[AAR]Timent Silvam nostram

AAR u.a. zu Spielen der Total War Reihe

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[AAR]Timent Silvam nostram

Beitragvon Guerillonist » 22. Januar 2012 15:00

Er tut es ja schon wieder! :strategie_zone_74:

Ja, nachdem ich mit einem AAR und einer Geschichte eigentlich schon voll ausgelastet bin, hat mich der Gedanke, dass mir jemand diese Recht unkreative AAR-Idee wegschnappen könnte einfach nicht mehr schlafen lassen ^^
Und da es eh meine Ambition ist im Mittelalterbereich, im Renaissancebereich und im Antikebereich ein AAR zu schreiben ( ihr merkt schon ich mach so was gern ), hab ich mir gedacht, dass ich euch nicht länger verschonen kann und ein AAR zu den guten alten Germanen schreibe. Warum das noch niemand getan hat, sondern sich alle an den ollen Römern aufhängen weiß ich zwar auch nicht, aber jetzt kommt es hier von mir.
Nachdem ich das Projekt ja eigentlich schon abgebrochen hatte, habe ich mich dann doch entschieden es weiterzuführen. Ausschlaggebend dafür waren drei Punkte: 1. Hab ich von vielen Leuten hier im Forum gelesen, dass sie es schade fänden, dass die Geschichte abgebrochen wäre und so etwas beflügelt natürlich das Autorenherz. Zweitens hat mich der Wallpaper Contest zu Rome2 Total War irgendwie inspiriert an dieser Geschichte aus Rome 1 weiterzumachen, obwohl nun sicher bald die Rome 2 Geschichten eintrudeln. Und 3. hasse ich es einfach Dinge unbeendet zu lassen. Darum: Exklusiv, nur für euch, im Flatpaket, komplett geremastert, live und in Farbe: Timent Silvam nostram - Sie fürchten unseren Wald.
Als Spiel-Grundlage dient dabei das gute alte Rome-Total War. Als Mod nur Mundus Magnus, also nur eine Kartenmod.

In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen :strategie_zone_20:

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Zuletzt geändert von Guerillonist am 1. September 2013 23:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: [AAR]Timent Silvam nostram

Beitragvon Guerillonist » 22. Januar 2012 17:05

PROLOG


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Musik (Öffnen)

Sie rannte so schnell sie ihre Füße trugen. Über Wurzeln und Steine stolperte sie. Die Dornen und Äste, die ihre weiße Haut aufrissen, beachtete sie nicht. Das Hufgetrappel ihrer Verfolger in ihren Ohren trieb sie an, wie hundert Peitschen es nicht vermocht hätten.
Kleine Männer aus dem Süden, klug doch grausam, hatten ihr Dorf zerstört uns seine Einwohner geschändet oder ermordet. Sie kannte dieses Volk, hatte sie doch lange unter ihnen gelebt. Es waren Römer. In Stahl gewandet marschierten die umher und es hieß kein Mann könne sie am Kampf bezwingen.
Hinter sich hörte sie Rufe und das Schnaufen von Pferden. Ihre Verfolger waren nur noch wenige Schritt hinter ihr, doch hier im Wald kam sie besser voran, als die Römer auf ihren Pferden. Dennoch wagte sie es nicht ihren Gang auch nur ein wenig zu verlangsamen. Blindlings rannte sie immer weiter voran. Wusste keinen Weg und kannte ihr Ziel nicht. Doch als der Wald auf einer kleinen Hügelkuppe plötzlich aufbrach und sie in eine steil abfallende Lichtung hinab sah, auf der die Wurzeln der umstehenden Bäume eine Treppe zu bilden schienen, da wusste sie wo sie war. Nur einen Moment lang verharrte sie so und wurde prompt dafür bestraft: Rechts von ihr brach ein Reiter aus dem Unterholz hervor und rammte seinen Speer nach ihr. Sie konnte sich im letzten Moment wegducken und die Spitze der Waffe bohrte sich knirschend in einen Baum. Dann stolperte sie den steilen Abhang hinunter. Der Mann, der den Speer nach ihr gestoßen hatte, fluchte laut, doch er hatte die Lanze schon wider aus dem Holz befreit und trieb sein Pferd den Abhang hinunter. Sein Kamerad folgte ihm. Und Wolken verdüsterten den Himmel.
Unten angekommen stand sie auf einem morastigen Platz, der an einer Seite von dem Abhang und an den anderen drei von einem mäandrierenden Fluss umschlossen wurde. In der Mitte dieses kleinen Moors stand ein einzelner, aber immens großer und reich geschmückter Baum. Auf diesen lief sie zu und ließ vor ihm auf die Knie fallen, als wolle sie ihn um Hilfe anflehen. Jetzt kamen auch die beiden Römer, die sie verfolgt hatten den steilen Weg hinunter. Es gab keinen Fluchtweg. Und es begann zu regnen.
Einer der beiden Männer, augenscheinlich der jüngere stieg, von seinem Pferd und fragte den anderen missmutig: "Müssen wir das wirklich tun?" "Ich will keine Zeugen! Verstanden!?!", kam die ruppige Antwort. Also kam der eine Mann langsam und mit gezücktem Schwert auf die sie zu. Irgendwo in der Ferne schlug ein Blitz ein und wenige Augenblicke später rollte der Donner über das Land.
Sie kniete noch immer vor dem Baum und hielt sich an seiner Rinde fest, wie einst an den Rockschößen ihrer Mutter. Doch etwas in ihr hatte sich geändert. Sie lächelte jetzt und flüsterte: "Er sieht zu!". Dann erhob sie sich und sah ihrem Verfolger ins Antlitz. Der blieb einen Moment verdutzt stehen, doch ging dann unbeirrt weiter. Er hatte die Hälfte des Weges zwischen ihnen zurück gelegt. Und erneut Blitze es, doch diesmal näher und die Pferde wieherten unruhig. Sie ging auf den Soldaten zu. Ganz langsam kam sie ihm näher. Er erstarrte und sah ratlos zu seinem Begleiter herüber. Der machte eine herrische Geste und so setzte der Jüngere seinen Weg fort. Sie jedoch löste die Fibel, die ihre Kleidung zusammenhielt und schritt jetzt nackt auf den Soldaten zu. Der junge Mann war nun endgültig entsetzt. Was tat diese Frau da? Er wollte keinen Schritt mehr auf sie zu tun. Stattdessen umklammerte er Schwert und Schild noch fester und starrte sie gebannt an.
Der Regen wurde heftiger und kälter während sie auf den Mann zu ging. Der ältere der beiden rief etwas, doch es ging im Krachen eines dritten Donners unter. Sie stand jetzt direkt war dem jungen Soldaten, der sich nicht zu rühren wagte. Sanft, fast liebevoll umfasst sie sein rechtes Handgelenk, welches das Schwert hielt. Sie lächelte ihn an und sein Gesicht war wie versteinert. Dann sprach zu ihm, leise doch deutlich und auf Latein, damit er es verstehen konnte: "Ihr seit also hier her gekommen, weil ihr unser Land begehrt und unserer Volk euch zur Dienerschaft haben wollt. Doch gebt Acht! In diesen Wäldern lebt eine Kraft, die ihr nicht ungestraft erzürnen dürft." Und dann, noch ehe der Soldat reagieren konnte, packte sie sein Handgelenk, das noch immer das Schwert umklammerte, fester, zog den Arm mit einem Ruck zu sich heran und treib sich so die Klinge tief in den Leib. Der Römer ließ die Klinge los und sprang zurück, als hätte ihn ein giftiges Tier gebissen. Sie stürzte auf Knie und Hände. Tief wühlte sie mit den Händen in der sumpfigen Erde als volle sie sich darin vergraben. Dann starb sie. In diesem Moment spaltete ein gleißend heller Blitz den großen Baum und steckte ihn in Brand. Die Pferde gingen durch und der Ältere wurde von dem Rücken seines Tieres gegen einen Baum geschleudert und fiel tot zu Boden.
So stand der Jüngere nun alleine da. Inzwischen war er bis über die Knöchel im Morast versunken, so dass er Mühe hatte sich wieder aus der Erde zu kämpfen.
Für sie wurde das Moor zum Grab, das diesen Schatz nie wieder hergeben sollte. Der junge Soldat jedoch kehrte in sein Lager zurück. Und bald würde er mehr als nur diese Geschichte zu erzählen haben. Er würde Sagas berichten von Freiheit und von Zorn. Von Mut und von Verrat. Von Glanz und Leid. Und von dem eigentümlichen Volk aus dem hohen Norden.




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Re: [AAR]Timent Silvam nostram

Beitragvon Guerillonist » 12. Februar 2012 12:50

Viele Jahre zuvor...

Elsternacht


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Speere wurden an Schilde geschlagen, Männer jubelten und Frauen erhoben einen mythischen Gesang als er ihre Reihen entlangschritt. Die Nacht war rabenschwarz und nur vom Flackerschein der Fackeln und Feuer erhellt, was die Atmosphäre dieses Ortes nach verstärkte. Dann war er am seinem Ziel angekommen: Dem Hohen Stuhl. Nun war er Roderich, nicht länger Fürst der Sueben, sondern König der Germanen. Die Menge verstummte als er auf dem gemeißelten Thron am Fuße der Elstersteine platz nahm. Erst dann kam auch sein Gefolge, das Spalier der Wartenden abschreitend, hinter im her. An der Spitze waren Roderichs erwachsender Sohn Armin mit seinen beiden Söhnen Dorrin und Wodrin, die 16 und 14 Winter zählten. Hinter ihnen kamen Halderich und Segestes, Fürst der Cherusker, auf dessen Stammland die Elstersteine standen. Hinter ihnen zogen die Stammesfürsten vieler Stämme drein: Chauken, Langobarden, Markomannen, Chatten, Fosen, Warnen, Hermunduren, Rugier, Semnonen, Angeln, Heruler, Nuitonen, Burgunder und Lemovier.
Zur Rechten des Königs nahm Armin Aufstellung, zu seiner Linken Segestes, als wichtigster Stammesfürst der sich dem König angeschlossen hatte. Hinter ihm stand Halderich. Dorrin und Wodrin setzten sich zu Roderichs Füßen ins Gras und die Stammesfürsten bildeten einen weiten Halbkreis um sie.
Über ihnen schrien Raben und Elstern und erfüllten die Luft mit ihrem Totengesang und im Fackelschein tanzten Schatten wie wilde Geister über die Steine. Ein Raunen und Summen ging durch die Menge der wartenden Germanen. Sie alle hatten sich, wie es Sitte war, in voller Bewaffnung zu diesem heiligen Ort begeben, an dem nun der erste allgermanische Königsthing abgehalten werden sollte. König Roderich war es zufrieden. Es hatte viel Mühe und Blut, viel Wortgewandtheit und Schläue gebraucht hier hin zu kommen, doch nun hatten er seinen Traum erreicht: Die Germanen waren unter einer Oberhoheit geeint. Sicher es waren noch nicht alle Stämme anwesend, vorallem aus dem Westen fehlten viele, wie die Sugambrer oder die Friesen, doch wenn sie die schiere Größe dieser Stammeskoalition sähen würden sie sich ihm sicher unterwerfen.
Also erhob er sich und begann: "Stämme der Germanen! Lange waren wir zerstritten und fochten gegeneinander auf Leben und Tod. Doch schon immer einte uns unsere Kultur und unsere Sprache und unsere Religion." Die Männer schlugen ihre Framen gegen die Schilde. "Ab dem heutigen Tag jedoch wollen wir fest zusammen stehen und kämpfen als Bundesgenossen und Brüder!" Erneutes Waffenschlagen. "Ich, Roderich forderte das Königtum über alle Germanen! Ich will jedoch euch kein grausamer König sein, der alle Macht für sich allein will. Nein, die einzelnen Stämme sollen weiter nach ihren Gesetzen leben und das Recht erhalten Angelegenheiten, die nur ihren Stamm betreffen selbst zu regeln. Doch sollen sie mir alle Gehorsam und Heerfolge leisten. Sie sollen dem König abgaben entrichten und niemand soll den Frieden mit einem anderen Stamm brechen. In Streitfällen ist fürdahin stets das Wort des Königs höher als des Stammesfürsten. Auch hat er das Recht in jedem Gebiet wo es ihm beliebt Siedlungen zu gründen und Menschen anzusiedeln. Dazu hat jeder Fürst, gemäß den Sitten unseres Volkes, den König und sein Gefolge gastfrei aufzunehmen. Und wenn ein Fürst stirb, so hat er zwar das Recht seinen Nachfolger vorzuschlagen, ihn einzusetzten vermag jedoch nur der König."
Es war still geworden auf dem Platz vor den Elstersteinen. Dann sprang Armin hervor und trat vor seinen Vater. "Trittst du vor mich um für dich und deinen Stamm zu sprechen, als freier Mann?" fragte der König. "Das tue ich!" antwortete Armin. "So ziehe dein Schwert als Zeichen deiner Würde und überreiche es mir als Zeichen deiner Treue!" Armin tat wie ihm geheißen und gab seinem Vater die Klinge in die Hand. "So bist du jetzt mein Gefolgsmann und ich dein Herr. Ich gelobe dir Schutz, gelobst du mir Treue. Und so auch deinem Stamm! Empfange nun aus meiner Hand deine Macht!" Und mit diesen Worten gab er seinem Sohn sein Schwert zurück. Dieser ergriff die Waffe, reckte sie in den schwarzen Nachthimmel empor und rief aus vollem Halse:" Sieg und Heil dem König! Sieg und Heil dem König! Ich schwöre ihm Gefolgschaft bis in den Tod. Und so auch mein Stamm der Sueben!" Dann trat er wieder an seinen Platz zur Rechten des Königs.
Nun war es an Segestes vorzutreten. "Trittst du vor mich um für dich und deinen Stamm zu sprechen, als freier Mann?", fragte der König erneut. Segestes nickte unmerklich und sagte "Das tue ich!" "So ziehe dein Schwert als Zeichen deiner Würde und überreiche es mir als Zeichen deiner Treue!" Segestes zog sein Schwert. Sehr langsam glitt die Klinge aus der Scheide. Armin spannte unwillkürlich die Muskeln an. Segestes überreich Roderich sein Schwert, der es nahm und fortfuhr. "So bist du jetzt mein Gefolgsmann und ich dein Herr. Ich gelobe dir Schutz, gelobst du mir Treue. Und so auch deinem Stamm! Empfange nun aus meiner Hand deine Macht!" Segestes riss dem König die Klinge geradezu aus der Hand und hob sie in die Luft, jedoch ließ die Spitze nicht gen Himmel zeigen, sondern heilt die Waffe so, dass sie eine Linie mit dem Horizont bildete. Dann rief er mit Donnerstimme "Sieg und Heil... den freien Stämmen!" und stieß den König die Waffe in den Hals.
Das war das Zeichen gewesen. Überall auf dem Platz packten die Cherusker ihre Waffen fester und drangen auf die Sueben, die völlig überrumpelt waren, ein. Auch viele der Stammesfürsten zogen ihre Waffe und Chatten, Markomannen, Heruler, Chauken, Burgunder, Warnen und Angeln griffen die Arglosen an. Die Fürsten, die dem König treu blieben waren schon zur Hälfte niedergemacht ehe sie die Waffen in Händen hatten.
Armin packt die Raserei. Er stürmte zu Segestes hinüber, der im Getümmel zu verschwinden versuchte. Der Suebenfürst warf zwei Männer, die ihm im Weg standen um, ohne auch nur zu wissen, ob sie Freund ober Feind waren, alles was für ihn zählte war Segestes zu finden und ihn zu töten. Dann erreichte er ihn. "Segestes! Du falsche Schlange bleib stehen!", brüllte er. Segestes wandte sich um und lächelte. "Es ist zu spät! Dein Vater ist tot und sein gescheitert. Das ist die Strafe für seinen Versuch sich über alle Stämme zu stellen." "Ich hoffe du weißt auch welche Strafe die Meineidigen in Helheim erwartet!", gab Armin zur Antwort und stieß das Schwert nach dem Cheruskerfürsten. Der fing die Klinge ab und hieb seinerseits nach Armins Kopf. Der packte jedoch sein Handgelenk, fing den Schlag so auf und gab Segestes eine Kopfnuss, sodass er ins Taumeln geriet. Ehe sein Gegner noch reagieren konnte rammte Armin ihn zu Boden und enthauptete den Verräter.
Hektisch sah er sich um. Überall kämpften und fielen Männer. Es war unmöglich zu sagen war zu welcher Seite gehörte. Dann ergriff Panik ihn. Er hatte seine Söhne komplett vergessen. Wieder am Hohen Stuhl angekommen sah er gerade wie Filli, Fürst der Rugier, der dem König treu geblieben war von der Hand des Warnenfürstes fiel. Siegrich, der Herzog der Niutonen war in einen wilden Schlagabtauch mit dem Fürsten der Angeln verwickelt und Armins Onkel Halderich kämpfte sogar mit zwei Männern gleichzeitig.
Dann sah er seine Söhne und das Blut gefror in seinen Adern, als er sah, dass der Fürst der Markomannen, ein rundlicher Mann mit einer Streitaxt, auf sie zugestürmt kam. Armin sprintete los, wusste aber, dass es vergeblich war. Er würde es nicht rechtzeitig schaffen.
Wodrin wich einen Schritt vor dem Markomannen zurück, doch Dorrin, der ältere, stand nur ungerührt da. Als der Angreifer die beiden fast erreicht hatte, ergriff Dorrin eine der Fackeln, die im Boden steckten und hieb damit nach dem Gesicht des dicken Mannes. Mit einem gequälten Schrei ließ der die Axt fallen und schlug sich die Hände vors Gesicht. Dorrin jedoch ergiff die Axt und erschlug den Mann, noch ehe sein Vater ihn und Wodrin erreicht hatte. Armin war beeindruckt vom Mute seines Sohnes, vertraute die Kinder jedoch seinem Onkel an, der sich inzwischen seiner Angreifer entledigt hatte, und warf sich ins Schlachtgetümmel.

Es wurde noch die ganze Nacht und den ganzen Morgen gekämpft. Keine der Seiten konnte einen eindeutigen Sieg davontragen uns so zogen sie, in stillschweigendem Einvernehmen, ab. Die Seite der Königstreuen hatte herbe Verluste zu beklagen. Denn neben den König war auch sein jüngeren Bruder Halderich gefallen, als er seine Neffen verteidigt hatte. Und mit ihm waren die meisten der Königstreuen Fürsten nach Walhall gegangen. Doch auch die Seite der Verräter hatte viele Tote zu beklagen. Armin zog mit seinem Gefolge, das nun stark verkleinert war, zurück ins Suebenland und nahm die Fürstenwürde an.
Die Stämme, die sich gegen den König gewendet hatten zogen ebenfalls heim in ihre Lande um dort zu leben wie sie es zuvor getan hatten. Doch etwas hatte sich verändert und das konnte man spüren. Und eine große Unruhe ergriff die Germanen aller Stämme.
Diese Nacht ging als die Elsternacht in die Lieder und Erzählungen ein. Denn an den Elstersteinen fanden die Ereignisse dieser Nacht statt und am folgenden Tag kam viele Elstern und Raben um sich an den Gefallenen gütlich zu tuen ehe man sie verbrannte oder verscharrte. Und ab dieser Nacht zählen die Germanen die Tage und sie fand statt im Jahre 478 nach der Gründung Roms.




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Re: [AAR]Timent Silvam nostram

Beitragvon Guerillonist » 11. März 2012 15:39

Im Jahr 9 nach der Elsternacht . Im Jahre 486 nach der Gründung von Rom.

Die Verräter


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Zwei Jahre hatte es Armin gekostet bis der Stamm der Sueben hinter ihm stand. Vier weitere Jahre hatte er damit zugebracht zu den Stämmen, die einst der Königsallianz angehört hatten, zu reisen uns und sie wieder hinter sich zu einen. Und nochmal zwei Jahre hatte es gedauert bis sie ihn als ihren oberen Herrscher vollständig anerkannt hatten. Doch nun stand eine große Stammeskoalition ihm bei, die auf der Seherin Spruch vertrauten...
Er war fest entschlossen das Erbe seines Vaters anzutreten und die zu bestrafen, die für seinen Tod verantwortlich waren. Seine wichtigste Stütze dabei waren seine beiden Söhne Dorrin, der mittlerweile 24 Jahre alt war, und Wodrin, der nun 22 Winter zählte, sowie sein Mündel Richburgis. Er war der Sohn des alten Fürst der Suionen gewesen. Die Suionen waren den Sueben treu geblieben und ihr Fürst Thorir hatte sich, im Vertrauen auf der Seherin Spruch, den Sueben unterstellt. Er fiel in der siegreichen Schlacht gegen die verräterischen Angeln. Er hatte Armin zuvor das Versprechen abgenommen sich um seinen Sohn zusorgen sollte er sterben, ehe dieser erwachsen sei. Richburgis war nun neunzehn und von Armin als Fürst über die nördlichsten Gebiete eingesetzt worden.

Es war einer der letzten sonnigen Herbsttage dieses Jahres, als Dorrin und Wodrin in der Halle ihres Vaters ankamen. Armin hatte seine Söhne zu sich rufen zu lassen. Die Zeit für seine Rache war reif. Die Köpfe der Verschwörung gegen Armins Vater waren die Stammesfürsten der Chatten, Chauken und Cherusker gewesen, so viel hatte er mittlerweile in Erfahrung gebracht. Segestes, den Fürst der Cherusker, hatte er in der Elsternacht erschlagen. Doch noch lebte seine Sippschaft und dieser Gedanke entfachte jeden Tag aufs Neue ein wütendes Feuer in Armins Brust. Doch die Stunder der Rache rückte näher.
Der Suebenfürst saß gerade im Kreis seiner Gefolgsmänner, als Dorrin und Wodrin die strohgedeckte Halle betraten. Sie waren beide zu prächtigen Kerls herangewachsen, doch von Grund auf verschieden.
Dorrin war ein hochgewachsener Mann. Hatte ein breites Kreuz und muskulöse Arme. Seine Haare, die er immer zu einem Suebenknoten gezurrt trug, waren so lichtblond wie frisches Stroh, das in der Sonne schimmerte. Seine Augen hatten die Farbe von Bergseen, doch stehts brodelte in ihnen ein unersättlicher Zorn. Seit der Elsternacht trug er stets die Axt, mit der den Markomannenfürsten erschlagen hatte, bei sich. Er war ungewöhnlich groß, selbst für einen aus dem Geschlecht der Sueben, sogar noch größer als sein Vater. Nur ungern trat er auf dem Rücken eines Pferdes in den Kampf, denn er war flink und behände zu Fuß und konnte weite Strecken laufen ohne zu ermüden. Doch war er auch hochfahrend und jähzornig. Und sein Durst nach Kampf konnte nur von dem nach Bier und Met übertroffen werden.
Wodrin hingegen war kleiner. Seine Schultern schmaler, seine Glieder feiner als die seines Bruders und sein Gesicht wirkte wie dem Lied eines Skalden entsprungen. Seine Haaren waren von einem dunklerem Blond und walltem ihm in leichten Locken auf die Schultern herab. Über alles liebte er die Musik, aber auch die Frauen und das Würfelspiel. Auch an Pferden, Hunden und der Jagd hatte er seine Freude. Mit dem Speer war er sehr geschickt, ob er nach einem wilden Eber oder nach einem Feind zielte. Seiner Verstand war pfeilschnell, doch noch schneller war seine Zunge.
Armin erhob sich von seinem Thron, als seine Söhne die Halle betraten und ging zu ihnen herüber. "Heil sei euch meine Söhne!", begrüßte er sie und legte Dorrin die rechte und Wodrin die linke Hand auf die Schulter. "Heil sei euch mein Vater!", gab Dorrin zurück und schlug sich auf die Schulter. "Ja, Heil euch, Vater!", sagte euch Wodrin und beugte leicht den Kopf. Armin ging zurück zu dem Tisch an dem er zuvor gesessen hatte. Dort lag eine geschnitzte Buchenholzkarte. Mitten darin steckte ein Messer. Armin wartete bis seine Söhne ihm nachgefolgt waren, dann begann er. "Wir sind hier", sagte er und deutete mit dem Finger auf eine Stelle, die in der mit zwischen einer mit Wellen verzierten Fläche, die offenbar das Meer darstellen sollte, und einem geschnitzten Fluss lag. "Hier", er fuhr mit dem Finger über das Holz zu der Stelle, an der das Messer steckte, "jenseits der Albia liegen die Lande der Cherusker. Darüber", er fuhr Richtung Küste "sitzen die Chauken. Und darunter", sein Finger glitt zum an dem Messer vorbei und blieb ein Stück darunter hängen. "leben die Chatten. Es ist endlich an der Zeit, diese Verräter zu zerschmettern. Ich möchte, dass du Dorrin mit einem Heer an der Küste entlang nach dem Sonnenuntergang entgegen marschierst, bis du die Lande der Chauken erreichst und sie unterwirfst." "Wie ihr befehlt, Vater!" "Du Wodrin gehst mit deinem Gefolge nach Süden und greifst die Chatten an." Wodrin ruckte mit dem Kopf zum Zeichen, dass er verstanden hatte. "Ich selbst werde mit meinen Männern gegen die Cherusker ziehen. Die Stämme der Chatten, Chauken und Cherusker haben sich zu einem starken Bund zusammengeschlossen. Unsere Angriffe müssen Erfolg tragen!" "Ich werde euch nicht enttäuschen, Vater!", antwortete Dorrin und schlug sich gewichtig in die Brust. Armin nickte und und sagte dann düster: "Kehrt so schnell wie möglich zurück in eure Stammlande. Nehmt euch so viele Männer, wie ihr auftreiben könnt und macht euch auf den Weg."
Dorrin war schon im Begriff aufzustehen, doch sein Vater hielt ihn zurück. Er lächelte "Nicht so eilig! Heute Nacht trinken und feiern wir... Ich habe euch schließlich seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen."
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Re: [AAR]Timent Silvam nostram

Beitragvon Guerillonist » 1. September 2013 23:49

Ein Fest unter Freunden


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Die lange Tafel war gedeckt mit allen möglichen Köstlichen aus dem Reich ihres Vaters. Fische aus der Albia und der Rugischen See. Früchte aus den Gefilden der Fosen und Wild aus den suebischen Wäldern. Armin saß auf dem leicht erhöhten Stuhl an der Spitze der Tafel. Zu seiner Rechten saß Dorrin und links von ihm Wodrin. Darunter saßen die übrigen Fürsten der Germanen. Nahe dem König jene, die schon lange zur suebischen Stammeskoalitionen gehörten: Die Semnonen, Langobarden, Lugier und Hermunduren. Dahinter, jene, die sich erst vor wenigen Jahren dem König unterworfen hatten. So wie die Fosen, Rugier, Gutonen, Markomannen, Kimbern, Teutonen und die Gauten.
Draußen vor der großen Halle saßen die restlichen Krieger an kleineren Tafeln. Überall liefen Liten umher, um die Anwesenden mit Speiß und Trank zu versorgen und mehrere Skalden spielten ihre Lieder.
Dorrin verpeiste mit großem Appetit eine Hirschkeule und brüstete sich dabei seiner Taten: „Der Sohn des Teutonenfürsten, baut sich also vor mir auf und brüllt mich an: ,Nur mein Vater hat mir Befehle zu erteilen'. Und ich stelle mich vor ihn sage zu ihm: ,Dann hast du hier meinen neuen Befehl: Setz dich!' Und er schaut mich noch einen Moment verdattert an und dann triff ihn auf schon meine Faust auf dem Schädel. Er fällt ihn und setzt sich schön auf den Hosenboden und ich seh ihn nur an und sage: ,Na geht doch!'“
Walther, der Fürst der Langobarden und Dorrins Sitznachbar, brüllte vor Lachen und hätte sich fast an seinem Fisch verschluckt. Auch Armin lächelte ob der Geschichte seines Sohnes. Wodrin hingegen zog nur die Stirn kraus und biss in seinen Apfel. „Nun lach schon, Bruderherz!“, forderte sein Bruder mit bräsiger Stimme – Dorrin hatte dem Met bereits kräftig zugesprochen. Wodrin legte seinen Apfel beiseite und fragte: „Worüber? Dass mein Bruder sich wie ein Ochse in der Brunft aufführt?“ Der Hermundurenfürst neben ihm unterdrückte ein Lachen. „Oder darüber, dass der künftige Fürst der Teutonen dich nun vermutlich hasst... ich weiß nicht, worüber ich weniger lachen kann.“ „Soll der Junge mich hassen“, entgegnete Dorrin. „So lange er nur den nötigen Respekt vor mir hat! Ist doch so?“, erkundigte er sich und von den Füsten um ihn kam zustimmendes Gemurmel. Wodrin wollte zu einer Antwort ansetzten, doch sein Vater hob die Hand und schnitt ihm das Wort ab. „Genug! Ich will heute Abend keinen Streit an meiner Tafel. Vor allem nicht zwischen meinen Söhnen.“
Wodrin stand auf. „Ihr entschuldigt mich Vater?“, fragte er betont freundlich. „Mir ist ein wenig nach frischer Luft.“ „Sicher doch, Wodrin. Aber komm wieder wenn der Nachtisch aufgetragen wird.“ Ohne darauf zu antworten, verließ Wodrin die Halle. Hier draußen herrschte buntes Treiben. Männer und Frauen tranken oder tanzten. Am Rande der Tische hatten Händler ihre Marktstände aufgebaut, die angesichts dieser großen Menschenmenge hofften, ein gutes Geschäft machen zu können. Um den großen Menhir, der in Mitte auf dem Platz vor der großen Halle stand, führten Frauen einen Tanz zu Ehren Freas, die bei den Gauten Frigg hieß, auf. Einen Moment lang sah Wodrin den Frauen versonnen zu, dann setzte er seinen Weg fort. Er hatte ein bestimmtes Ziel: Das Heiligtum Wodans. Es bestand aus drei verzierten Menhiren, die durch Seile verbunden waren. Bevor er den geheiligten Bereich um diese Steine betrat kaufte er einem Händler einen Krug Bier ab. Dann überschritt er die kleine Einfriedung, die das Heiligtum des Allvaters umgab. Zu der heutigen Feier hatte man die Menhire prächtig geschmückt und der Boden war morastig von den Trankopfern. Wodrin stellte sich vor sie Steine. Er überlegte einen Moment, dann nahm er einen kräftigen Schluck aus dem Tonkrug ehe er ihn mit den Worten: „Der Rest für die Götter!“ auskippte. Zwischen den Menhiren stand ein grob geschnitztes Idol des Asen. „Wodan!“, begann Wodrin mit beschwörenden Stimmer. „Haupt der Asen! Der du das Wissen der Toten kennst. Mein Vater Armin, Großfürst der Sueben, schickt sich an zu versuchen, was seinem Vater verwehrt bliebt. Der Seherin Spruch zu erfüllen und alle Germanen in einem großen Stamme zu einen. Gibt ihm die Weisheit und das Heil alles notwendige zu tuen!“
„Der Walvater hat deine Bitten erhört!“, ertönte plötzlich eine Stimme hinter Wodrin. Dort stand eine gutgebaute Frau mit schwanenweißer Haut und lichtblonden Haaren, ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen. „Wer bist du?“, fragte Wodrin und ging auf die Frau zu. „Nur eine Priesterin Wodans, die deinem Gebet gelauscht hat.“ „Kannst du mir sagen, wie ich die Hilfe des Walvaters bekommen kann?“ „Wodan lächelt auf dich herab. Ich glaube, du solltest mit diesem Hädler dort aus dem Süden sprechen. Er wird dir ein Geheimniss verraten“ Sie streckte ihren blütenweißen Arm aus, ohne die Richtung zu schauen, in die sie deutete. Wodrin kniff die Augen zusammen. Dort in dem Gewirr aus Menschen stand einer, der sich von den anderen deutlich unterschied. Er war klein und hatte eine bräunliche Haut, sein schwarzer Bart war lockig und wallte ihm übers Kinn. Wodrin betrachtete ihn einige Momente lang eingehend, dann versicherte er sich: „Dieser Mann?“ und deutete auf ihn. Keine Antwort kam. Wodrin drehte sich um, doch die Frau stand nicht mehr hinter ihm.
Stirnrunzelnd verließ Wodrin das Heiligtum wieder und ging zu dem Mann herüber. Als der den Fürstensohn auf sich zukommen sah, hellte sich seine Mine auf. „Aspasmos!“ begrüßte er ihn. „Wie bitte?“, fragte Wodrin und legte die Stirn in noch tiefere Falten. Der Mann lächelte entschuldigend und schüttelte den Kopf. Er sagte etwas, das wie: „Apeiron sos lalian“ klang. Wodrin sah ihn nur kopfschüttelnd an. Dieser Fremde sprach ganz offenbar keinen Brocken Suebisch oder einen anderen germanischen Dialekt. Wie sollte er ihm helfen? Die Götter mussten verrückt sein... oder eher diese seltsame Frau. Er wollte sich schon abwenden, da hob der Mann die Hand, wie um Wodrin zu bedeuten er solle bleiben. Er zog ein gerolltes Pergament aus dem Ärmel seiner weißen Kleidung, die nur aus einem einzigen Stück Stoff zu bestehen schien. Auf der Rolle waren sonderliche Zeichen aufgetragen. Der Mann beugte sich über sie, als würden sie ihm ein Geheimnis verraten und sprach dann langsam und in einem furchtbarem Dialekt: „Ich Händler von Hellas. Verkaufen Schmuck der Frauen und Mann.“ Dabei winkte er mit verschiedenen Schmuckketten aus rötlichem Stein. Wodrin ignorierte die Schmuckstücke, die gewiss nicht ohne Kunstfertigkeit geschaffen waren und starrte wie gebannt auf das Blatt. „Was ist das für ein Pergament und was sind das für Zeichen?“ Der Mann schüttelte wieder den Kopf. Wodrin seufzte. „Was das?“ fragte er, deutete auf das Pergament und machte ein fragendes Gesicht. „Apeiron sos lalian.“ Wiederholte der Händler aus Hellas. Als Wodrin weiter fragend drein sah, war es an ihm zu seufzen. „Wenn du sagen“, erklärte der Mann, schließlich und blickte dabei immer wieder auf das Pergament. „Klingt wie... Bar Bar... Lalia! Apeiron! Blatt hier. Deine Wörter drauf. So ich kann sagen.“ Er wedelte mit dem Pergament vor Wodrin hin und her. „Du kaufen Schmuck?“, fragte der Händler schließlich und hielt erneut seine Kette hoch. Wodrin stand in Gedanken versunken dar. Die Zeichen auf dem Blatt schienen den Mann offenbar zu befähigen – wenn auch nur sehr bruchstückhaft – seine Sprache zu sprechen. Ein wohliges Gefühl überkam Wodrin. Das war also das Geheimnis, von dem die Priesterin gesprochen hatte. Er hatte schon gehört, dass manche Fremde aus dem Süden die Fähigkeit besaßen Worte mit Hilfe dieser Zeichen auf Papier zu bannen, doch wie das funktionierte und ob er auch diese Fertigkeit erlangen konnte, wusste Wodrin nicht. Aber er hatte vor es herauszufinden.
„Ich kaufe… das Geheimnis“, sagte Wodrin langsam und deutlich. Der Hellene lächelte und hielt Wodrin eine Kette hin. Der schüttelte jedoch den Kopf. „Das Geheimnis! Geheimnis!“ Dabei deutete er auf die Pergamentrolle. Der Händler hielt fragend das Pergament hoch und Wodrin nickte. Der Mann zuckte mit den Achseln und Wodrin legte ihm ein paar Bernsteinstückchen auf den Tisch. Der Händler machte große Augen und sah Wodrin mit einem schwer zu deutenden Gesichtsausdruck an. Vielleicht will er ja mehr... man kann ihn verstehen. Für so ein großes geheimes Wissen ist ein wenig Bernstein wohl ein schlechter Tausch, selbst für einen Schmuckhändler. Also zog Wodrin einen Beutel hervor und leerte ihn auf dem Tisch des Händler. Eine große Hand voll Bernsteins in verschiedenen Größen und Reinheitsgraden kullerte hervor.
Der Mann machte noch größere Augen und strich hastig und mit breitem Lächeln die Steinchen ein. Dann packte er schnell seinen Marktstand zusammen und beeilte sich, aus der Stadt zu kommen. Wodrin sah ihm eine Weile verdutzt zu, wie er seinen Schmuck einpackte. Merkwürdiger Fremder.
Wie der Händler verließ auch Wodrin den Platz allerdings in Richtung Großer Halle. Beide hatten das Gefühl, das beste Geschäft ihres Lebens gemacht zu haben.
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Re: [AAR]Timent Silvam nostram

Beitragvon Guerillonist » 15. September 2013 18:07

Der Seherin Spruch


Wodrin saß weit zurückgelehnt im Sattel und studierte das seltsame Stück Pergament in seinen Händen – zum Glück hatten ihn die Götter mit einer solchen Reitkunst ausgestattet, dass er sein Ross auch ohne Zügel zu lenken vermochte. Doch das Stück gegerbter Rindshaut verriet ihm auch bei dem gefühlt einhundertsten Mal, dass er es anstarrte, keine neuen Geheimnisse. Einiges war ihm jedoch schon aufgefallen: Insgesamt gab es 48 verschiedene Zeichen – wobei sie offenbar 24 Paare bildeten. Immer mindestens zwei dieser Zeichen bildeten eine Einheit die durch eine Leerstelle von der nächsten Einheit getrennt wurde. Wie der Mann aus Hellas – wo auch immer dies liegen mochte – jedoch mit Hilfe dieser Zeichen seine Sprache sprechen konnte, das wollte Wodrin noch nicht recht in den Sinn kommen. Wirklich ein Geheimnis diese Zeichen.
„Vielleicht solltest du es es lieber Wodan überlassen, dieses Geheimnis zu ergründen“, meinte eine Stimme neben Wodrin. Er sah auf und erblickte seinen Freund Adawulf neben sich, der an seine Seite geritten war. Er war wie Wodrin selbst 23 Jahre alt und mit dessen Cousine Childris vermählt.
„Walvater wird die Antwort kennen – nur wie bringe ich ihn dazu, sie mir zu verraten?“, antwortete der Fürstensohn und verstaute das Pergament wieder in seiner Satteltasche. Sie ritten gen Rugen dem festen Thing- und Marktplatz der Rugier, des Stammes, dessen Verwaltung nun Wodrin oblag. Dennoch war er nicht Stammesfürst der Rugier. Aber da die Rugier seinem Vater als Teil der Stammeskoalition zur Heeresfolge verpflichtet waren, kamen ihn praktisch die selben Rechte zu. Rugen lag an der Küste der Östlichen See, gegenüber einer gleichnamigen Insel. Hier sollte er Männer anwerben, um sie gegen die Chatten zu führen. Begleitet wurde er von seinem Gefolge: 80 handverlesene Krieger seines Stammes.
„Glaubst du wir brauchen solche Zauberei, um gegen die Chatten zu bestehen?“, fragte Adawulf mit hochgezogener Augenbraue. Wodrin zuckte mit den Schultern. „Schaden kann es nicht, wenn wir der Seherin Spruch erfüllen wollen, schätze ich.“ „Du sagst es doch: Die Götter haben deinem Vater die Herrschaft über alle Stämme prophezeit. Ihr Heil ist mit ihm.“ „Sie haben meinem Großvater diese Herrschaft prophezeit. Und was hat er nun davon? Er ist zur Hel herabgefahren und wartet dort auf die letzten Dinge.“ „Einem solch großen Mann wie deinem Großvater ist sicher selbst in der Hel ein besonderer Platz zugewiesen“, zeigte Adawulf sich zuversichtlich.*
Eine Weile ritten sie schweigend nebeneinander her, an den kleinen Hainen vorbei die hier in der Nähe der Küste überall verstreut standen. Dann fragte Adawulf: „Wie genau waren doch gleich die Worte der Seherin?“ Wodrin schickte einen Seufzer zum Himmel. „Du kennst sie, Adawulf, so gut wie jeder Mann, der hier mit uns reitet.“ Dabei drehte er sich zu dem Tross um. „Aber ich möchte sie noch einmal von dir hören. Du warst als einziger selbst dabei von allen Männern, die hier mit uns reiten.“ Wodrin sah versonnen einer Möwe nach, die über den Himmel zog. Es stimmte: Er hatte der Seherin Spruch selbst vernommen, obwohl er damals noch sehr jung gewesen war, gerade einmal vier Winter, hatte er schon erlebt.
Es war zum Feste der Nerthus gewesen, an dem jedes Jahr eine reich geschmückte Priesterin auf einem eben so prächtigen Wagen der Nerthus zu Ehren durch der Sueben Stammeslande zu fahren pflegte. Und immer hatte sie dies von Süden nach Norden - küstenwärst – getan. Doch dieses Mal war sie aus dem Osten gekommen. Ganz entgegen ihrer Gewohnheit – denn normalerweise sprach sie kein Wort, wenn sie mit ihrem Wagen durch die Lande fuhr – hatte sie auf den Ort des Fastenthings, den die Suebenfürsten gerade abhielten, zugehalten. Wodrin hatte am Rand dieses Things, außerhalb des heiliges Bereichs, gewartet mit seinem Bruder Dorrin und das ganze Schauspiel miterlebt. Die Priesterin hatte ihre Rosse erst kurz vor dem Thingplatz angehalten, war vom Wagen gesprungen und hatte ihre Worte gesprochen.
„Nun sprich schon, Wodrin, mein Freund. Wie waren ihre Worte?“
Und Wodrin antwortete: „Gehör heisch ich unter den Söhnen Heimdalls, höherer und minderer Geschlechter. Schon lange handeln sollen, hättest Fürst der Sueben du, denn schon überschritten haben sie den Fluss und verlassen die Lande die ihnen die Götter wohl angewiesen. Gönnen den Hohen ihre Säle nicht, gönnen den Minderen ihre Lager nicht. Um wie der große Wurm Midgard zu umgürten ziehen sie aus; kämpfende Männer stahlgewandet. Dann muss Eid brechen, muss Schild brechen, muss Schwert brechen, wenn die Tore der hohen Burg aufgestoßen werden und die Söhne Heimdalls vergießen ihr eigen Blut, dann muss fallen der Bruder von des Bruders Hand, der Vielbeweinte. Dem Lindwurm gleich werden sie sich walzen durch die Hainen hin zu den Küsten wo Ask und Embla erwacht. Doch eins sollen sie fürchten wenn solches geschieht, die trollgestalteten die dem Muspell entronnen, dass die Söhne Heimdalls geeint sich regen, Seite an Seite zur Walstatt hin. So unternehm dies hoher Fürst der Sueben, wenn der Götter Rat du befolgst, eine die Völker von Heimdalls Söhnen mach dir zu eigen ihr Land. Dann wird verhindert der Walgötter Sturz wenn unter deinem Banner du wohl vermagst zu einen die Stämme aus Lodurrs Atem und Hönirs Hand.“
Seine Stimme hatten einen tiefen beschwörenden Klang angenommen, als er diese Worte gesprochen hatte und er hatte kaum auf seine Umgebung geachtet, so dass er einigermaßen überrascht war, plötzlich das Meer rauschen zu hören.
„Also hat die Seherin nur vom Fürsten der Sueben gesprochen, nicht davon, dass es Roderich Fürst der Sueben sein müsste“, folgerte Adawulf „Ich würde lieber wissen, wen die Seherin mit sie gemeint hat.“, antwortete Wodrin. Sein Freund überging die Frage und sagte stattdessen: „Wir sind da.“ „Es ist klein“, waren Wodrins erste Worte.
Nun bauten die Germanen in jener Zeit keine großen Städte und feste Burgen, wie es andere Völker taten und die meisten von ihnen lebten über das Land verstreut auf kleinen Gehöften, doch von dem großen Thingplatz der Rugier, hätte sich Wodrin mehr erwartet. Ein, vielleicht zwei Dutzend Häuser standen hier um den Hügel verteilt. Das einzige Gebäude, das herausragte war eine Art Versammlungshalle, wo sich offenbar die Großen des Stammes trafen und berieten ehe sie zum Thing schritten oder wo sie hernach in geselliger Runde zusammensaßen.
Wodrin ritt voraus, bis er die Grenze der Ansiedlung erreicht hatte. Dann sprang er vom Pferd und schritt den Hauptweg entlang, der zum eigentlich Thingplatz führte. Adawulf und seine übrigen Männer folgten ihm in einigem Abstand. Ein untersetzter Mann begrüßte ihn auf der Kuppe des Hügels. Er war Hanarr, Fürst der Rugier, doch wenig vermochte er bei seinem Volk, im Krieg wie im Frieden. Seine ehemals feuerroten Haaren färbten sich langsam weiß, wie die Gischt die an die Küste schlug oder die Kreidefelsen die hier aufragten. „Heil Euch, Wodrin. Sohn des Armin, Fürst der Sueben!“, grüßte Hanarr ihn. Es waren nur acht Männer bei ihm, die offenbar sein Gefolge darstellten.
Bild
Das sah Vater ähnlich: Dorrin bekam die Vormundschaft über die Kimbern und Teutonen – beides mächtige Stämme – zugewiesen und er, Wodrin? Er musste mit den Rugiern zurecht kommen, ihrem schwachen Fürsten und ihrem ärmlichen Thingplatz. Doch er rief sich seine Pflichten in Erinnerung und grüßte freundlich zurück: „Auch Euch Heil, Hanarr, Fürst der Rugier und Euren Männern.“ Mittlerweile hatte sich auch Wodrins Gefolge hinter ihm aufgebaut. Alle zu Pferde, der Fürstensohn war als einziger abgestiegen. Adawulf führte sein Pferd am Zügel. „Bringt mich und meine Männer in Eure Halle, Hanarr, damit wir alles besprechen können“, bat Wodrin.
Also ging der Rugierfürst voraus in die kleine Versammlungshalle. Drinnen war kaum Platz für 60 Mann, sodass ein Teil von Wodrins Männern vor der Halle warten musste. Wodrin saß zur Rechten des Fürsten.
„Ihr wisst, warum ich hier bin Hanarr. Als Fürst der Sueben und Haupt der Stammeskoalition fordert mein Vater Heeresfolge von den Rugiern. Seid ihr bereit, sie ihm zu gewähren?“, erkundigte sich Wodrin. „Natürlich“, antwortete Hanarr eilfertig. „die Chatten mögen für ihren Meineid büßen.“ Ein leichtes Lächeln huschte über Wodrins Gesicht. Zumindest an diesem Punkt lief alles glatt. „Wie viele Mannen könnt Ihr uns zur Verfügung stellen?“ „Einen ganzen Bann Speerträger!“, verkündete der Fürst stolz. „Was!?! Ein Bann, mehr nicht?“, stieß Wodrin entsetzt aus. „Das sind beinahe 500 Krieger**“, suchte der Fürst sich zu verteidigen. „500 Mann? 500 Mann? Die Chatten werden tausende ins Feld führen. Wie lange werdet ihr brauchen um mehr Krieger einzuberufen?“ „Ich fürchte, das ist im Moment nicht möglich. Die Männer müssen lernen in Reih und Glied zu kämpfen. Das bringt ein Mann nicht von selbst. Aber leider fehlen uns dazu Ausbilder; ganz zu schweigen und von einem Aufmarschplatz oder etwas derartigen.“
„Mir wird schlecht“, verkündete Wodrin und er sah tatsächlich eindeutig blasser um die Nase aus, als noch vor wenigen Augenblicken. Rugier... zur Hel mit diesem Stamm. „Gibt es hier ein Heiligtum Wodans? Ich würde gerne beten.“ „Nein – und auch sonst keines.“
Wodrin vergrub das Gesicht in den Händen. Schließlich sprach er. „Nun gut! Als Stellvertreter meines Vaters, fordere ich Euch auf, Hanarr an diesem Platz unverzüglich ein Heiligtum für den Walvater und einen Aufmarschplatz für die Männer zu errichten.“ „Ich entscheide, was auf meinem Stammland gebaut wird!“, polterte der Fürst, doch er hielt Wodrins energischem Blick nicht stand. „Und was wäre“, fragte der Fürstensohn betont ruhig. „Wenn ich den Bau dieser Gebäude bezahlen würde?“ „Dann... würde ich zustimmen – schließlich kann ich Wodan keinen Schrein abschlagen“, antwortete der Rugierfürst schließlich. Wodrin nickte. Bei diesem Stamm würde sich noch einiges ändern müssen, ehe er der Stammeskoalition wirklich nutzen konnte.
Eine Weile später wurde das Essen aufgetragen. Es war überraschend gut, wenn auch ein wenig fischlastig. Dennoch war Wodrin immer noch düsteren Sinnes. Bis der Met kam.
Ein junges Mädchen, von vielleicht 16 oder 17 Jahren, reichte ihm ein Trinkhorn mit versilbertem Rand. Der Met war köstlich, doch war es nicht das, was seine Laune besserte. Die Maid hatte wunderschönes gelocktes Haar, das glänzte wie ein frisch geschmolzener Batzen Gold. Ihre Haut war weiß wie Schwanengefieder und die Augen gleich Lapislazuli. Wodrin war noch nie ein Kostverächter gewesen, das Frauen anging, doch diese ließ sein Herz einen Schlag lang aussetzen, als sie sich lächelnd vorbeugte und ihm das Trinkhorn reichte. Nachdem sie wieder verschwunden war, wobei Wodrin ihr recht ungeniert nachgesehen hatte, fragte er den Rugierfürsten: „Hanarr, könnt Ihr mir sagen, wer dies Mädchen ist, dass den Met gebracht hat.“ Der Rugierfürst nahm einen großen Schluck. „Na sicher! 's ist meine Tochter Alwit“, tönte der Fürst, auf den Met offenbar schon zu wirken begann.
Nun, dachte Wodrin, vielleicht war doch nicht alles schlecht bei den Rugiern




Kommentare

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Nur falls sich jemand wundert: Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Vorstellung von Valhall sich frühestens in der Völkerwanderungszeit verbreitet hat - diese Geschichte jedoch über 600 Jahre früher ansetzt.


** (Öffnen)
Ich spiele zwar schon mit größtmöglicher Einheitenzahl, habe aber aus dramaturgischen Gründen die Zahl aller Soldaten im AAR noch einmal verdoppelt. Eine Speerträgerbande besteht auf der Größe Riesig aus 240 Soldaten. 240*2=480~500 Damit würde ein Fullstack Legionäre auch ungefähr der Größe einer Legion entsprechen, nämlich: 20*161*2=6440
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