Victoria II

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Testberichte der Spielemagazine

Victoria II


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So testet Gamestar vom 16.08.2010
Beinharter Schwedenhappen




Im Test des hochkomplexen Paradox-Strategiespiels Victoria 2 führen wir nicht nur Kriege, sondern kümmern uns auch um Wirtschaft, Politik und Forschung.

Der schwedische Entwickler Paradox hat sein Strategiespiel Victoria 2 nicht nach dem Preispudel des Chefprogrammierers benannt, sondern nach der englischen Königin. Doch Moment, die aktuelle Monarchin ist doch die Hut- und Handtaschen-Fetischistin Elisabeth II., und zwar schon seit 1952. Satte 58 Jahre also. Den Thronrekord hält allerdings Königin Victoria (1819 bis 1901): Die brachte es auf über 63 Jahre, sodass sie einer ganzen Epoche ihren Stempel aufdrückte – dem Viktorianischen Zeitalter. Zeitweise regierte sie über ein Fünftel der Erde und ein Drittel der Weltbevölkerung.
Doch England ist nur eines der rund 200 Länder, die Sie in Victoria 2 lenken können. Darunter imperialistische Großmächte wie Preußen, Frankreich oder Spanien, aber auch so ungewöhnliche Nationen wie Texas, das sich gerade von Mexiko lossagt hat und prompt von den Sombrerosoldaten überrannt wird. Die Kriegsführung ist zwar wichtig, aber nur ein Teilereich von Victoria 2; wir müssen uns genauso um Innenpolitik und Wirtschaft, Forschung und Diplomatie kümmern. Denn was nützt die dickste Flotte, wenn in der Staatskasse Flaute herrscht? Dadurch ist Victoria 2 sogar noch komplexer als der Weltkriegs-Koloss Hearts of Iron 3 . Was der Imperialismus-Simulation aber nicht nur zum Vorteil gereicht.

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Fazit der Redaktion:
Martin Deppe: Dass Paradox hässliche Spiele mit viel Tiefgang macht, brauche ich Ihnen nicht mehr zu erzählen. Mit Victoria 2 setzen die Schweden aber noch einen drauf, denn hier ist das allein schon umfangreiche Militärsystem nur ein Bruchteil des großen Ganzen, um das Sie sich kümmern müssen. Das erfordert sehr viel Einarbeitung und Durchhaltevermögen, denn viele Ihrer Entscheidungen wirken sich erst spät aus – dann aber gewaltig. Wer diesen Biss mitbringt und nicht nur kämpfen will, wird mit einem tollen Strategiehappen belohnt. Alle anderen warten besser auf Civilization 5.

GAMESTAR Wertung: 75%
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So testet 4Players vom 13.08.2010
Victoria II



Die britische Königin Victoria war Namenspatronin einer ganzen Epoche des 19. Jahrhunderts. Im gleichnamigen Spiel von Paradox kann man aber nicht nur ihre Heimat regieren, sondern auch viele andere zeitgenössische Staaten von Mexiko über Frankreich bis China. Die Bandbreite ist verheißungsvoll: Man darf eine Eisenbahn durch Amerika bauen, aus Bayern eine Großmacht machen oder Deutschland vereinigen. Macht das auch Spaß?

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Fazit der Redaktion:
Bodo Naser: Ich bin ein wenig enttäuscht von Victoria 2 - da war mehr drin! Zwar entführt es historisch authentisch in das Viktorianische Zeitalter mit all seinen Strömungen, Gegenrichtungen und Widersprüchen: So ist es vom Spieler abhängig, ob er seinem Volk mehr Freiheit gewährt oder die politischen Daumenschrauben ansetzt. Bisweilen erreicht er auch das genaue Gegenteil, wie einst Bismarck, der die Sozialisten mit seinen Verboten nur stärker machte. Zudem kann man außenpolitische Erfolge feiern, indem man seinem Land den berühmten "Platz an der Sonne" beschert. Das ist allerdings unterschiedlich anspruchsvoll, denn es ist viel leichter das britische Weltreich zu verwalten als aus Hessen eine Großmacht zu schmieden - und auch innerhalb einer Nation schwankt die Qualität der Aufgaben. Auch wenn vieles auf Wunsch automatisch läuft, wird das Geschehen mit steigender Spieldauer immer unübersichtlicher. Man wird mit Meldungen bombardiert, die nicht immer wichtig sind. Beim Reichsbau helfen bahnbrechende Erfindungen wie die Eisenbahn, aber leider sind die anderen Fortschritte dagegen ein Klacks. Überflüssig wirkt auch der Handel oder die Bevölkerungsentwicklung, die automatisch vor sich hin brummen. Man kann zwar die Geschichte leicht verändern, aber die Staatsform gehört nicht dazu. Kriege finden im Stil der Zeit statt, aber die Kriegführung bietet genau so wenig taktische Möglichkeiten wie bei Europa Unversalis 3. Das Spiel kommt einem bisweilen wie eine viktorianische Ausgabe von Hearts of Iron vor. Schön ist erneut, dass man fast alle bekannten und weniger bekannten Länder der Epoche spielen kann - für jedes Land wurden die originalen Parteien, Ziele und Erzfeinde umgesetzt. Die historische Recherche war mal wieder vorbildlich, man wird als Geschichtsfan letztlich noch gut unterhalten, aber die Umsetzung muss endlich mal moderner ausfallen.

4players Wertung: 77%


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