Fridericus Secundus hat geschrieben:Ich glaube, wir sprechen ein Stück weit von unterschiedlichen Dingen. Ja, Code zu schreiben ist etwas anderes als in einem Spiel gegen einen "unberechenbaren" Gegner anzutreten. Aber ich hatte auch nicht die "Standard" LLMs wie ChaGPT oder Claude im Sinn, die jeder aktuell benutzt. Ich meine eher spezialisierte LLMs, die anhand eines vorgegebenen Sets an Spielen bzw. Spielzügen trainiert werden (das können in diesem Fall auch ältere TW-Titel sein, da sich am Grundprinzip wenig ändert). Wenn man sich anschaut, was "KI" im Grunde ist (extrem ausgefuchste Statistik in einem neuronalen Netz), dann kann das schon funktionieren: wenn man dem LLM alle paar Sekunden bestimmte Parameter zum Spiel übergibt, kann es aufgrund von Wahrscheinlichkeiten relativ gut antizipieren, was kommen könnte und was wahrscheinlich passieren wird. Denn so unberechenbar, wie man denkt, ist der menschliche Spieler letztlich gar nicht. Wenn er nicht der einen Standardtaktik folgt, hat er insgesamt vielleicht ein paar Dutzend Varianten, die er in gewissen Grenzen unterschiedlich zusammenkombinieren kann. Durch die Features des Spiels sind nun mal Grenzen gesetzt, die auch die Anzahl möglicher Spielzüge und Taktiken limitieren. Also nichts, was sich nicht analysieren ließe - klar hat die KI dann zuerst mal ein Problem mit einem Spielzug, der nicht ins Muster passt. Aber wenn man das LLM dann auf den existierenden Spielen weiter trainiert, hat man relativ schnell ne relativ gute Entscheidungsbasis für die KI.
Nein eben nicht.
Das funktioniert solange das Spiel in sehr berechenbaren Parametern funktioniert, wie in Starcraft, weshalb das auch für Tests mit KI benutzt wird, eben weil es sehr berechenbar bleibt, aber schon wesentlich komplexer daher kommt, als eben z.B. Schach.
Es findet aber direkt sein Ende sobald unberechenbare Elemente im Spielprinzip hinzukommen, wie zufällig generierte Maps, Zufallsereignisse, oder Ergebnisspannen in der Mechanik, wie beim Schaden, oder der Trefferchance, unterschiedlichsten Loadouts, Würfelglück, usw. usf, sowie unterschiedliche aber verknüpfte Spielebenen, mit völlig gegensätzlichen Spielprinzip (wie im Fall von Total War mit der rundenbasierten Karte und den Echtzeitschlachten).
Das ist auch der Grund warum z.B. für solche Tests mit KI eben kein Spiel wie Civilization genommen wird, oder Endless Space 2, oder Total War, kein X-COM, oder ein Stellaris, usw. usf.
Weil eine schlichte Mustererkennung von KI dort nicht mehr genügt, sondern Kreativität und Anpassungsfähigkeit wesentlich entscheidener werden, sich auf fortlaufend wechselnde Gegebenheiten und unterschiedlichste Ergebnisse einstellen zu können und das kann KI halt (aktuell) einfach nicht, oder maximal äußerst schlecht, egal wie "hoch entwickelt" sie ist und welches KI-Modell du da ranlässt.
Schon bei einem vergleichsweise noch recht überschaubaren Brettspiel, wie "Die Siedler von Catan", fallen die Ergebisse von KI da merklich ab, auch weil da die größten Vorteile von KI, von überlegener übermenschlicher Reaktion und Einheitenkontrolle halt egalisiert werden.
Dazu kommt dann halt noch die menschliche Komponente.
Eine KI berechnet was du warscheinlich machen wirst an Hand von Mustern, nach denen sie deine Handlungen auf Basis von Wahrscheinlichkeit bewertet.
Das reicht eben um vielleicht 80 bis 90% der Spieler in Starcraft zu schlagen, wirkliche Topspieler werden aber ihr Verhalten anpassen und dann zu Taktiken greifen die von dem abweichen was die KI von dir wahrscheinlich erwartet und das überfordert sie dann halt, weil die KI z.B. nicht einschätzen kann ob dein Angriff gerade ein Bluff sein könnte, oder eine vielleicht vorgetäuschte Schwäche ein Falle ist, um deine Einheiten zu exponieren und sie dann in einem Base race zu besiegen, oder weil der menschliche Spieler sich plötzlich für einen frühen Tower-Rush entscheidet, ect.
Fridericus Secundus hat geschrieben:Aber genau dasselbe tun wir Menschen größtenteils doch auch. In der Forschung ist gar nicht so 100%ig klar, wie sich Intelligenz eigentlich präzise definieren lässt. Zudem reicht diese "künstliche" "Intelligenz" (also Entscheidungen auf Basis gelernter Muster) im Kontext von Spiele-KI vollkommen aus, um 99% der Spieler in 99% der Szenarien zu schlagen.
Siehe oben, und nein, reicht sie eben nicht.
Hast du dich überhaupt schon einmal eingängiger mit dem Einsatz von KI-Modellen in (Video)spielen auseinandergesetzt, oder woher entnimmst du diese Behauptung, das KI 99% aller menschlichen Spieler, in 99% aller Szenarien, schlagen kann (unter gleichen Bedingungen und Gegebenheiten)?
Weil das entspricht eben schlicht und ergreifend nicht den Tatsachen und Fakten.
Fridericus Secundus hat geschrieben:Das sehe ich durchaus genauso, aber KI wird zweifellos einen enormen Impact auf den Großteil der irgendwie "hirnbezogenen" Tätigkeiten haben. Und gerade in unseren Breiten sind das schon derart viele Berufe, dass die Zukunft ungemütlich werden kann. Und wenn man sich den Automatisierungsgrad in manchen "handwerklichen" Bereichen anschaut und dann noch KI hinzudenkt, wirds auch nicht besser (Beispiel: in größeren Schreinereien kommen die Einzelteile für "individuelle" Möbel etc. inzwischen auch fix und fertig aus der CNC Fräse, da macht keiner mehr was mit Hobel und Säge, außer in Spezialfällen. Das hat mir neulich ein Schreiner erzählt, der meinte wörtlich, dass es sowas wie den Meister Eder schon lange nicht mehr gibt).
Nur ist das eben auch keine irgendwie geartete neue Erkentnis, die einen irgendwie überraschen sollte.
Das Automobil hatte einen großen Einfluss, die Fließbandfertigung hatte sie, Industrieroboter haben sie seit den 1970er Jahren, der PC hatte sie.
Kurz gesagt, jeder Schritt im steigenden Grad der Automatisierung hatte großen Einfluss.
1910 hattest du in einer durchschnittlichen Fabrik 3000 bis 5000 Arbeiter, nach Fließband und Industrieroboter sind es heute vielleicht noch 500 bis 1000.
1950 hat ein durchschnittliches mittelgroßes Unternehmen (mit etwa 200 Angestellten) etwa 5 bis 8 Buchhalter für die Buchführung beschäftigt, weil alles Handarbeit war.
In den 1980er Jahren, nach aufkommen des Computer waren es durchschnittlich noch 3 bis 4.
Der große Unterschied bei KI ist nicht das irgend ein Beruf wegfällt, oder sich auch nur verändert, sondern das anders als bisher noch der Fall (Stichwort, von der "Industriegesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft"), mit KI keine Berufe nachkommen werden, die das kompensieren, sondern das KI ehr auch noch diese Stellen ersetzt.
Schon jetzt erlebst du ja im Grunde eine Stagnation bei den Areitslosenzahlen, weil die Arbeitskraft in der eigentlich reale (physische) Werte schöpfenden Wirtschaft immer weniger benötigt wird, ohne das der Ausstoß sinkt, oder während er sogar noch größer wird.
Genau deshalb kommst du auch langfristig nicht um die Debatte über die soziale Gerechtigkeit herrum, das wenn der Bedarf an menschlicher Arbeitskraft sinkt, weil Automatisierung und KI menschliche Arbeitskraft ersetzt, das Einkommen der Menschen trotzdem irgendwie gesichert bleiben muss.
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