert von Taras am 4. Oktober 2014 16:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kimi Ga Yo

Beitragvon Taras » 4. Oktober 2014 10:31

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Gefahr


Am 29. Dezember 1935 entschloss sich der Kaiser Hirohito zu einer überraschenden Inspektion im Kriegsministerium. In Parlament und Regierung stritten die Fraktionen um den weiteren Weg Japans. Immer lauter wurde die Forderung, den chinesischen Bürgerkrieg auszunutzen und sich endlich zu nehmen, was Japan zustand. Hirohito wollte sich ohne die übliche höfische Etikette berichten lassen, ob die kaiserliche Armee in der Lage wäre einen neuen Waffengang in China zu wagen. In welche Gefahr er sich damit begab, konnte in seiner Umgebung niemand ahnen.

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Tenno Hirohito


Da der Besuch unangekündigt erfolgte, war der Minister nicht in seinem Büro. Fassungslose Ministerialbeamte wurden losgejagt, die Minister und die Staatssekretäre herbeizuholen.

Während dessen brauten sich über Tokyo dunkle Wolken zusammen. Von der obersten Staatsspitze bis in die unteren Offiziersränge hatte sich in den letzten Jahren Unmut über die Regierung Keisuke angestaut. Mit dem Taktieren sollte endlich Schluss sein! Das Parlament musste entmachtet werden und auch die moderaten Kräfte in der Generalität sollten beseitigt werden. So glaubte die Bewegung Kodo-ha den Willen des Kaisers durchsetzen zu können. Am Morgen des 29. Dezember verließen tausende Soldaten die Kasernen um die Regierung zu stürzen und eine Militärdiktatur zu errichten.

Während der Kaiser sinnierend am Fenster stand und auf die herbeibefohlenen Minister wartete, begann sich im Gebäude Unruhe auszubreiten, die selbst durch die dicken Doppeltüren zu hören war. Männer brüllten, Gepolter und dann dumpfe Schläge. Schüsse?

Beunruhigt sahen die wenigen anwesenden Diener zum Kaiser, ob er Anweisungen geben würde. Hirohito lauschte gespannt und gab dann seinem Sekretär mit einem leichten Nicken die Anweisung nachzusehen, was dort vor sich ging.

Mit großer Gewalt wurde etwas gegen die Tür geschleudert. Dann Schüsse und entfernte Detonationen. Die Tür sprang auf und einer der kaiserlichen Gardisten, die davor abgestellt waren wurde blutüberströmt in den Raum geschleudert. Der andere Türflügel wurde teilweise aus den Angeln gehoben.

Noch leistete die kaiserliche Wache Widerstand. Männer in Uniform und in zivilen Kleidern drängten kämpfend in den Raum. Angreifer und Verteidiger waren in dem Gewühl kaum auszumachen. Einem Gardisten wurde ein Wakizashi in den Oberschenkel gerammt. Ein weiterer wurde von mehreren unbewaffneten Männern zu Boden gedrängt.

Die Angreifer schienen Überhand zu gewinnen. Zwei Diener warfen sich unbewaffnet den Fremden entgegen. Doch diese Verteidigung war lediglich von symbolischem Wert. Der Eine wurde gegen den schweren Tisch geschleudert und sackte besinnungslos zusammen. Der Andere wurde einfach aus dem Raum geworfen.

Durch die zerschmetterte Tür drang Kampflärm und Brandgeruch. Gefasst ließ der Tenno das Gedichtbändchen sinken in dem er gelesen hatte und schaute auf den mit Kurzschwert und Pistole bewaffneten Mann, der sich ihm näherte. Während zwei seiner Leibdiener mit stoischer Gelassenheit ihr Schicksal erwarteten, verlor einer der jüngeren Diener die Nerven und floh kreischen durch die kleine hintere Tür.

Der Anführer der Angreifer übergab seine Waffen einem seiner Gefährten, näherte sich dem Kaiser auf fünf Schritte und verbeugte sich dann tief. „Verzeiht mein Kaiser!“ stieß er hervor ohne den Kopf zu heben. „Mein Name ist Tarasawa Shiro. Die Umstände erforderten es, mir gewaltsam Eintritt bei seiner Hoheit zu verschaffen.“

Aus dem Gebäude waren Schüsse und das Brüllen von Verwundeten zu hören. Die Angreifer – teils Zivilisten, teils Heeressoldaten – die im vorderen Teil des Raumes geblieben waren, schauten sich nervös um und bereiteten die Verteidigung der Tür vor. Einige hatten begonnen die verwundeten Gardisten zu versorgen.

Hirohito wandte sich Tarasawa zu. „Was geht hier vor?“

„Kaiserliche Hoheit, Teile der Armee putschen gegen die Regierung. Die Putschisten greifen das Parlament und die Ministerien an. Ich diene Minister Takahashi Korekiyo und wurde von ihm angewiesen Eure kaiserliche Hoheit in Sicherheit zu bringen.“

„Erhebt Euch!“ sagte der Kaiser würdevoll. Tarasawa kam ihm bekannt vor. Er war ein Mann von Mitte Dreißig. Sein Anzug war beschmutzt und vom Kampf zerrissen. Aus mehreren Schrammen im verrußten Gesicht floss Blut. Der Kampflärm kam näher, es musste eine Entscheidung getroffen werden. „Wie kann ich Euch trauen?“

„Eure Majestät, ich und all die Männer, die mich begleiten werden gern unser Leben für Eure Unversehrtheit opfern. Eure Gardisten haben ihre Pflicht erfüllt, als sie mir den Zutritt verwehrten und genauso werden wir unsere Pflicht erfüllen!“

„Gut, ich muss mit dem Generalstab sprechen!“

„Eure kaiserliche Hoheit, dazu müssen wir Tokyo verlassen. Die Putschisten haben die Postämter und Polizeistationen besetz. Kommunikation nach außen ist nicht möglich.“ Tarasawa verbeugte sich tief. „Wenn ihr erlaubt, werde ich Euch zum Generalstab bringen.“

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Die Parole der Putschisten: Verehrt den Kaiser, vernichtet die Verräter!


Ein Soldat an der Tür brüllte: „Sie kommen!“ und schoss seinen Revolver in den Gang leer.

„Gut,“ sagte der Tenno ruhig. „Geht voran!“

Tarasawa gab seinen Männern ein Zeichen. Diese warfen mehrer Granaten in den Flur und versuchten dann die Tür so gut es ging zu verbarrikadieren, während die anderen sich gemeinsam mit der kaiserlichen Begleitung eilig durch die hintere Tür entfernten.

Über schmale Gänge und enge Treppen eilte die Gruppe durch den hinteren Bereich des großen Gebäudes, der ansonsten nur der technischen Versorgung der einzelnen Etagen diente. Die verwundeten und teilweise bewusstlosen Begleiter des Kaisers wurden mitgeschleppt. Mehrere dunkle und feuchte Hinterhöfe wurden durchhastet. Die Kämpfe im Gebäude schienen abzuebben. Dann erreichten sie einen kleinen Ausgang auf eine schmale Nebenstraße.

Hier warteten bereits mehrere Fahrzeuge mit laufenden Motoren. Zwei Pkw die wohl dem Ministerium zugehörten aber auch ein Lieferfahrzeug einer Bäckerei. Da der Platz nicht für alle ausreichte, entschlossen sich mehrere Soldaten Tarasawas zurückzubleiben um der Gruppe um den Kaiser den Vorsprung zu sichern. Dann wollten sie sich wenn möglich zu Fuß zurückziehen.

Die regennassen Straßen waren aufgrund der Unruhen leer, so dass die kleine Kolonne nicht aufgehalten wurde. Wenn sie die Straßensperren der Putschisten umgehen konnten, wäre die Flucht gelungen.
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Kimi Ga Yo

Beitragvon Taras » 6. Oktober 2014 09:46

Endlich erreichten die Wagen die Randgebiete der großen Stadt und die Spannung legte sich. Der Kaiser saß allein auf der Rückbank, ihm gegenüber – ebenfalls im Fond des komfortablen Wagend hatten zwei seiner Diener Platz gefunden. Auf den Vordersitzen drängten sich der Fahrer, Tarasawa Shiro und ein bewaffneter Heeressoldat.

„Tarasawa?“ sinnierte der Kaiser. „Mir scheint, wir sind uns bereits begegnet.“

Tarasawa versuchte in der Enge des Wagens eine gebührende Verbeugung zu machen. „ Es ist mir eine große Ehre, dass sich seine kaiserliche Hoheit daran noch erinnert.“

Ein Lächeln huschte über Hirohitos Gesicht. „Wie könnte ich das vergessen! Es war im Sommer 1921 in Brüssel. Der letzte Sommer…“ der Kaiser brach ab und schwieg eine Weile. Mit kaum merklich verändertem Tonfall fuhr er fort. „Der Sommer meiner Europareise. Ich war in Bedrängnis und Ihr habt mir geholfen.“ Er beugte sich leicht nach vorn und sah Tarasawa durchdringend an. „Und wie ist es heute? Habt Ihr mir geholfen oder…“

Da der Kaiser nicht weiter sprach, sah sich Tarasawa zur Antwort aufgefordert. Er spürte den Zweifel des Kaisers, ob der Überfall eine Befreiung oder Teil einer Intrige war. „Euer Majestät, ich kann Euch versichern, dass wir alle Euch treu ergeben sind und jeden Eurer Befehle sofort ausführen werden.
Die Kodo-Ha hat Teile der Armee, ja sogar der Kaisergarde gegen die Regierung aufgewiegelt. Die Gruppe um Araki Sadao beabsichtigt die Errichtung einer Herrschaft der Militärs eines neuen Shogunats. Mit Sicherheit wussten die Putschisten nicht, dass sich seine Hoheit der Kaiser im Kriegsministerium aufhielt. Dennoch hätten sie sich Eurer Majestät bemächtigt um ihre politischen Ziele zu erreichen.
In Kürze erreichen wir den Generalstab, dann wird sich Eurer Majestät eine detaillierte Übersicht zur Lage verschaffen können.“

Der Kaiser lehnte sich zurück und zwang sich zu Ruhe. Wenn er den Generalstab erreichen und dieser seinen Befehlen Folge leisten würde, war dieser Tarasawa nicht Teil eines Putsches sondern tatsächlich zu seiner Rettung geeilt. Bald würde sich der Nebel klären.

Seine Gedanken schweiften zurück in das Jahr 1921 als er noch ein Thronfolger war – nur ein Thronfolger ohne die Last der Verantwortung. Selbst von der Enge des Zeremoniells konnte er sich in jenem Frühjahr befreien. Er versuchte es jedenfalls, denn selbstverständlich wurde er überall durch die japanischen Konsulate angekündigt und standesgemäß empfangen. Und selbstverständlich wurde er von lästigen europäischen und amerikanischen Journalisten verfolgt. Als es ihm endlich trotzdem gelang auszubrechen, geriet er sofort in Schwierigkeiten.

Über Hirohitos Gesicht huschte ein Lächeln. Das Etablissement der Gräfin – wohin er sich einladen ließ – stellt sich als nichts anderes als ein Bordell für Bessersituierte heraus. Vor der Tür versammelte sich eine Meute von Journalisten auf der Jagd nach einer Schlagzeile. Auch damals erschien Tarasawa mit einem Knalleffekt. Er warf von außen einen riesigen Holzklotz durch ein vergittertes Fenster im Wirtschaftsteil der Villa und während sich Hirohitos wenige Leibwächter mit den inzwischen durch die Vordertür eingedrungenen Schaulustigen prügelten, konnten sie über das Trümmerfeld entweichen.

Die beiden jungen Männer liefen lachend durch den nächtlichen Park und flohen über Zäune. Sie waren dann Bier trinken in einer einfachen Kneipe, bei einfachen Menschen, wo niemand ihn kannte. Zwei japanische Studenten in Brüssel.

Tarasawa Shiro war der Sohn eines mittleren Beamten und für die Diplomatenlaufbahn vorgesehen. In Brüssel war er nur zufällig um Auslandserfahrungen zu sammeln und wie er zum Haus der dubiosen Gräfin gekommen war, wurde nie ganz geklärt. Sie beide waren annähernd gleichaltrig daher ließ es Tarasawa meistens an der nötigen Hochachtung für den Thronfolger fehlen.

Seit diesem Abend begleitete Tarasawa den Kaisersohn durch Europa als Ratgeber, Aufpasser und Anstifter zu harmlosen Abenteuern. Eine unbeschwerte Zeit – aus heutiger Sicht. Bis, ja bis dann die Nachrichten aus Tokio eintrafen und Hirohito zurückriefen.

Der Zustand seines Vaters hatte sich weiter verschlechtert und bereits am 21. November des Jahres musste der junge Thronfolger die Regentschaft übernehmen. Tarasawa hatte er seit ihrem Abschied in Europa nicht wieder gesehen.

Wenige Zeit später hatten sie die Garnison erreicht und standen kurz darauf im Generalstab unter Hirota Kōki. Mit einem Nicken forderte der Tenno Tarasawa auf, ihn in den Besprechungsraum zu begleiten.

Hier war man über die Geschehnisse in Tokio informiert. Die Verbindungen der Kodo-ha reichten bis in die Generalität. Hier hielten sich jedoch die Kräfte mit der Tosei-ha Bewegung die Waage und weil man die Position des Tenno nicht kannte, war der Generalstab untätig geblieben.

Hirohito ließ sich Bericht erstatten. Die revoltierenden Soldaten bezeichneten sich selbst als kaisertreu und hatten in wenigen Stunden drei Kabinetmitglieder getötet. Darunter auch Tarasawas Vorgesetzter Finanzminister Takahashi Korekiyo.

Mehrere Genarale sprachen sich für eine rasche Niederschlagung des Putsches aus. Andere blieben deutlich reserviert und betonten, dass sich die Truppen selbst als Patrioten betrachteten.

„Kaiserliche Hoheit.“ Führte Hirota aus. „Wenn wir diesen Leuten nachgeben, haben wir nicht nur Krieg mit China sondern binnen Kurzem auch Krieg mit Russland. Einem solchen Kampf ist die Armee nicht gewachsen.“ Ein Raunen ging durch die versammelte Generalität. „Ist sie derzeit nicht gewachsen.“ Unterstrich Hirota noch einmal.

Hirohito sah den General fragend an. „Wird die Armee folgen, wenn ich die Niederschlagung des Aufstandes befehle?“

„Majestät.“ Erwiderte Hirota ausweichend. „Ich denke ein solcher Befehl wird nicht nötig sein. Es wird ausreichen wenn die Rebellen als das bezeichnet werden, was sie sind und ihnen damit die Anerkennung als Patrioten verweigert wird.

Der Blick des Kaisers schwenkte zu Tarasawa, der mit einer angedeuteten Verbeugung die Zustimmung zur Einschätzung des Generals signalisierte.

Eine kurze kaiserliche Proklamation beendete den Spuk dann ebenso rasch, wie er begonnen hatte. Die putschenden Truppen kehrten am 30. Dezember in Ihre Kasernen zurück. Die Rädelsführer wurden verhaftet, soweit sie nicht durch Selbsttötung die Konsequenz aus dem gescheiterten Putsch gezogen hatten.

Nach Abschluss der Besprechung im Generalstab sagte der Kaiser: „Tarasawa Sama, ich benötige euren Rat, bitte begleitet mich!“

Die Generalität verbarg ihre Verwirrung über die ausgesprochene Gunst einem völlig Fremden gegenüber hinter einer tiefen Verbeugung, die sowohl dem Kaiser als auch seinem neuen Berater galt. Am 1. Januar 1936 trat das neue Kabinett zu einer grundlegenden Sitzung zusammen. Anwesend war nun auch Tarasawa Shiro, der im Weiteren einen immer stärkeren Einfluss auf die japanische Politik nehmen sollte.
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Beitragvon Taras » 8. Oktober 2014 13:52

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Aufbau


Bereits ein erster Blick auf die Unterlagen verdeutlichte, dass die japanischen Streitkräfte bei weitem nicht so stark und so bereit waren, die es die Putschisten in ihrem übersteigerten Nationalstolz glaubten oder Glauben machen wollten. Japan war mit Abstand die mächtigste Industrienation Asiens. Jedoch im Vergleich mit den Konkurrenten um die Macht in Asien – mit England, Frankreich, Russland oder der USA, war die Industriestärke von 129 Einheiten bestenfalls Mittelmaß. Hieraus resultierte, dass die Streitkräfte zwar nominell beeindruckend waren, sich aber im Allgemeinen in einem bedauernswerten Zustand befanden.

Die Kaiserlich Japanische Armee führte 190 Brigaden im Bestand. Diese waren kaum motorisiert, nur wenig mit Artillerie und Pioniermitteln ausgerüstet und befanden sich auf einem Entwicklungsstand der 1918 zeitgemäß war.

Die japanische Luftstreitkräfte (Heer und Marine) führte nur 18 veraltete Geschwader und auch bei der stolzen Kaiserlich Japanische Marine sah es nicht anders aus. Von den 97 Einheiten und Verbänden waren nur 14 als schwere Einheiten (Schlachtschiffe, Flugzeugträger) zu bezeichnen. Über die Hälfte der Flotte befand sich auf dem Entwicklungsstand bei Ausgang des Grossen Krieges.

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Die ersten Schritte die das neue Kabinett einleitete waren daher, die Mittel für die Forschung auf die Entwicklung effektiverer Prozesse für die Industrie zu konzentrieren. Die Nahrungsgüterproduktion sollte ebenfalls modernisiert werden.

Es wurde angeordnet, die Lehrgänge der Offiziers- und Unteroffiziersschulen erheblich auszuweiten um den Anteil an Führern und Unterführern in allen Teilstreitkräften maßgebend auszuweiten. Hiervon versprach sie die Militärführung eine höhere Flexibilität und damit Schlagkraft der Truppe.

Langfristig mussten für die Flotte moderne Großkampfschiffe und entsprechende Begleiteinheiten entwickelt werden. In der Admiralität war dabei ein heftiger Kampf ausgebrochen zwischen den Vertretern, die eine schwer gepanzerte Schlachtschiffflotte mit großkalibriger Artillerie anstrebten und andererseits der Fraktion, die den Fokus auf die neuentwickelten Flugzeugträger legen wollten. Darüber, dass zu den Großkampfschiffen auch moderne Begleitschiffe gehörten waren sich jedoch beide Parteien einig. Dies hatten die Verluste durch Minen und U-Boote bei der russischen Flotte im russisch-japanischen Krieg und der englischen Flotte im Weltkrieg unzweifelhaft belegt. Die Vertreter innerhalb der Marineführung, die mit einem Verweis auf die Erfolge Deutschlands, einen Ausbau der U-Bootflotte anstrebten, fanden kaum Gehör.

Für das Heer musste ein Ersatz für das Arisaka Gewehr gefunden werden. Die Erfahrungen des japanisch-chinesischen Krieges sowie die Auswertung des europäischen Krieges machten deutlich, dass die Hauptinfanteriewaffe zu groß, zu schwer und ihre Munition zu schwach war. Auch schien sich das Einsatzspektrum der Infanterie im modernen Gefecht immer mehr auszuweiten, so dass die Soldaten Mittel zu Bekämpfung von befestigten Stellungen und auch zur Bekämpfung der neuen gepanzerten Fahrzeuge erhalten musste.

Die viel zu knappen Industriellen Ressourcen wurden auf den Abbau des Modernisierungsstaus und auf den strategischen Ausbau der Handelsflotte verteilt. Damit sollte die von überseeischen Rohstoffen abhängige Industrie für einen Konfliktfall abgesichert werden. Die Abwürgung Deutschlands durch die alliierte Flotte im vergangen Großen Krieg stand jedem Planer mahnend vor Augen.

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Um die Unruhe in der Bevölkerung nach dem niedergeschlagenen Putsch in den Griff zu bekommen, wurden zuerst alle Heeresdivisionen – auch die kaiserliche Garde – nach Mandschukuo verlegt. Dem Heer wurde ein baldiger Waffengang mit China in Aussicht gestellt und die Geheimpolizei wurde angewiesen, die Tosei-ha die ‚Kontrollgruppe’ unter General Hayashi Senjuro zu unterstützen. Mit Einflussnahme auf Presse, Rundfunk und Kultur sollte die Position dieser Partei zu Lasten der anderen politischen Bewegungen ausgebaut werden.

Mit dem Vorschlag, der sofortigen Verschrottung der überalterten Bestände der Marine, konnte sich die Reformgruppe, die sich um Tarasawa Shiro gebildet hatte, nicht durchsetzen. Hiermit sollten Ressourcen freigesetzt werden die bei den großen Vorhaben überall fehlten. Zu groß waren aber die Widerstände und Bedenken in der Admiralität, die einen Verlust des internationalen Ansehens des Kaiserreiches bei einer derartigen Flottenverkleinerung befürchteten.

Bereits im März 1936 konnte die Anhebung der Wehrpflicht von einem auf drei Jahre verkündet werden. Damit sollte ein gut ausgebildeter Stamm ausgebildeter Soldaten für eine erhebliche Ausweitung der Armee gebildet werden.

Bis Juni 1936 war die Umstrukturierung der japanischen Streitkräfte in Mandschukuo abgeschlossen. Von der Grenze zu Russland wurden weitgehend alle mobilen Heeresdivisionen (außer Garnisionstruppen) nach Süden verlegt. Damit wurden die schwelenden russisch-japanischen Verstimmungen beigelegt und eine Streitmacht gebildet, die jederzeit in den chinesischen Bürgerkrieg eingreifen konnte.

Die Nord-China-Armeegruppe unter General Minami Jiro wurde dabei nach deutschem Vorbild umgestaltet. Es wurden drei Armeen gebildet, denen ihrerseits jeweils drei bis vier Armeekorps mit jeweils drei bis vier Divisionen unterstellt waren. Die Standarddivision verfügte nun über drei Regimenter womit die Anzahl der Infanteriedivisionen erhöht und die der Kavalleriedivisionen auf vier verringert wurden. Im Sommer 1936 hatte die Armeegruppe eine Stärke von gut 300.000 Mann erreicht.

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Während die japanischen Streitkräfte in Mandschukuo zusehends erstarkten, gingen auch im von inneren Konflikten zerrütteten China bedeutsame Veränderungen vor sich. Anfang 1937 hatten sich die chinesischen Kommunisten unter Mao Zedong und die Nationalchinesen unter Chiang Kai-shek auf ein Stillhalteabkommen geeinigt – die sogenannte zweite Einheitsfront. Dies führte zu einem Erstarken der Position der Nationalchinesen und damit ab Sommer 1937 zu zunehmenden Spannungen an den Berührungspunkten mit den japanischen Truppen bei der alten Nordchinesischen Hauptstadt Peking.
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2. chinesisch-japanischer Krieg

Beitragvon Taras » 9. Oktober 2014 10:09

In Europa war der spanische Bürgerkrieg der Putschisten unter General Franco gegen die Republikaner überraschend schnell zu Francos Gunsten entschieden worden. Die Unterstützung der Putschisten durch die Nationalistischen Regierungen in Deutschland und Italien zahlte sich stärker aus als die gleichzeitige Unterstützung der republikanischen Volksfront durch das bolschewistisch regierte Russland. Auch japanische Militärbeobachter verfolgten interessiert die Wirkung der neuen Einsatzmethoden und der neuesten Kampfmittel. Der Zusammenwirkung von Truppe, Artillerie, Flugzeugen und modernen Panzern und ihrer Koordinierung mittels elektronischer Fernsprechmöglichkeiten mußte größte Aufmerksamkeit geschenkt werden!

Zu einer Auswertung der gesammelten Erfahrungen oder gar einer Umsetzung in der Truppe blieb jedoch keine Zeit. Denn über China zog Krieg herauf.

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bushido


Am Abend des 1. Juli 1937 begab sich eine Kompanie einer bei Peking stationierten japanischen Einheit auf ein nächtliches Manöver, nördlich der Marco-Polo-Brücke. Nach unterschiedlichen Angaben erklangen zwischen 22:30 Uhr und 23:40 Uhr Schüsse aus Richtung des Flusses Yongding He. Bei einem Appell nach Verklingen der Schüsse wurde festgestellt, dass ein Soldat fehlte und dieser als womöglich getötet oder von Chinesen verschleppt worden war.

Die betroffene Truppenführung der Kaiserlich Japanischen Armee verlangte daraufhin ultimativ, die von chinesischen Milizen kontrollierte Umgebung nach dem Vermissten durchsuchen zu dürfen.

Verhandlungspartner waren vor allem die Truppen des Generals Yan Xishan der sich in den Provinzen Shanxi und Hebei in den Wirren des Bürgerkrieges - mit ihm persönlich ergebenen Einheiten der chinesischen Armee und zugelaufenen Marodeuren - ein eigenes fragiles Reich geschaffen hatte. Er konnte sich jedoch auf die Unterstützung durch die Chiang Kai-shek Truppen verlassen.

Mit der Zweiten Einheitsfront im Rücken fühlten sich die Chinesen stark genug, die anmaßende Forderung der Japaner zurückzuweisen. Daraufhin befahl der japanische Stab die Erstürmung des Ortes, was aufgrund der zahlenmäßigen Unterlegenheit jedoch scheiterte und in Scharmützeln endete, die sich bis in den Morgen des folgenden Tages hinzogen.

Die ersten Reaktionen auf den Zwischenfall erfolgten bereits am selben Tag vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas, mit einer Deklaration, in der alle Chinesen zum Widerstand gegen die japanischen Aggressoren aufgerufen wurden.

Die japanische Regierung reagierte zunächst zögerlich auf die Nachricht. Ziemlich schnell kam man im Kaiserpalast dann jedoch überein, dass man hier das Ventil für die nationalistischen Kräfte gefunden hatte. Die Generale und Offiziere der Nordchina-Gruppe drängten ohnehin auf eine Eskalation des Konfliktes. Diese Bewegung, die sich nun Bahn zu brechen schien aufhalten zu wollen, würde schwere innenpolitische Verwerfungen nach sich ziehen.

Die Botschaften der USA, Englands und Russlands hatten bereit signalisiert, dass ein neuer chinesisch-japanischer Krieg die internationalen Beziehungen Japans schädigen würden. Dies musste jedoch aus Rücksicht auf die nationale Harmonie in Kauf genommen werden. Das Kaiserliche Hauptquartier gab der Nord-China Armeegruppe am 02.07.1937 Anweisung, auf die chinesischen Provokationen angemessen zu reagieren.

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General Minami nahm diese Anweisung zur Grundlage, einen sofortigen massiven Angriff aller zur Verfügung stehenden Truppen zu befehlen. Ziel seiner Aktion sollte nicht die Besetzung von Land und Städten sein sondern die möglichst rasche Vernichtung der bewaffneten Macht des Gegners. Die Chinesen sollten auf der gesamten Linie geworfen werden und im Folgenden ein Ausweichen der aufgelösten Truppen in das weite Hinterland verhindert werden.

Die Kaiserlich Japanische Marine lief nur mit geringen Kräften aus. Zwei Verbände – bestehend aus je zwei Flugzeugträgern, einem Schlachtschiff und mehreren schweren und leichten Kreuzern – unter den Kommandeuren Koga Mineichi und Mikawa Gunichi erhielten den Auftrag das Gelbe Meer und die chinesischen Häfen zu sperren. Zwei U-Boot Verbände wurden mit dem Handelskrieg gegen die chinesische Flotte beauftragt.
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Re: Kimi Ga Yo

Beitragvon Taras » 10. Oktober 2014 07:47

Aufgrund der desolaten Finanzlage, konnte der in China ausgebrochene Krieg vorerst innenpolitisch kaum genutzt werden. Die nationale Aufwallung und die Ausrichtung der Industrie auf militärische Belange führten jedoch dazu, dass wesentliche Teile der industriellen Kapazitäten anstatt in Konsumgüter nun in Rüstungsaufgaben gelenkt werden konnten.

In Shanxi erbrachte die operative Aufgabenstellung General Minamis rasche Erfolge. Die zusammen gewürfelten Truppen des Yan Xishan waren eher geeignet, die eigene Bevölkerung zu schikanieren als sich dem konzentrierten Angriff gut ausgebildeter und hoch motivierter Truppen zu erwehren. In den Lösebenen Nordchinas wurden sie sofort über den Haufen geworfen und gingen größtenteils auf dem kopflosen Rückzug unter.

Weiter der Küste zu – gestützt auf den Liao Fluss und die Großstadt Peking konnten Shanxi und Koumintang Truppen etwas länger Widerstand leisten. Erst am 29. Juli fiel Peking an die vorrückenden Truppen der 1. Hendan (Armee) unter Generalleutnant Hata Shonroku. Diese hatte die Stadt jedoch erst in der letzten Phase der Schlacht direkt angegriffen, um einen verlustreichen Kampf in dem bebauten Gelände zu vermeiden. Große Teile der chinesischen Truppen, die in der Stadt stationiert waren oder nach den Niederlagen in den Grenzschlachten hier her zurückgingen, wurden nun eingeschlossen und an den Ufern des Liao-He vernichtet.

Die aus China anrückenden Koumintang-Truppen und die aus Yan’an nach Norden stoßenden Milizen der chinesischen Roten Armee gerieten in den Strudel der Ereignisse. Zurückflutende demoralisierte Shanxi Milizen verstopften Straßen und Brücken und vernichteten die Moral der nachrückenden Truppen bevor auch nur ein Japaner zu sehen war. Jede Führung ging verloren.

Die Clique um General Xishan löste sich auf. Er selbst verschwand in den Wirren des Rückzuges. Am 6. August 1937 kapitulierten die übrig gebliebenen Shanxi-Truppen.

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Damit war die Zielstellung der Nord-China Gruppe jedoch noch nicht erreicht. Der Roten Armee musste ein Zurückweichen in ihre Bergfestungen in Yan’an verwehrt werden und die Nationalchinesischen Verbände sollte vorwärts des Gelben Stromes vernichtet werden. Also jagte der Stab General Minamis weiter kategorische Angriffsbefehle an die Verbände hinaus.

Gestützt auf die Erfolge in Nordchina und nicht zuletzt befördert durch die in Peking eroberten Geldmittel, konnte das Kaiserliche Kabinett am 25.08.1937 ein Gesetzespaket verabschieden, das die Wirtschaft für den ausgebrochenen Krieg umfassen mobilisieren würde. Bürgerliche Rechte und die unternehmerische Freiheit wurden eingeschränkt, die Gewerkschaften handlungsunfähig gemacht und die Ressourcenverteilung einer staatlichen Planung unterworfen. Zusammen mit den wissenschaftlichen Fortschritten bei der Entwicklung neuer Produktionsprozesse wurde die industrielle Kapazität Japans damit auf 162 Einheiten angehoben.

Unerbittlich drängten im heißen August 1937 die japanischen Truppen den zurückweichenden Chinesen nach. Anfang September hatten sie Yan’an erreicht und verhinderten, dass die Rote Armee Mao Zedongs in den vorbereiteten Gebirgsbefestigungen noch einmal Fuß fassen konnten. Bei den heftigen Kämpfen in Baota wurde ein Großer Teil der politischen und militärischen Führung der Kommunisten vernichtet. Am 12. September kapitulierten die letzten noch organisierten Reste der chinesischen Roten Armee. Die Milizen liefen auseinander.
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Die 1. Hendan und Teile der 13. Hendan hatten den Huanghe erreicht. Hier wurde der Vormarsch gestoppt um die Rückwärtigen Einheiten heranzuführen, Nachschub und Ersatz heranzuschaffen und Ausgangsstellungen für eine neue Offensive zu schaffen. Auch sollte den Chinesen nicht die Gelegenheit gegeben werden, die überstreckte Front für gefährliche Gegenangriffe auszunutzen.

Im Oktober wurde die Umstrukturierung der Kaiserlich Japanischen Luftstreitkräfte abgeschlossen. Dem chinesischen Kriegsschauplatz standen nun 2 Luftverteidigungsdivisionen mit jeweils zwei Geschwadern Abfangjägern Nakajima Ki-27 sowie eine Luftflotte mit 5 Geschwadern taktischer Bomber Kawasaki Ki-48 zu Verfügung.

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Nakajima Ki-27
Länge: 7,53 m, Flügelspannweite: 11,31 m
Antrieb: Nakajima Sternmotor mit 710 PS
Höchstgeschwindigkeit: 470 km/h
Reichweite: 625 km
Bewaffnung: zwei 7,7 mm MG
Im Vergleich zu Modellen aus England, Deutschland oder den USA schwach motorisiert und bewaffnet; bereits veraltete Feuerlenkung durch Zielfernrohr; kein Funkgerät; durch die leichte Bauweise jedoch exzellente Flugeigenschaften.

Kawasaki Ki-48
Länge: 12,75 m, Spannweite: 17,45 m
Antrieb: 2 luftgekühlte 14-Zylinder-Sternmotoren mit je 1130 PS
Höchstgeschwindigkeit: 478 km/h
Reichweite: 2.300 km
Bewaffnung: 3 × 7,62-mm-MGs; 400 kg Bomben
Die Ki-48 kann lediglich eine Bombenlast von 400 kg transportieren und ist nur mit drei Maschinengewehren ausgerüstet. Auch lassen die Flugeigenschaften der Ki-48 zu wünschen übrig. Sie ist langsam und schwerfällig und trotz ihrer mangelhaften Panzerung relativ schwer und daher nicht leicht zu manövrieren.


Da von den Chinesen jedoch keine vergleichbare Gegenwehr erwartet wurde, sollten die japanischen Piloten trotz des bereits veralteten Materials hier Erfahrungen sammeln und neue Einsatzgrundsätze erarbeiten.

Anfang November gelang den Chinesen ein Überraschungscoup als sie trotz erdrückender Japanischer Überlegenheit zur See eine Landung im von Truppen entblößten Korea wagten. Die Landungstruppen waren zwar bald aufgerieben, jedoch die Marineleitung musste eingestehen, dass ihre Einsatzkonzepte noch nicht den Erfordernissen des modernen Gefechtes entsprachen.
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Im Dezember 1937 konnten endlich genügend finanzielle Mittel zu Verfügung gestellt werden um ein weiteres bedeutsames Gesetzespaket zu verabschieden. Die Wehrpflicht wurde auf unbestimmte Zeit – für die Dauer des Krieges verlängert. Damit konnte der Stamm an Wehrpflichtigen für die Auffüllung der Verluste, die Aufstellung neuer Einheiten und die Lehrgänge der Führungsschulen ausgeweitet.

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chinesischer Kriegsschauplatz 31.12.1937

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politische Lage Beginn 1938
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Kimi Ga Yo

Beitragvon Taras » 11. Oktober 2014 10:20

Während des Januars 1938 gab es zwischen Japan und Deutschland intensivsten diplomatischen Austausch. Im Tokioter Außenministerium war die Erkenntnis gereift, dass Deutschland die einzige Großmacht war, mit der es keine massiven Interessenüberschneidungen gab. Andererseits stand Deutschland in starker Konkurrenz zu England, Frankreich und der Sowjetunion. Von eben diesen drei Mächten fühlte sich auch das aufstrebende Japan bedroht oder eingeengt. So kam es am 23. Januar 1938 zur Unterzeichnung des Drei-Mächte-Paktes zwischen Deutschland, Italien und Japan. Die Unterzeichnung des Vertrages, der für 10 Jahre gelten sollte, fand in der Neuen Reichskanzlei statt. Die Achse Berlin-Rom-Tokio sicherte sich gegenseitig wirtschaftliche, politische und militärische Unterstützung für einen Konfliktfall zu. Nach dem Willen des japanischen Außenministeriums sollte damit die diplomatische Einkreisung durch England, Frankreich und die USA aufgebrochen werden.
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Unmittelbare oder sofortige Vorteile versprach man sich in Tokio von diesem Pakt nicht. Und erst recht bestand die unausgesprochene Klarheit, dass man sich nicht in europäische Konflikte hineinziehen lassen würde, ohne dass sich hieraus Nutzen für Japan ergeben würde.

Ende Januar ergab eine Auswertung der Geheimpolizei, dass die Tosei-ha (Kontrollgruppe) inzwischen eine große Zustimmung in der Bevölkerung fand. Nicht zuletzt durch die intensive Geheimdienst Tätigkeit wurden dem Tenno mit der Unterstützung der Tosei-ha die wirtschaftlichen und militärischen Erfolge der Jahre 1936-37 zugeschrieben. Die anderen politischen Bewegungen von ganz Rechts bis hin zu den moskautreuen Kommunisten fanden nur noch bei gut 40 % der Bevölkerung Aufmerksamkeit. Das Kabinett Keisuke ordnete daraufhin an, die Kapazitäten des Geheimdienstes vermehrt auf die Stärkung des nationalen Zusammenhaltes auszurichten.

Der ungeklärte Grenzverlauf zwischen japanisch Korea und der Sowjetunion führte Anfang März 1938 am Grenzfluss Tumen zu Gefechten die sich bis zum 13. März zu einer regelrechten Schlacht am Chasan See ausweiteten. Dem sowjetischen General Blücher gelang es dabei den japanischen Vorstoß abzuwehren. Die Kräfte der Kawantung Armee waren in China gebunden und das Tokioter Außenministerium hatte keinerlei Interesse den Konflikt auszuweiten. So kam es zu einer raschen Beilegung des Konfliktes.

Am 10. April 1938 begann endlich die langgeforderte Offensive der Nord-China-Gruppe.
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Die Truppen General Minamis waren inzwischen auf über 400.000 Mann angewachsen. Neben Infanterie und mehreren Artillerieabteilungen, hatte Minami auch sechs neuaufgestellte Divisionen erhalten die für den Kampf im Gebirge und in unwegsamem Gelände besonders ausgebildet und ausgerüstet waren. Diese Divisionen wurden in zwei Gebirgskorps zusammengefasst und einerseits der Mongolischen Armee und andererseits der zusätzlich unterstellten 5. Hendan mit Stoßrichtung Nanking zugeordnet.

Wie erwartet wurden Koumintang-Truppen in ganzer Breite geworfen. Die größten Schwierigkeiten bereiteten dem japanischen Vorstoß das Gelände Zentralchinas, die schlechte Infrastruktur und die überdehnten Versorgungswege.

Der seit Beginn des Jahres betriebene Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich fand am 4. Mai 1938 mit der Rede des deutschen Reichskanzlers Adolf Hitler auf dem Wiener Heldenplatz seinen Höhepunkt.
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Anfang Mai 38 zielten die Spitzen des 13. Armeekorps (Gen. Cho) und des 2 Gebirgskorps (Gen. Shojiro) auf die chinesische Hauptstadt Nanking. In der Stadt machte sich Unruhe breit und als der erste Kanonendonner zu hören war, entschlossen sich die diplomatischen Vertretungen zahlreicher Länder zur Evakuierung ihres Personals. Für die englischen und US-amerikanischen Konsulate dampften Kanonenboote den Jangtse hinauf. Nachdem das amerikanische Botschaftspersonal an Bord der USS Panay genommen war, verließ das Kanonenboot am 20. Mai die von Panik erfasste Stadt. Doch auch sie sollten dem Krieg nicht entkommen.
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Die japanischen Luftstreitkräfte hatten die Aufgabe erhalten ein Entweichen der Chinesen über den Jangtsekiang zu verhindern. So wurde die USS Panay am 21. Mai von drei Bombern angegriffen und versenkt. Zwei Soldaten und ein Botschaftsangehöriger starben, über 40 Menschen wurden bei diesem Angriff verletzt.
Japan musste alles tun um zu verhindern, dass die USA dieses Versehen als casus belli verwenden würde. Die Regierung musste sich offiziell entschuldigen und über 2,2 Millionen US-Dollar Entschädigung zahlen.

Am 03. Juni 1938 fiel nach langem und blutigem Ringen endlich die nationalchinesische Hauptstadt Nanking in japanische Hände.

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Der Krieg schien sich einem siegreichen Ende zu zuneigen.
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Sieg über China

Beitragvon Taras » 13. Oktober 2014 17:39

Tatsächlich kapitulierte Nationalchina zwei Tage später. Die Erschütterung durch die Vernichtung der Armee im Norden war zu groß. Zu keinem Zeitpunkt gelang es den neuaufgestellten Einheiten wirksamen Widerstand gegen die technisch und taktisch weit überlegenen Japaner zu leisten. Die Koumintang floh nach Guanxi und Yunnan. Die beiden Machtbereiche regionaler Kriegsherren fühlten sich nicht an die Kapitulation gebunden. Chiang Kai-shek setzte sich in die USA ab, um von dort die Befreiung Chinas neu zu organisieren.

Am 19. Juni 1938 brach auch der Widerstand der Truppen der Ma Clique zusammen. Die drei Familien Ma Bufang, Ma Hongkui und Ma Hongbin hatten sich im muslimischen Nord-Westen Chinas seit 1928 einen eigenen feudalen Machtbereich gesichert. Nachdem das Kavallerie Korps Generals Ando Rikichis in Golmud eigerückt war, gab es nichts mehr zu verteidigen.

Der Krieg gegen Nationalchina und die mit ihm verbündeten Kriegsherren war damit siegreich beendet. Feldmarschall Kan'in Kotohito, der Oberkommandierende des Chinesischen Kriegsschauplatzes wollte jedoch nicht warten bis sich in den Bruchstücken des alten chinesischen Reiches in Sinkiang, Yunnan und Guanxi neuer Widerstand formieren würde. Auch im japanischen Kabinett war man sich einig, dass diese instabilen Gebilde möglichst rasch beseitigt werden müssten um ausländischen Mächten eine Einmischung in China zu erschweren. General Minami wurde angewiesen, gegen diese Banditen Regionen aufzumarschieren.

Tokio, Kaiserpalast

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Hirohito stand in Gedanken versunken am Fenster, als Tarasawa den kleinen Raum betrat und sich zeremoniell verbeugte. Die Diener schlossen die Türen und nun waren nur die beiden Männer anwesend. Der Tenno nahm die Ehrbezeigung mit einem kaum wahrnehmbaren Nicken entgegen.
„Tarasawa Sama, ich habe Euch rufen lassen um die äußerst beunruhigenden Nachrichten aus China zu besprechen. Die ausländische Presse ist voll mit Greultaten, die japanische Truppen in China begangen haben sollen. Das Außenministerium informierte, dass unsere Botschafter in England, Frankreich, Holland und den USA von den jeweiligen Außenministern einbestellt wurden. Die Termine haben noch nicht stattgefunden, aber ich kann mir denken, welche Mitteilungen unseren Diplomaten übergeben werden.“ Der Kaiser wandte sich Tarasawa zu und forderte ihn damit zur Antwort auf.
„Auch ich habe die Nachrichten erhalten und sie sofort prüfen lassen. Mit Bedauern muss ich Euch mitteilen, dass es sich nicht um gegnerische Propaganda sondern um Tatsachen handelt.“ Mit einer tiefen Verbeugung entschuldigte sich Tarasawa für die schlechte Nachricht. „General Cho Isamu hat nach der blutigen Erstürmung der gegnerischen Hauptstadt seinen Männern freie Hand gelassen. Erschöpft durch die seit April ununterbrochenen Kämpfe und Märsche, haben unsere Soldaten jede Manneszucht verloren. Es kam zu Plünderungen, Massenweise Tötung von Gefangenen, zu Massenvergewaltigungen von Frauen und Mädchen und auch zu tausendfachen Morden an Zivilisten.“
Der Tenno wandte Taraswa seinen Rücken zu. „Der Krieg zeigt uns seine grausige Fratze.“
„Es ist wahr Majestät, dass im Krieg grausame Dinge geschehen. Von einem Soldaten, von dem man verlangt ins gegnerische Feuer zu stürmen, von dem man verlangt zu töten und zu sterben, von diesem Soldaten kann sicher nicht erwartet werden, dass er rücksichtsvoll mit der feindlichen Bevölkerung umgeht. Jedoch ich muss Euern Blick darauf lenken, dass man Japan mit Nachrichten im Radio und in den Zeitungen genauso gut bekämpfen kann, wie mit Gewehren.“
Der Kaiser überlegte kurz „In meiner Note zum Beginn der Offensive hatte ich unsere Soldaten aufgefordert, sich bei der Bekämpfung der Feinde nicht von einer Haager Konvention behindern zu lassen. Ich entnehme Eurem Gleichnis, dass dies ein Fehler war?“
Tarasawa verbeugte sich tief. Die Unfehlbarkeit des göttlichen Tennos durfte keinesfalls offen angezweifelt werden. „Eure Majestät erinnern sich sicher noch gut an meine damalige Position. Der hochverehrte Yamamoto Isoroku betonte bei dieser Beratung ebenfalls, dass die strategische Wirkung unseres Vorgehens, Beachtung finden muss. Weiter muss ich darauf aufmerksam machen, dass das Vorgehen Generals Cho unsere Ziele in China wesentlich beschädigt hat. Es wird Tage, wenn nicht Wochen dauern, bis die Offiziere die Truppe wieder in den Griff bekommen. Zwei Armeekorps, sechs Divisionen mit 57.000 Mann liegen in Nanking und können nicht für weitere Aktionen eingesetzt werden.
Was Eure Majestät mit der April-Note meinte war, dass feindliche Soldaten, die ihre Ehre verloren haben auch keine ehrenvolle Behandlung erwarten können. Nichts anderes erwarten wir auch von unseren Soldaten. Was jedoch General Cho daraus gemacht hat, ist der Missbrauch unserer Soldaten für Raub, Brandstiftung und Mord an Frauen, Kindern und Alten. Dieses Vorgehen schädigt nicht den Feind, sondern uns selbst.“
Lange verharrten beide in Schweigen bis endlich Hirohito wieder das Wort ergriff. „Tarasawa, du weißt, dass ich deinen Rat schätze.“ Er sah seinen gleichaltrigen Berater unsicher an. „Du meinst also, ich soll die Note zurücknehmen und dem Geschehen in China Einhalt gebieten?“
„Euer Majestät, Ihr solltet die Bedeutung Eurer Anordnung richtig stellen und es ist das Beste für Japan und für die Erreichung Eurer Ziele, wenn Ihr dem Morden dort unverzüglich Einhalt gebietet!“
„Das Beste für Japan…“ sinnierte Hirohito. „Meine Ziele… Was unterscheidet denn das in den letzten zwei Jahren erreichte von dem was damals die Kodo ha anstrebte? Du hast damals gegen die Bewegung von Kita Ikki gekämpft. Aber würde ich nicht an derselben Stelle stehen, wenn sich damals die Kodo ha durchgesetzt hätte.“
„Das Primat der Politik – ist der Unterschied, Majestät! Diese Leute wollten die Militärdiktatur. Deren Ziele hätten Japan in einen Krieg gegen alle Großmächte geführt.“
„Steht dieser Krieg nicht ohnehin ins Haus?“
Tarasawa überlegte einige Zeit, bevor er antwortete. „Es gibt Strömungen in der Entwicklung der Völker, denen man sich nicht entgegenstemmen kann. Man kann besten Falls versuchen sie zu lenken. In dem sich Japan entschlossen hat, sich in den Reigen der Großmächte einzureihen, haben wir uns solchen Zwängen unterworfen. Die Rohstoffquellen und Absatzmärkte Chinas sind seit fast hundert Jahren von London, Paris und Moskau begehrt. Mit unserem Sieg haben wir diesen Mächten die Tür verschlossen. Ja Majestät, es steht Krieg ins Haus! Unsere Verbündeten aus dem Weltkrieg, werden niemals akzeptieren, dass Japan im Drang nach Ressourcen gleichberechtigt sein wird. Wir müssen uns auf diesen Kampf vorbereiten.“
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Beitragvon Taras » 15. Oktober 2014 08:09

Am 30. August war der Aufmarsch der Nord-China Gruppe abgeschlossen. Die Kampfhandlungen wurden zuerst gegen die Guanxi Soldateska mit Stoßrichtung auf das Perlflussdelta eröffnet.

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Großbritannien, dass seine Kolonie Honkong durch die sich nähernden japanischen Truppen bedroht sah, wurde von der Entwicklung der Ereignisse überrollt. Die Proteste wirkten eher hilflos.

Ab dem 11. September rückten japanische Truppen auch in die Herrschaftsbereiche von Yunnan und Sinkiang ein. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Russen starken Einfluss in Sinkiang. Das änderte sich auch nach dem Sturz des Zaren kaum. Das von Uiguren (moslemische Turkvölker) bewohnte Gebiet wurde zum Zankapfel zwischen England und Russland. Die regionalen Kriegsherren versuchten in diesem Spannungsfeld eine eigene fragile Herrschaft aufzubauen.
Der Angriff auf Sinkiang war damit auch das größte Risiko des Herbstfeldzuges. Jedoch weder England noch Russland konnten sich zu irgendwelchen Interventionen und schon gar nicht zu gemeinsamen Aktionen aufraffen.
Warum die russische Reaktion so schwach ausfiel, sickerte erst langsam durch Geheimdienstkanäle. Das Land taumelte unter einer gewaltigen Terrorwelle, die Millionen von Opfern kostete. Wie bereits im Grossen Terror nach der französischen Revolution, richtete sich die tödliche Hysterie nicht nur gegen die echten und vermeintlichen Feinde der Bolschewiken sondern vor allem auch gegen ihre eigene Avantgarde.

Dass Großbritannien in diesem Herbst diplomatisch gebunden war, wurde spätestens am 28. September 1938 deutlich, als in München ein Abkommen zwischen Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland unterzeichnet wurde.
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Verhandelt wurde im Wesentlichen über die Tschechoslowakei – einem multiethnischen Gebilde des Versailler Vertrages. Das entschlossene und zielstrebige Auftreten des wiedererstarkten Deutschen Reiches ermöglichte es, dass bei dieser Konferenz die schlimmsten Auswüchse der deutschen Niederlagen im Weltkrieg revidiert wurden. Die Tschechei wurde gezwungen, die überwiegend von Deutschen bewohnten Randgebiete an Deutschland abzutreten.
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Der britische Premier Neville Chamberlain gab mit den Worten: „Peace for our time!“ seiner Hoffnung Ausdruck, das nun mit dem alliierten Entgegenkommen endlich eine Schlussstrich unter den vergangenen Krieg gezogen werden konnte.
In Tokio war man sich in den Büros des Außenministeriums einig, dass bei dieser Konferenz auch gleich über die deutsche Minderheit in Polen hätte verhandelt werden müssen. Da diese Problematik nicht geklärt wurde, müssten zwangsläufig neue Spannungen entstehen.

Noch im September 1938 wurde in Japan der Auftrag für mehrere Schlachtschiffe erteilt. In Kure wurde unter strengster Geheimhaltung auch das Projekt ‚Yamato‘ auf Kiel gelegt. Das Kampfschiff sollte eine Wasserverdrängung von mehr als 63.000 Tonnen bekommen und mit der stärksten Artillerie ausgerüstet werden, die bisher auf den Meeren gefahren ist. Als Fertigstellungstermin wurde der Sommer 1941 angestrebt.

Am 19.09.38 hatte Guanxi kapituliert. Am 15. Oktober gaben die Milizien in Sinkiang auf und am 01. November kapitulierte auch die Bande von Yunnan. Damit endete der zweite chinesisch-japanische Krieg mit einem totalen Sieg des kaiserlichen Japan.
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Die Hauptlast der Kämpfe hatte bei der Infanterie gelegen. Die japanische Flotte war zwar ununterbrochen im Einsatz, jedoch kaum in Kämpfe verwickelt. Sie konnte wegen ihrer massiven Überlegenheit daher kaum Erfahrungen im modernen Gefecht sammeln. Während dieser Operation am erfolgreichsten waren das Schlachtschiff Nagato und der schwere Kreuzer Nachi im Verband von Admiral Mikawa Gunichi.
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Um den gewaltigen chinesischen Raum besser beherrschen zu können, wurde am 01.01.1939 in der Inneren Mongolei der Vasallenstaat Mengukuo gegründet, der seinerseits jedoch nur von den Achsenmächten diplomatisch anerkannt wurde.
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Ebenfalls im Januar 1939 wurde in Tokio der Ausbau der Pazifikstützpunkte Truk, Eniwetok und Kwajalein beschlossen. Diesen Verstoß gegen Klauseln des Washingtoner Flottenvertrages hoffte man vorerst geheim halten zu können. Das Abkommen von 1922 wurde ohnehin als überfällig betrachtet, weil außer Großbritannien keine der Unterzeichnermächte mehr ein Interesse an seiner Aufrechterhaltung hatte.
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Das japanische Einflussgebiet im Januar 1939

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Die kaiserlich japanische Armee im Januar 1939

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Zur Verschleierung der 1937 in Auftrag gegebenen Flugzeugträger und der 1938 auf Kiel gelegten Schlachtschiffe, hatte sich der Tenno gegen die Admiralität durchsetzen können und den Großteil der älteren Marine-Einheiten verschrotten lassen.
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Beitragvon Taras » 16. Oktober 2014 17:12

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Beitragvon Taras » 17. Oktober 2014 17:37

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Beitragvon Taras » 18. Oktober 2014 18:04

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Dunkle Wolken

Beitragvon Taras » 20. Oktober 2014 08:05

Im Januar 1939 konnte der Generalstab der Kaiserlich Japanischen Armee den Demobilisierungsbefehl erlassen. Ein großer Teil der Divisionen wurde auf Friedenstärke heruntergesetzt und zum Garnisonsdienst zur Befriedung Chinas eingeteilt.

Die Weltlage entwickelte sich jedoch alles andere als friedlich. Europa - nachdem die Eingliederung des Sudetenlandes in das Deutsche Reich von den meisten Nationen als gerechtfertigt angesehen wurde, beging die Führung unter Reichskanzler Hitler im März 39 einen schweren Fehler. Unter der Androhung von Bombenangriffen auf die Tschechische Hauptstadt wurde die Auflösung der Tschechoslowakei erpresst.
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Das Land wurde unter den Nachbarn Deutschland, Ungarn und Polen aufgeteilt und es wurde der selbständige Staat Slowakei gebildet.
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Die Westmächte wurden von dem Coup überrascht und fühlten sich hintergangen. In London wurde nun deutlich, dass es mit Deutschland keine friedliche Einigung geben würde. Unmittelbar auf die Besetzung wurde durch die britische Regierung der Bestand Polens garantiert. Berlin musste nun klar sein, dass eine ähnliche Lösung der Frage der deutschen Minderheit wie in der Tschechei, in Polen zum Krieg mit den Alliierten – zu einem zweiten Weltkrieg führen würde.

Während die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Deutschland gerichtet, besetzt das Achsenmitglied Italien das auf der Adria gegenüberliegende Königreich Albanien.

Am 11. April 1939 trat Ungarn, ebenfalls ein Verlierer des Großen Krieges, der Achse bei. Frankreich verkündete daraufhin die Mobilisierung der Armee. Krieg zieht auf in Europa.

Anfang Juni konnten die beiden Flugzeugträger Amagi und Soryu den Dienst in der Kaiserlich Japanischen Marine aufnehmen. Die beiden Träger waren die ersten Großkampfschiffe aus dem Bauprogramm von 1937-38. Zum Borddienst wurden jeweils 18 Nakajima A4N1 Jagdflugzeuge, 20 Aichi D1A2 Sturzkampfbomber und 18 Mitsubishi B2M Torpedobomber zugeteilt.
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Die Wolken des Krieges zogen sich im Sommer 39 immer bedrohlicher über Europa zusammen. Dann am 8. August der Paukenschlag. In Moskau wurde zwischen dem deutschen Außenminister Ribbentrop und dem sowjetischen Außenminister Molotow ein Nichtangriffsvertrag geschlossen. Deutschland war es gelungen die strategische Umklammerung aufzubrechen. Da es jetzt den Rücken frei bekommen hatte, war es nur noch eine Frage der Zeit, wann im Westen wieder die Waffen sprechen werden.

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Dies waren hektische Tage im japanischen Außenministerium. Keinesfalls wollte man sich in den absehbaren Krieg hineinziehen lassen. Weder die Flotte noch die Armee waren auf einen solchen Kampf vorbereitet. Die Verpflichtungen aus dem Achsen-Pakt, gedachte man so weit wie irgend möglich auszulegen.
Auch in Tokio fühlte man sich von dem unerwarteten Schachzug der Deutschen überrumpelt. Denn, dass Deutschland einen drohenden Zweifrontenkrieg abwenden konnte, bedeutete wiederum, dass Russland dies ebenfalls nicht zu beachten brauchte und daher Freie Hand in Asien bekam.

Seit Frühsommer 39 war es wiederholt zu Grenzkonflikten in der äußeren Mongolei gekommen. Mongolische und Mandschurische Patrouillen gerieten immer heftiger aneinander und nun entwickelte sich am Chalchin Gol bei Nomonhan ein regelrechter Krieg.
Gestützt auf die Memoranden aus dem kaiserlichen Palast, wollte das Kwantung Kommando testen, wie standhaft die Rote Armee ist. Die ersten Aktionen verliefen erfolgreich. Seit Juli 39 war jedoch der Stab der russischen Streitkräfte ausgetauscht worden und der bisher unbekannte General Georgi Schukow führte jetzt die Truppen. Mit einer überwältigenden Übermacht griffen die Russen Ende August an. Sie bildeten selbständig operierende Panzerverbände, die unbeachtet des Verlustes des Kontaktes zur eigenen Linie tief durch die japanischen Linien stießen, zwei japanische Divisionen einschlossen und vernichteten.
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Die Überlegenheit der Russen betrug 2:1, die Verluste, die sie erlitten überstiegen die japanischen bei Weitem und dennoch war die Armeeführung des Tennos schockiert. Die russische Armee war keinesfalls derart geschwächt, wie es nach der Vernichtung des Führungspersonals erwartet wurde. Der Einfluss von Geheimrat Taraswa Shiro erhielt einen schweren Rückschlag.
Zuletzt geändert von Taras am 28. Oktober 2014 10:45, insgesamt 1-mal geändert.
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